Sportwetten: Volles Risiko unterm Affenfelsen

Sportwetten
Volles Risiko unterm Affenfelsen

In der britischen Enklave Gibraltar bereiten sich private Sportwetten-Betreiber auf die Marktöffnung in Deutschland vor. Im nächsten Jahr dürfen sie dort aktiv werden. Vom Schmuddel-Image haben sie sich längst losgesagt.
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GibraltarWenn sich die Affen oben auf dem berühmten Felsen von Gibraltar langsam ihr Nachtquartier suchen, dann wird es lebendig im fünften Stock der Europort-Bürotürme am Hafen. Für die Buchmacher im großen Handelssaal von Bwin Party fängt der Tag jetzt erst so richtig an. Denn gleich werden die abendlichen Fußballspiele angepfiffen. Dann werden auch die Spieler zu Hause vor ihren Computern munter. Sie werden Tausende Euro auf Sieg und Niederlage setzen, werden darauf wetten, wer das nächste Tor schießt.

So wie beim weltweit größten börsennotierten Online-Glücksspielkonzern geht es in vielen Büros in Gibraltar zu. Hunderte Buchmacher haben sich in der britischen Enklave niedergelassen. Früh haben die Stadtväter auf dem kargen Flecken Erde erkannt, dass sich mit Internetwetten viel Geld verdienen lässt. Schon zu Beginn des neuen Jahrtausends haben sie deshalb Gesetze erlassen, die es den Anbietern erlauben, von Gibraltar aus in ganz Europa ihr Geschäft zu machen.

Das nur sechseinhalb Quadratkilometer große Stück Land gehört zwar zum Vereinigten Königreich und damit auch zur EU, verfügt aber über etliche Rechte zur Selbstverwaltung. Ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sind die niedrigen Unternehmensteuern. Davon profitieren die Buchmacher. Auf ihren Bildschirmen reihen sich Zahlen in Kolonnen aneinander. Hier sehen sie, welche Summen auf welches Ergebnis gesetzt werden. Hier entscheiden sie in Bruchteilen von Sekunden, welche Quoten sie machen und welche Wetten sie anbieten.

Die Zeiten sind schon lange vorbei, in denen die Spieler nur auf den Ausgang einer Partie setzen konnten. Inzwischen lässt sich im Verlauf der Spiele etwa darauf wetten, wer bald ausgewechselt wird. „Live-Wetten machen nur unsere besten und erfahrensten Buchmacher“, sagt Phil Moorby, Handelschef von Bwin. Während der beliebtesten Fußball-Begegnungen sitzen mehr als 70000 Fans vor ihren Rechnern und platzieren eine Wette nach der anderen.

In Deutschland durfte in den vergangenen Jahren nur das staatliche Unternehmen Oddset Sportwetten anbieten. Aber das ändert sich mit dem neuen Glücksspiel-Staatsvertrag. Bald werden 20 Lizenzen für kommerzielle Anbieter vergeben. Firmen wie Bwin Party, Betfair, Bet-at-home oder Bet365 dürfen dann ganz legal Wetten offerieren, die von der Kundschaft bislang nur über ausländische Internetseiten möglich waren. Die Konzerne erhoffen sich so einen Schub für ihr Geschäft in Deutschland.

Auf den Computerbildschirmen von Bruno Peake könnte es deshalb künftig noch turbulenter zugehen als heute schon. An diesem frühen Dienstagabend im Dezember startet der 32-jährige Buchmacher von Bwin Party mit drei Partien der ägyptischen Fußball-Liga in seinen Arbeitstag. Für den Sportökonomen ist es eine Aufgabe zum Aufwärmen. Doch selbst die Teams aus dem nordafrikanischen Land ziehen 2500 Spieler an, die übers Internet fast 10000 Wetten platzieren und im Schnitt 10,50 Euro einsetzen. „Wir arbeiten in Schichten rund um die Uhr“, sagt Peake.

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  • Das Schmuddel-Image bleibt, da kann man sich von lossagen wie man will. Niemand braucht diese Halbkriminellen Wett- und Glücksspieler.

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