Starbucks-Werbekampagne
„Ich will meinen Kaffee, keine Debatte“

Unter dem Titel „Racetogether“ startete die Kaffeehaus-Kette Starbucks eine Aktion gegen Rassendiskriminierung. Mitarbeiter sollten darüber mit Kunden ins Gespräch kommen. Im Netz erntete die Initiative vor allem Spott.
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Eigentlich sollte es um konstruktive und anregende Debatten zum Thema Rassismus gehen – und zwar zwischen Baristas, also Kaffee-Künstlern der amerikanischen Café-Kette Starbucks, und ihren Kunden. Das hatte sich CEO Howard Schultz zumindest gedacht, als er Anfang der Woche eine Werbekampagne unter dem Titel „Race together“ startete.

Manche Medien, etwa das Magazin „Time“ lobten den mutigen Charakter der Kampagne, aber bei den Kunden kam die Botschaft anscheinend nicht so an, wie sie sollte. Es gab und gibt reichlich Spott und ätzenden Humor im Netz.

„Bin mir nicht sicher, was sich Starbucks dabei gedacht hat. Ich habe nicht die Zeit, 400 Jahre der Unterdrückung zu erklären und trotzdem meinen Zug zu schaffen“, twitterte etwa eine Nutzerin. Mit ihrer Meinung ist sie nicht alleine. Auch andere Kunden finden, dass die Schlangen in den Starbucks-Kaffees ohnehin schon zu lang seien, da bleibe wohl kaum Zeit für Dialoge über ein solch hoch emotionales Thema. Doch das ist nur das vordergründige Problem.

Die Kampagne wird heftig kritisiert, manche Twitter-Nutzer schreiben, dass sie Starbucks in Zukunft meiden werden. „Das ist der Grund, warum ich nicht zu Starbucks gehe. Ich will einfach meinen Kaffee, keine Debatte“, schrieb ein Nutzer bei Twitter. Das hatte sich CEO Howard Schultz sicher anders gedacht. Er hat seine Mitarbeiter in den etwa 12.000 Filialen dazu aufgerufen, ihre Kunden gezielt auf das Thema anzusprechen. Etwa 40 Prozent von ihnen gehören selbst Minderheiten an. Es ist nicht die erste Werbekampagne, mit der Starbucks versucht hat, soziale Missstände anzugehen.

Auch andere Twitter-Nutzer sind der Meinung, dass Rassismus-Debatten in den Läden der Kaffeehaus-Kette fehl am Platz sind. „Alles, was die Leute bei Starbucks wollen, ist ihr Kaffee“, sagte auch ein Journalist und ehemaliger Mitarbeiter der Kette in einem Video. „Ja, es ist wichtig, offene Diskussionen über Rasse zu führen, aber die Theke bei Starbucks ist nicht der Ort dafür.“ Veröffentlicht hat das Video das New Yorker Technologie- und Business-Magazin „Fast Company“, in dem nicht nur scharfe Worte für die Werbeaktion gefunden, sondern auch lustige Twitter-Beiträge vorgelesen werden.

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CEO Schultz verteidigt sich

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