Staatskonzern: Auslandskäufe statt Inlandsinvestitionen

Staatskonzern
Wie die Deutsche Bahn die Pünktlichkeit ausbremst

Auslandskäufe statt Inlandsinvestitionen

Um die Reformpläne der EU auszubremsen, hat Bahn-Chef Grube seinen Aufsichtsrat aufgefordert, eine „Erklärung zur Beibehaltung der integrierten Konzernstruktur“ zu unterschreiben. Damit will der Konzern die Vertreter der Regierungsparteien Union und FDP im Aufsichtsrat dazu bringen, bei der EU Druck gegen eine Neuregelung der Struktur der Bahnkonzerne in Europa zu machen.

Damit aber hat der Bahn-Vorstand einen offenen Konflikt zwischen den Koalitionspartnern provoziert. Die Konfliktlinie verläuft dabei zwischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium. In der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch stellten sich die Unionsvertreter hinter den aktuellen Konzernaufbau, das FDP-geführte Wirtschaftsministerium dagegen blieb der Sitzung demonstrativ fern.

Der FDP-Wirtschaftsstaatsekretär Bernhard Heitzer schrieb in einer Stellungnahme, die Position der Bahn stünde in Geist und Wortlaut im Widerspruch zum Koalitionsvertrag. Die Vorlage wurde schließlich mit den Stimmen der Arbeitnehmervertretern und der unionsgeführten Ministerien für Finanzen und Verkehr gebilligt. Doch der Streit geht weiter, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Was vielen Reisenden ebenfalls sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass die Bahn Milliarden für Zukäufe im Ausland ausgibt, statt dieses Geld in die deutsche Infrastruktur zu investieren. Zuletzt hatte der Staatskonzern Mitte 2010 das britische Transportunternehmen Arriva für 2,8 Milliarden Euro übernommen. Auch unter Mehdorn-Nachfolger Grube will der Konzern weiter zukaufen. Ein Umsatzwachstum von zehn Milliarden Euro allein durch Neuerwerbungen kündigte der Bahnchef am Donnerstag an.

Zudem hat die Bahn mit DB Schenker einen Logistikriesen aufgebaut, der die gesamte Palette an Dienstleistungen anbietet. Kritiker bemängeln deshalb, die Bahn solle sich lieber um ihre ureigene Aufgabe kümmern, Fahrgäste und Güter in Deutschland pünktlich zu transportieren.

Doch das heißeste Thema bleibt die Trennung von Netz und Betrieb. Damit wären sicher nicht alle Probleme der Bahn behoben. Pro Bahn verspricht sich davon aber eine ehrlichere Bilanz der Bahn und ein besseres Netz „in staatlicher Verantwortung“. Wenn genug Geld ins Netz fließe, gebe es auch deutlich weniger Verspätungen – und damit weniger Stress für Pendler und Fernreisende.

Bis es soweit ist, hat Pro-Bahn-Sprecher Oomen einen Tipp für alle verärgerten Fahrgäste parat: „Bei Verspätungen müssten sie sich beim örtlichen Bundestagsabgeordneten beschweren statt beim Schaffner.“

Kommentare zu "Wie die Deutsche Bahn die Pünktlichkeit ausbremst"

Alle Kommentare
  • Beiss niemals die Hand die dich füttert. Schließlich profitiert der Bund von den Gewinnen. Sagt mir einer noch, dass der Bund nicht käuflich ist. Es lebe die Bananenrepublik

  • Ich glaube gerade nicht, dass "die Bahn" die Autoindustrie ausbremsen will. Das Gegenteil ist der Fall. Speziell der frühere Bahnchef Mehdorn ist doch bekennender Porschefahrer und Hobbyfliefer. Die meisten Bahnmanager freuen sich sicherlich über und an ihre(n) PS-starken Autos. Züge betreten die doch nur zu Fototerminen. Das ist das problem: Das Produkt ist denen gleichgültig.

  • Alles läuft nach Plan:

    Deutschland muß schon mal ans Dritte-Welt-Niveau gewöhnt werden, denn damnächst ist das ganze Geld in Richtung ClubMed incl. Frankreich weg.

    Frankreichs Langzeit-Strategie zur Kastrierung Deutschlands geht voll auf - und CDU/CSU/FDP/SPD/Grüne jubeln!

  • Japan Rail ist an der Börse, die Züge sind auf die Minute pünktlich und die machen sehr, sehr gute Gewinne. In D muss das also andere Gründe haben warum das nicht klappt.

  • Unfähigkeit hat kein Ziel!

  • Mein Vorschlag. Der gesamte Bahnvorstand geht für 1 Jahr nach Japan um dort zu lernen wie man eine Bahn führt die auf die Minute pünktlich ist und dazu noch Gewinne erwirtschaftet weit über denen der Bahn AG liegen.

  • Offensichtlich will die Bahn die Autoindustrie ausbremsen.
    Und so fährt schon mal der Dax in die GRUBE.

  • Ergänzend sei an dieser Stelle die nicht funktionierende Schnittstelle zwischen DB Reisen (ICE) und DB Regio hingewiesen.Zu enge Übergangszeiten (z.B. Übergang in Göttingen zwischen den ICE aus HH und den Anschlüssen Richtung Gotha und Erfurt)lassen den Fahrplan zu einem theoretischen Dokument verkommen. Sei es das störanfällige Kupplungsmanöver oder die Störung im Betriebsablauf oder das erhöhte Fahrgastaufkommen, es gibt immer einen Grund den Anschluss zu verpatzen - und das bedeutet oft 2 Stunden (!) Wartezeit. Was nützen mir Fahrpreiserstattungen und warme Brezeln im ICE, wenn das Gesamtprodukt - die Beförderung von A nach B - nich stimmt.
    Die Transparenz bezüglich der Verspätungen erachte ich als "Augenpulver". Hier fehlt die Information, wie oft und welche Anschlüsse an den einzelnen Bahnhöfen nicht gehalten wurden. Viele Grüße F. H.

  • Die Überschrift Staatskonzern ist eben falsch.

    Die fehlenden Investitionen komen daher, weil man ja an die Börse will. Mehdorn hat ja deshalb auch dieses Unternehmen "schick" gemacht, nichts mehr investiert, gespart auf Teufel komm raus. Nun sehen wir die Folgen. Ohne Personal wirds auch nicht gehen. Aber Hauptsache die Konkurenz von Bus, Auto und Flugzeug wurde nachhaltig geschädigt. das war sein Ziel.

  • Was ich noch schlimmer finde, als die gewöhnlichen Verspätungen, ist die Tatsache, dass eine Person, die zum Zug rennt und in noch eine offene Tür einsteigen möchte, einfach vom Bahnpersonal nicht in den Zug gelassen wird. Ich habe es schon öfters erlebt, wie Reisende vor dem Zug stehen bleiben, weil der ja pünktlich abfahren muss...nur wenn die Bahn sich verspätet...alles ist gut. Am schlimmsten fand ich immer noch, als eine Frau mit Kinderwagen (!!!) nicht reingelassen wurde (inkl. weitere 5-6 Leute), obwohl der Zug noch 3-5 Minuten einfach da stand. Selber 5-10 zu spät - kein Ding...Andere nicht mal 1 Minute zu spät - Tragödie... und wo bleibt die Menschlichkeit?

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