Starnberger Filialist sucht Partner für die Expansion
Modekette More & More startet Angriff auf die Marktführer

Die Starnberger Modemarke More & More geht in die Offensive. In den nächsten Jahren will das Familienunternehmen in die Top drei der internationalen Modeketten aufsteigen. „Die Käufer suchen neue, unverbrauchte Marken. Deshalb haben wir gute Chancen“, sagte Firmengründer Karl-Heinz Mohr dem Handelsblatt.

MÜNCHEN. Um die Marktführer anzugreifen, will More & More europaweit wachsen. Neben neuen eigenen Läden und Shops in Modehäusern solle vor allem das Lizenzgeschäft forciert werden, sagte der Manager. Dafür würden spezialisierte Partner gesucht.

Um die großen Konkurrenten in Bedrängnis zu bringen, müssen die Bayern aber mächtig Gas geben. Denn mit einem Jahresumsatz von zuletzt 72 Mill. Euro ist More & More nur ein Nischenanbieter unter den großen Modeketten. Zum Vergleich: Marktführer Esprit kommt auf rund 1,6 Mrd. Euro Umsatz, S.Oliver erzielt Einnahmen von etwa 700 Mill. Euro, Mexx erwirtschaftet mehr als 600 Mill. Euro und Street One über 400 Mill. Euro.

Zudem ist More & More vergleichsweise wenig präsent in den Fußgängerzonen der Metropolen. Esprit besitzt weltweit 560 eigene Läden und ist in 7 500 Modehäusern vertreten. Die Starnberger dagegen betreiben lediglich 24 Geschäfte. Branchenkenner sind deshalb skeptisch, ob die Firma ihr ehrgeiziges Ziel aus eigener Kraft in absehbarer Zeit erreichen kann.

Eine Emission, die das nötige Geld für die Expansion in die Kassen hätte spülen soll, ist nach dem abrupten Ende des Börsenfiebers im Jahr 2001 gescheitert. Ein neuer Anlauf aufs Parkett sei frühestens in zwei Jahren möglich, heißt es jetzt.

Es könne durchaus ein Nachteil sein, dass seine Firma nicht groß genug ist, gibt Firmenchef Mohr zu. Der 53-Jährige will einen Verkauf denn auch nicht ausschließen. So habe es im Frühjahr bereits Gespräche mit einem großen Wettbewerber gegeben, die aber ohne Einigung beendet worden seien. Darüber hinaus gebe es „jede Woche“ Angebote von Private-Equity-Firmen.

Mohr glaubt jedoch, dass die bescheidene Größe momentan ein Vorteil ist. „Viele Modehäuser kommen ins Geschäft mit uns, weil sie eine frische Marke brauchen. Da gibt es nicht viele Anbieter, die ein passendes Konzept haben.“

More & More richtet sich an Frauen zwischen 25 und 35 Jahren. Jeden Monat bringt die Firma zwischen 100 und 150 neue T-Shirts, Röcke und Mäntel in der mittleren Preisklasse in die Läden. Die Kleider entwirft ein zehnköpfiges Designer-Team in der Zentrale in Starnberg, südlich von München.

Das Unternehmen bewegt sich in einem schwierigen Umfeld. In Deutschland stagniert das Modegeschäft, auf dem Markt herrscht ein brutaler Verdrängungswettbewerb. In den vergangenen Monaten mussten zahlreiche traditionsreiche Modehäuser aufgeben. Deshalb drängt More & More ins Ausland und verkauft immer mehr Kleider in Nord- und Osteuropa. 40 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet die Marke bereits außerhalb der Landesgrenzen, etwa in Russland und Finnland.

Darüber hinaus soll das Lizenzgeschäft kräftig ausgebaut werden. Im nächsten Herbst soll eine eigene Parfüm-Serie in die Läden kommen. Darüber hinaus will die Firma ins Sportgeschäft einsteigen und Unterwäsche vermarkten. Mohr: „Dafür brauchen wir allerdings professionelle Partner.“ Mit Schuhen, Taschen, Brillen sowie Schmuck und Uhren, die allesamt von Lizenznehmern stammen, erwirtschaftete More & More vergangenes Jahr 28 Mill. Euro.

More & More hat bereits eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach der Gründung 1982 versuchte sich Mohr zunächst als Kleider-Großhändler in Bayern. Erst 1990 stieg die Firma selbst ins Modegeschäft ein. Nachdem das Unternehmen zwischenzeitlich auch Herrenkleider angeboten hatte, konzentriert es sich nun auf Damen. Zudem wurden einige Läden geschlossen. „Derzeit läuft das Geschäft aber gut“, gibt sich Firmengründer Mohr optimistisch.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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