Stadt Hamburg engagiert sich
„Hamburger Lösung“ für Tui-Tochter Hapag-Lloyd

Die Stadt Hamburg engagiert sich aktiv für eine "Hamburger Lösung" für die von Tui zum Verkauf gestellte Containerreederei Hapag-Lloyd. Dazu werde sich die Stadt mit einem Betrag von zunächst 200 000 Euro an einer GmbH beteiligen, die ein Konsortium aus Hamburger Investoren zusammenbringen will, teilte der Hamburger Finanzsenator Michael Freytag (CDU) am Dienstag mit.

dpa-afx HAMBURG. Eine direkte Beteiligung an Hapag-Lloyd sei damit nicht verbunden, aber in einem zweiten Schritt nicht auszuschließen. Freytags Amtsvorgänger Wolfgang Peiner, der zu den Initiatoren des Konsortiums gehört, sagte der "Financial Times Deutschland", er habe genügend Interessenten und Geld für den Kauf der Containerschifffahrtslinie beisammen.

Der Tui-Konzern reagierte zurückhaltend positiv auf die Nachrichten. "Wir begrüßen grundsätzlich das Interesse der Stadt Hamburg an Hapag-Lloyd", sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Die Tui-Aktie ließ sich von den Neuigkeiten nicht beeindrucken und gab bis zum Nachmittag etwas stärker als der Dax um 1,1 Prozent auf 17,80 Euro nach.

Die Stadt Hamburg will nicht als Hauptgesellschafter bei Hapag-Lloyd einsteigen. Den Großteil des Kaufpreises, der mehrere Mrd. Euro betragen könne, müssten private Investoren aufbringen, sagte Finanzsenator Freytag. Wolfgang Peiner, der das Konsortium zusammen mit Christian Olearius, dem persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses M.M. Warburg, initiiert hatte, sah sich in seinen Plänen bestätigt. "Wir haben genügend Interessenten und wir haben genügend Geld. Von uns aus kann es losgehen", sagte er der "FTD".

Einen möglichen Kaufpreis nannte der frühere Finanzsenator nicht. Am Markt wird der Wert von Hapag-Lloyd auf mindestens vier Mrd. Euro geschätzt. Er hängt allerdings davon ab, inwieweit Immobilien und Schulden mitveräußert werden. Tui-Finanzvorstand Rainer Feuerhake hatte die Vermögenswerte der Containerschifffahrts-Gesellschaft vergangene Woche auf zwei bis 2,5 Mrd. Euro beziffert. Tui will den Kaufinteressenten bis Mitte Juni einen Prospekt zur Verfügung stellen, in denen Hapag-Lloyd genau beschrieben wird. Auch das Konsortium um Peiner und Olearius werde diesen Prospekt erhalten, sagte der Tui-Sprecher.

Konzernchef Michael Frenzel hatte vor zwei Wochen betont, dass es keine Bevorzugung deutscher Interessenten geben werde. "Wir, der Vorstand, sehen uns in der Verpflichtung, den tatsächlichen Marktwert der Containerschifffahrt zu realisieren", sagte er bei der Hauptversammlung. Wenn man den "optimalen Verkaufserlös" mit einer deutschen Lösung kombinieren könne, sei dies allerdings "umso besser".

Hamburg will sich nun über die Beteiligungsgesellschaft HGV mit 20 Prozent am Kapital einer Gmbh beteiligen, die als Komplementärin einer Gmbh & Co KG dient. Das Kommanditkapital der KG, an der Hamburg nicht beteiligt ist, wird zunächst zehn Mill. Euro betragen und jeweils zur Hälfte von der Kühne-Holding des Transportunternehmers Klaus Kühne-Michael und M.M. Warburg eingezahlt. Diese Gmbh & Co. KG soll den Namen Hamburgische Seefahrtsbeteiligung "Albert Ballin" tragen. Ballin war von 1 888 bis 1918 treibende Kraft an der Spitze der Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actiengesellschaft (Hapag), die 1970 dann in Hapag-Lloyd aufging.

Der Mutterkonzern Tui will sein Tochterunternehmen Hapag-Lloyd nach dem Druck einiger Aktionärsgruppen verkaufen. Details des Verkaufsprozesses und der Preis sind noch unklar. Als Interessenten gelten unter anderem asiatische Reedereien. Daraufhin hatte sich in Hamburg ein Abwehrbündnis um Kühne und Peiner gebildet, um die weltweit fünftgrößte Containerreederei mit ihrem Hauptsitz in der Hansestadt zu halten.

Hamburg wolle ein Signal setzen, dass die Politik hinter diesen Bemühungen stehe, sagte Freytag. Wegen des großen Finanzvolumens könne die Stadt aber nicht selbst die maßgebliche Rolle spielen und das sei auch keine staatliche Aufgabe. Die Hansestadt hatte sich schon mehrfach in Krisensituationen bei wichtigen Unternehmen engagiert, so bei Beiersdorf und der Norddeutschen Affinerie .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%