Sportwetten
Das staatliche Monopol wackelt

Deutsche Gerichte geben den privaten Anbietern Rückendeckung. Die wittern nun ihre Chance. Juristen gehen davon aus, dass die Chancen, die seit Jahren umstrittenen Bestimmungen bald zugunsten der Privaten zu kippen, gut stehen.
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MÜNCHEN. Die privaten Anbieter gewinnen im Dauerstreit um das staatliche Monopol auf Sportwetten langsam die Oberhand.

Das Bundesverwaltungsgericht hat am späten Mittwochabend weitreichende Entscheidungen verkündet: So ist das Monopol auf Sportwetten nach Ansicht der Leipziger Richter nur dann zulässig, wenn es konsequent zur Bekämpfung der Spielsucht genutzt wird. Die Rahmenbedingungen für die sonstigen Glücksspiele - von Spielhallen über Spielbanken bis hin zu Lotto - dürften ebenfalls nicht zum Wetten und Tippen anstacheln.

Die Realität sieht anders aus: Private Sportwetten sind verboten, doch Spielhallen schießen wie Pilze aus dem Boden. Nach Ansicht des Wettkonzerns Bwin müssen die Politiker jetzt handeln: "Die Antwort kann nur eine kontrollierte Marktöffnung mit einheitlichen Spielregeln für alle Marktteilnehmer unter staatlicher Kontrolle sein." Anwalt Hendrik Schöttle von der Kanzlei Osborne Clarke geht davon aus, dass die Privaten nun gute Karten haben: "Es entsteht der Eindruck, dass die staatlichen Anbieter immer stärker in die Ecke gedrängt werden."

Die Leipziger Richter sind nicht die einzigen, die den privaten Wettanbietern Hoffnung machen. Das Verwaltungsgericht Hamburg bescheinigt in einer Entscheidung vom 5. November einer privaten Wettannahmestelle, dass sie ohne das Plazet der Hansestadt arbeiten darf. Die Firma hatte Sportwetten an ein in Malta ansässiges Unternehmen vermittelt, doch das Geschäft wurde von den Hamburger Behörden verboten. Dieser Prozessausgang habe weitreichende Folgen, sagt Anwalt Schöttle: "Es ist das erste Urteil, das es dem Betroffenen erlaubt, Sportwetten ohne deutsche Erlaubnis anzubieten."

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