Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Aufsichtsratsmitglieder Orthmann und Rotermund wegen Betrugs und Untreue
Beate-Uhse-Kontrolleure unter Verdacht

Zwei Aufsichtsräte des Erotikartikelversenders Beate Uhse sind ins Visier der Staatsanwaltschaft Kiel geraten. Sie ermittelt gegen Aufsichtsratschef Richard Orthmann und den Sohn der Firmengründerin, Ulrich Rotermund, sowie den ehemaligen Vorstand der Hamburger Beteiligungsgesellschaft Capital Stage AG, Marco Hahn, wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue (AZ 545 JS 24001/04). Dies bestätigt ein Sprecher der Behörde.

HAMBURG. Nähere Angaben wollte er mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht machen. Die Ermittlungen berühren unter anderem die börsennotierte Hamburger Firma Capital Stage AG. Dabei soll es durch diverse Transaktionen zu einer langsamen Aufzehrung des Kapitals zu Lasten der Aktionäre gekommen sein, heißt es in einer Strafanzeige ehemaliger Mitarbeiter der Gesellschaft. Capital Stage versteht sich als bankenunabhängige Beteiligungsfirma für Mittelständler. Sie ist aus dem früheren Hamburger Wertpapier-Handelshaus HWAG entstanden.

Hintergrund der Ermittlungen sind unter anderem Vorgänge aus dem Jahr 2001: Damals wollten die Anteilseigner – darunter Orthmann, Rotermund, Hahn sowie der Hamburger Immobilienmanager Albert Büll – die Futura Capitalis AG (FC) an die Börse bringen. Doch der Plan ging nicht auf. Die Banken weigerten sich, die Anteile an der Futura Capitalis zu platzieren. Die Großaktionäre nutzten deshalb einen Trick und brachten stattdessen die rund zehn Beteiligungen der FC mit einem angeblichen Wert von 174 Mill. Euro in die bereits börsennotierte HWAG ein. Dazu gehörte unter anderem ein Anteil am Automobilzulieferer Thielert.

Um eine reibungslose Einbringung der Firmenteile zu ermöglichen, hatten die FC-Eigner der HWAG-Nachfolgefirma Capital Stage am 22. März 2001 zusätzlich eine zeitlich und betragsmäßig unlimitierte Kapitalzusage gewährt, die dem Handelsblatt vorliegt. Darin verpflichteten sie sich, entstehende Finanzierungslücken aus den eingebrachten Beteiligungen auszugleichen. Dies sollte in Form von Gesellschafterdarlehen oder Einlagen erfolgen.

Da aber weder der Vorstand noch der Aufsichtsrat von diesen Zusagen offiziell wusste, kam die Vereinbarung nicht zum Tragen, heißt es in der Strafanzeige. Stattdessen musste der Vorstand angesichts des zunehmenden Wertverlusts der eingebrachten Beteiligungen erhebliche Wertberichtigungen vornehmen. Die Folge: Die Gesellschaft rutschte tief in die Verlustzone. Mitte 2004 war die Hälfte ihres Grundkapitals aufgezehrt.

Hahn weist die Vorwürfe im Gespräch mit dem Handelsblatt zurück und sieht den Ermittlungen gelassen entgegen: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“ Orthmann hingegen räumte ein, dass es eine solche Finanzierungszusage gegeben habe. Um hieraus aber nicht in Anspruch genommen zu werden, habe der heute in der Schweiz lebende Kaufmann der Capital Stage damals eine Bürgschaft von 50 Mill. DM gewährt. Dies sei Teil einer Vereinbarung gewesen, die er unter anderem mit Hahn und Rotermund getroffen habe. Ulrich Rotermund war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%