Sprachschule
Berlitz will Deutschland-Geschäft stärken

Die japanische Mutter Benesse prüft Zukäufe rund um das Kerngeschäft in Deutschland. Durch eigene Lehrmaterialien soll das Profil künftig geschärft werden. In Japan setzt das Unternehmen zusätzlich auf Altenheime für die Mittelschicht.
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TOKIO. Die Sprachschulkette Berlitz will ihr Geschäft in Deutschland ausbauen und erwägt dafür auch Zukäufe in Randbereichen. Das sagte der Vizechef der japanischen Muttergesellschaft Benesse, Kenichi Fukuhara, am Rande einer Veranstaltung der Bosch-Stiftung dem Handelsblatt in Tokio. In Deutschland sei das Geschäft trotz der Wirtschaftskrise sehr stabil. "Wir sollten dort mehr investieren", sagte er.

Benesse habe sich dazu bereits Firmen in Europa und Deutschland angeschaut. "Wir haben aber noch keine Entscheidung getroffen", sagte Fukuhara. Dabei gehe es nicht um den Zukauf anderer Sprachschulen, sondern um Anbieter von Schulungsstoff, der das Geschäft von Berlitz ergänzen könnte.

Eine solche Strategie sei sinnvoll, sagt Florian Becker, Sprecher des Verbands deutscher Privatschulverbände. Die großen Sprachschulen schärften durch eigene Materialien ihr Profil. "Die Schüler sind zugleich eine Kundschaft für Lehrmaterialien." Zudem steige die Bedeutung internetbasierter Kurse. In Deutschland wird der private Sprachschulmarkt von Berlitz, der Franchisekette Inlingua und vom Wall Street Institut beherrscht. Dazu kommen viele lokale Anbieter.

Beim japanischen Bildungs-und Verlagskonzern Benesse steht die weltweit tätige Sprachschule Berlitz für 16,6 Prozent des Umsatzes von 400 Mrd. Yen (drei Mrd. Euro) im Jahr 2008. Dabei ist Deutschland mit 60 Filialen der zweitgrößte Markt. 80 Prozent der Kunden sind Unternehmen. In Deutschland kommt ein großer Umsatz mit der Bundesanstalt für Arbeit hinzu, der das Geschäft in der Wirtschaftskrise stabilisiert. Berlitz gehört seit 1993 den Japanern. "Die Sprachschule hat im Unternehmen überproportionales Wachstumspotenzial", sagte Fukuhara. Die internen Wachstumsziele seien jedoch nicht allein durch organisches Wachstum erreichbar.

Expansion in Seniorenmarkt

In Japan expandiert Benesse, das vor allem bei Bildungsmaterialien für Kinder und Jugendliche stark ist, zudem in neue Geschäftsfelder. Damit will sich das Unternehmen auf die alternde Gesellschaft einstellen. So betreibt Benesse bereits 143 Altenheime.

"Benesse hat sich auf ein gehobenes, mittleres Preissegment spezialisiert. In der Mittelschicht funktioniert das sehr gut", sagt Ryuji Yasuda, der sich als Professor an der Hitotsubashi Universität Tokio mit dem Thema beschäftigt. Im Gegensatz zu Luxusaltenheimen mit einer Eintrittsgebühr von umgerechnet einigen 100 000 Euro und Billiganbietern auf der anderen Seite laufe das Benesse-Geschäft gut.

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