Statistisches Bundesamt
Arbeit verteuert sich in Deutschland langsamer

Die deutsche Wirtschaft macht wieder an Boden gut. Die Arbeitskosten steigen nicht mehr so stark wie noch zu Beginn des Jahres. Jetzt rechnen Experten sogar mit einem Wachstum der Kaufkraft der Deutschen.
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BerlinArbeit verteuert sich in Deutschland nicht mehr so stark wie noch im ersten Halbjahr. Die Arbeitskosten kletterten zwischen Juli und September nur noch um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Dies war der niedrigste Anstieg seit dem vierten Quartal 2010“, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Zu Jahresbeginn hatte es noch ein Plus von 4,1 Prozent gegeben, im Frühjahr von 2,0 Prozent. Zum Vorquartal sanken die Arbeitskosten sogar um 0,3 Prozent, wenn man die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen und jahreszeitliche Schwankungen herausrechnet. Dies deutet darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im internationalen Wettbewerb zuletzt wieder an Boden gutgemacht hat.

Noch im Frühjahr hatte sich Arbeit in Deutschland trotz der Abschwächung stärker verteuert als im EU-Schnitt. Eine Stunde kostete im zweiten Quartal im Produzierenden Gewerbe und bei den Dienstleistern kalenderbereinigt 2,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „In der gesamten EU (und im Euroraum) war der durchschnittliche Anstieg der Arbeitskosten in diesem Zeitraum mit 0,9 Prozent nur etwa halb so hoch“, erklärten die Statistiker. Einer der Hauptgründe dafür dürfte die immer noch rigide Sparpolitik in vielen Euroländern sein. In Griechenland (-8,4 Prozent), Slowenien (-5,9), Zypern (-4,6), Kroatien (-0,6) sowie Spanien (-0,3) sanken die Kosten. Im benachbarten Frankreich gab es ein Plus von 0,5 Prozent, wobei die Lohnnebenkosten um 2,7 Prozent fielen. Die höchsten Wachstumsraten innerhalb der EU gab es in Estland (+7,7 Prozent), Litauen (+6,5) und Rumänien (+6,0).

Wegen des Sparkurses droht einer Studie zufolge in zwölf der 28 EU-Staaten dieses Jahr ein Verlust der Kaufkraft, wie aus dem Tarifbericht des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) hervorgeht. Die Forscher machten dafür Lohnkürzungen der öffentlichen Hand und vielerorts Einschnitte beim Mindestlohn mitverantwortlich. Deutschland hingegen gehöre zu den Ländern mit merklichen Kaufkraftgewinnen. So erwarte die EU-Kommission 2013 nach Abzug der Inflation in Deutschland ein Lohnplus von 0,6 Prozent.

Die Arbeitskosten setzen sich aus Bruttoverdiensten und Lohnnebenkosten zusammen. Während die Verdienste in Deutschland im Sommer um 1,7 Prozent binnen Jahresfrist zulegten, stiegen die Lohnnebenkosten um 0,9 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hierzu fällt mir ein, was Schopenhauer synonym zum Thema Geiz und Verschwendung gesagt hat:
    Der Geizige spart wo er kann (und wirkt irgenwie Comic-haft) - allerdings schadet er auch niemandem! Beim Verschwender sieht die Sache schon anders aus; wenn nichts mehr an eigenen Mitteln da ist, was er verschwenden kann, holt er sich die Mittel (wie auch immer)
    von anderen Leuten.

    Dabei kann ich immer wieder feststellen, dass sich insbesondere unser Staat die Mittel für seine Verschwendung überwiegend bei denen holt, die sich ohnehin nicht wehren können.

    International agierende Konzerne machen einen "Gewinnabführungsvertrag" und schon zahlen sie kaum noch Steuern (in Deutschland). Wenn die Preise nun mal ausnahmsweise nicht ansteigen, so empfinde ich dies keinesfalls als Entwarnung.

    Die nächste Preiserhöhung kommt bestimmt!

    Harald Joerke

  • Begriffe wie "Arbeitskosten", "Lohnnebenkosten", "Arbeitgeberanteile" haben allesamt nur einen Zweck: zu verschleiern wie hoch die tatsächlichen Steuern sind, die der Arbeitnehmer am Ende selbst aus eigener Tasche bezahlen muß! Daß ein Arbeitgeber irgendwelche Arbeitgeberanteile an den Sozialversicherungen (insb. Krankenkassenbeiträge) selbst bezahlt, und nicht dem Arbeitnehmer in irgendeiner Weise anlastet, ist Utopie. Alle Kosten die der Arbeitnehmer verursacht, ob durch Gehalt oder eben indirekt durch diese Abgaben, muß er mit echter Leistung abarbeiten und den Gegenwert erbringen, andernfalls wird er (in der privaten Wirtschaft) entlassen.

    Die Geschichte vom gutmütigen Staat der mit seinen Arbeitgeber-Zwängen die Arbeitnehmer "schützt" und Wohlstand per Gesetz zu schaffen vermag, muß endlich als das Märchen entlarvt werden das es ist. Sozialismus kann keinen Wohlstand schaffen, sondern nur umverteilen, und dabei schafft man meist mehr Ungerechtigkeit als man ausgleicht. Schluß mit Sozialismus, weg mit den Steuern.

  • Arbeit langsam teurer? Nein, explosionsartig billiger und dafür Gehälter, Boni explosionsartig gem. Anweisung unserer Politiker! Hartz IV und Aufstockung ist für Politiker besser, billiger als normal bezahlte echte Jobs!

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