Staatsanwaltschaft informiert
Pin soll Gewerkschaft bezahlt haben

Der frühere Vorstandschef des angeschlagenen Postdienstleisters Pin hat nach Erkenntnissen des Insolvenzverwalters die Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ) finanziert. Die Staatsanwaltschaft prüft die Angelegenheit.

HB KÖLN/BERLIN. "Es liegen Unterlagen vor, nach denen bis zum 10. Dezember 2007 Zahlungen von der Pin-Holding in Höhe von 133 526,69 Euro über einen Umweg an die GNBZ geflossen sind", teilte Insolvenzverwalter Bruno M. Kübler am Donnerstag in Köln mit.

Kübler übergab die Belege nach eigenen Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft. Demnach habe der damalige Pin-Vorstandsvorsitzende Günter Thiel die Gelder über eine Beratungskanzlei an die Gewerkschaft geleitet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, die Angelegenheit werde geprüft. Ob ein Straftatbestand vorliegt, sei noch unklar.

Kübler und die amtierenden Verwaltungsräte waren bei ihren Prüfungen auf eine Rechnung der Beratungskanzlei gestoßen, die mit dem Betreff "Pin Group AG wg. Gewerkschaft" versehen war. Die ausgewiesenen Zahlungen hätten nur wenige Tage nach Gründung der GNBZ im Oktober 2007 eingesetzt, berichtete Kübler. Deshalb sei die Kanzlei zu den Hintergründen befragt worden.

Kübler erklärte, nach Angaben der Kanzlei enthalte die Position "Kapitalausstattung" über 30 000 Euro in der Rechnung vom 5. Dezember 2007 Gehaltszahlungen an den GNBZ-Geschäftsführer Arno Doll. Zudem seien 1 200 Euro für Computer berechnet worden. Überdies habe Doll von Oktober bis Januar zusätzlich monatliche Honorare von rund 25 000 Euro erhalten. Dies liste die Rechnung unter dem Posten "Fremdarbeiten" auf. Die Zahlungen seien im ausdrücklichen Auftrag von Thiel geleistet worden, erklärte Kübler unter Berufung auf die Kanzlei.

Diese habe der Pin-Holding außerdem am 5. und 7. Dezember Beratungsdienstleistungen in einer Gesamthöhe von rund 900 000 Euro in Rechnung gestellt, die umgehend bezahlt worden seien. Kübler prüft nach eigenen Angaben nun, ob diese Zahlungen der Insolvenzanfechtung unterliegen und zurückgefordert werden müssen. GNBZ-Chef Doll war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Bereits Anfang März hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen die GNBZ Strafanzeige gestellt, weil die neue Post-Gewerkschaft sich durch Gelder Dritter finanziere. Verdi berichtete am Donnerstag in Berlin, die Kölner Staatsanwaltschaft habe ihr mitgeteilt, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen die GNBZ-Vorstandsmitglieder wegen des Anfangsverdachtes der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr aufnehmen werde. "Wir waren offensichtlich auf der richtigen Fährte mit unserem Verdacht. Jetzt muss dem Spuk dieser Pseudogewerkschaft ein Ende bereitet werden", sagte die stellvertretende Verdi - Vorsitzende Andrea Kocsis.

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