Staatshilfe
Arcandor beantragt Staatsbürgschaft

Zeit hat Arcandor derzeit nicht. Das unterstrich nun noch mal der Vorstandschef des Handels- und Tourismuskonzerns, Karl-Gerhard Eick in einem Interview. Vier Wochen, oder der Hammer fällt. Heute hat Arcandor wie erwartet eine Staatsbürgschaft beantragt. Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer.

HB ESSEN. Der schwer angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor will Staatsbürgschaften über 650 Mio. Euro aus dem von der Bundesregierung aufgelegten Deutschlandfonds beantragen. Ein Antrag über die Hausbanken werde für Ende kommender Woche angestrebt, teilte der Konzern am Freitag mit.

Außerdem bewerbe sich das Unternehmen um einen Kredit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Vorbereitungen mit den Banken zum Bürgschaftsantrag stehen den Angaben zufolge kurz vor dem Abschluss. Die Gespräche mit den politischen Entscheidungsträgern in Berlin, Düsseldorf und München verliefen sehr konstruktiv, hieß es.

Außerdem stellte Arcandor-Chef eick klar, dass der Konzern innerhalb der kommenden vier Wochen eine Entscheidung über mögliche Staatshilfen braucht: "Bis zum 12. Juni müssen wir das Thema verabschiedet haben", sagte der Vorstandschef des Handels- und Tourismuskonzerns, Karl-Gerhard Eick. Der ehemalige Telekom-Finanzchef steht seit gut zwei Monaten an der Spitze des tief in die roten Zahlen gerutschten Konzerns.

Zu einem möglichen Szenario bei einer Ablehnung des Antrags wollte Eick keine Stellung nehmen. Bis zum 12. Juni muss der Konzern eine Einigung mit einem Banken-Konsortium über die Verlängerung einer Kreditlinie von 650 Mio. Euro erzielt haben. Insgesamt stehen für dieses Jahr 960 Mio. Euro zur Refinanzierung an. Für die Sanierung gibt es über den Zeitraum der kommenden fünf Jahre zusätzlich einen Finanzbedarf von 900 Mio. Euro.

Der Antrag auf eine Staatsbürgschaft werde von den Hausbanken des Unternehmens voraussichtlich bis zum Ende der kommenden Woche vorgelegt, kündigte der Arcandor-Chef an. Zur Höhe einer möglichen Bürgschaft wollte sich Eick nicht äußern. Zuvor werde am kommenden Sonntag der Aufsichtsrat des Konzerns in einer Sitzung über die Pläne informiert. Daneben gehe es um mögliche zusätzliche Kredite durch die KfW. Finanzkreisen zufolge braucht Arcandor staatliche Kreditgarantien in Höhe von rund 650 Mio. Euro.

Bei ersten Vorgesprächen mit den zuständigen Stellen habe man bereits "positive Signale" erhalten. "Wir sind in guten Gesprächen mit der Politik", sagte Eick. Der Konzern erfülle nach seiner Überzeugung auch alle für die Antragstellung notwendigen Kriterien, sagte Eick.

Arcandor sei in den zwei Geschäftsjahren vor dem Stichtag am 1. Juli 2008 weder zahlungsunfähig oder überschuldet gewesen. "Wir hatten Ende September 2007 rund 700 Mio. Euro intaktes Eigenkapital, haben immer alle unsere Rechnungen, Mieten und Gehälter gezahlt." Zudem sei das Unternehmen als Arbeitgeber von 53 000 Beschäftigten der Handelsbereiche Karstadt und Primondo in Deutschland und Geschäftspartner von 20 000 deutschen Lieferanten und Dienstleistern auch von volkswirtschaftlicher Bedeutung.

"Karstadt und Primondo sind integraler Bestandteil der Versorgungsstrukturen in Deutschland." Dass Arcandor nun Schwierigkeiten habe, Kredite zu verlängern oder neue zu erhalten, sei vor allem der Finanzkrise geschuldet.

Der Arcandor-Chef zeigte sich überzeugt, dass eine Sanierung der notleidenden Warenhaustochter Karstadt gelingen könne. Das Warenhausgeschäft werde auch künftig Bestandteil des Konzerns bleiben und stehe nicht zum Verkauf. Der Arcandor-Chef hatte im vergangenen Monat eine neue Struktur für den Konzern vorgestellt. Dabei ist unter anderem die Ausgliederung der drei Luxuskaufhäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München vorgesehen. Für die drei Warenhäuser habe man bereits "viele Interessenten", sagte Eick. Den Verkaufsprozess wolle er in Ruhe angehen. "Wir machen keinen Fire-Sale."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%