Staatliche Gesellschaft übernimmt angeschlagene D’Long-Gruppe
China rettet erstmals privaten Konzern

Es ist ein Novum in der Geschichte des sozialistischen Chinas: Der Staat bewahrt ein privates Großunternehmen vor dem Ruin. Die staatliche Kapitalverwertungsgesellschaft Huarong Asset Management hat den Schanghaier Mischkonzern D’Long komplett übernommen.

HB PEKING. Das bestätigte die Kapitalfirma am Wochenende. „Huarong versucht ihr Bestes, die legalen Interessen der Gläubiger und Investoren zu schützen“, teilte die Gesellschaft mit. Chinesische Medien schätzen, dass die Rettung von D’Long umgerechnet über sieben Mrd. Euro kosten wird.

Die Übernahme ist ein Zeichen dafür, wie wichtig im sozialistischen China inzwischen die private Wirtschaft als Motor für Wachstum und neue Arbeitsplätze geworden ist. Der All China Federation of Industry and Commerce zufolge stieg die Zahl der registrierten Privatfirmen 2003 um 20 Prozent auf über drei Millionen. Derzeit bestreiten private Unternehmen fast die Hälfte der Industrieproduktion und nahezu ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes in China.

D’Long ist eine der größten privaten Firmen des Landes – ein Konglomerat mit sechs börsennotierten Firmen und insgesamt 177 Töchtern. 1986 von Tang Wanli und seinen drei Brüdern in der armen westchinesischen Provinz Xinjiang gegründet, ist das Unternehmen heute einer der weltgrößten Ketchup-Produzenten, einer von Chinas führenden Herstellern schwerer LKW, die Nummer eins bei Fruchtsäften und eine der wichtigsten Finanzfirmen des Landes. Ein Vergnügungspark gehört ebenso zum Konzern wie Zementproduzenten und Touristikanbieter. In Deutschland wurden die Chinesen bekannt, als sie im Sommer 2003 den Regionaljet Dornier 728 von der insolventen Fairchild Aeroindustries übernahmen. Sie wollten den Jet fertig entwickeln und in Deutschland bauen.

Im Frühjahr dieses Jahres fand die Erfolgsgeschichte der Brüder Wanli jedoch ein jähes Ende: D’Long geriet in Geldnöte, weil die Staatsbanken bei der Vergabe ihrer Kredite deutlich vorsichtiger wurden. Die Auslandstöchter traf die Krise zuerst. Im Juni stellte Fairchild einen Insolvenzantrag.

D’Long hat inzwischen hohe Schulden bei allen großen Banken Chinas – die Rede ist von insgesamt 2,8 Mrd. Yuan, umgerechnet rund 280 Mill. Euro. Das Vermögen des Konzerns schätzten Beobachter im Juni auf gerade noch 1,8 Mrd. Yuan.

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