Starker Wettbewerb
Nürnberg Messe liebäugelt mit Messe München

Geht es nach den Vorstellungen der Nürberger Messe, könnten die großen bayerischen Messen enger zusammenrücken. In München zeigt man sich zwar zurückhaltend. Trotzdem sind die beiden Messen bereits aufeinander zugegangen.

NÜRNBERG. Angesichts des starken Wettbewerbs in der Messebranche zeigen sich die öffentlichen Gesellschaften aufgeschlossener für Kooperationen, Fusionen und auch die Privatisierung. „Wenn die Messen München und Nürnberg ihren Aufbau erfolgreich abgeschlossen haben, können unsere öffentlichen Eigentümer, das Land Bayern und die jeweiligen Kommunen, über eine Privatisierung nachdenken“, sagte Bernd Diederichs, Chef der Nürnberg Messe, dem Handelsblatt. Insbesondere im Auslandsgeschäft regt er bereits heute eine enge Zusammenarbeit an.

Frei von Eitelkeiten und sehr pragmatisch müsse nach Lösungen für einen Konzentrationsprozess gesucht werden, der angesichts der Überkapazitäten und des Preis- und Ertragsdrucks in dem stagnierenden Markt sicher kommen werde. Nürnberg, die Nummer sechs in Deutschland, werde nach Kooperationen und Allianzen Ausschau halten, um sich dafür zu rüsten, sagte Diederichs. Gleichzeitig will er in zehn Jahren den Umsatz auf 250 Mill. Euro verdoppeln und deutlich schwarze Zahlen schreiben. Heute ist das Ergebnis wegen der hohen Finanzierungskosten des 400 Mill. Euro schweren Ausbaus praktisch gleich null. Nürnberg erhalte keine Zuschüsse, betonte Diederichs. Die Finanzierung erfolge aus eigener Kraft.

München zeigt sich zurückhaltend. Privatisierung sei Sache der Eigentümer, sagte eine Sprecherin. Im Auslandsgeschäft kooperiere München, die nicht nur fünf sondern 20 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt, bereits mit Partnern auch aus der Messebranche. Trotzdem sind die beiden Messen bereits aufeinander zugegangen. „Mit dem Messestarterpaket ,Bayern Plus‘ für neue Aussteller kooperieren die Messen Nürnberg und München erstmals“, sagt Manfred Wutzlhofer, Chef der Messe München. Zudem kooperieren sie bei der Bekämpfung der zunehmenden Produktpiraterie. München erzielt bei einem Umsatz von 212 Mill. Euro drei Mill. Euro Gewinn. Doch helfen Freistaat und Kommune mit hohen Millionenbeträgen bei der Finanzierung des Messe-Neubaus.

Peter Neven, Geschäftsführer des Messeverbandes Auma, begrüßt die Kooperation. Skeptisch beurteilt er dagegen die Privatisierungspläne: „Was soll dadurch besser werden?“, fragt er. Investoren seien nur am rentablen Messegeschäft interessiert, nicht an kostspieligen Immobilien.

Derweil machen die Franzosen vor, wie es auch gehen könnte: Durch die Fusion der beiden großen Pariser Messegesellschaften Unibail und Pariser Handelskammer entsteht ein Messegigant, der auch die Messe Frankfurt, die Nummer eins in Deutschland und bisherige Nummer zwei weltweit, mit einem Umsatz von 560 Mill. Euro und neun Messeplätzen sowie 375 Messen in den Schatten stellt.

Die Franzosen hätten geschafft, was bislang keiner deutschen Messe gelungen sei: Ein Zusammenschluss zum gegenseitigen Nutzen, mit zahlreichen Synergien und guten Zukunftsperspektiven. „Aus meiner Sicht ist dies in Deutschland derzeit nicht denkbar“, meinte Diederichs.

Versuche ersticken bereits im Keim: Im Rheinland etwa der ökonomisch sinnvolle Zusammenschluss der beiden Messen in Düsseldorf und Köln. Messen gelten als Instrument der kommunalen Wirtschaftsförderung. So werden weiter die Hallenkapazitäten ausgebaut, ohne sie jemals voll auslasten zu können. Gleichzeitig wird damit der ruinöse Wettbewerb um Veranstaltungen angeheizt.

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