Stefan Schulte

Der Fraport-Chef vom Winter verweht

Der Vorstandschef des Flughafenbetreibers Fraport kämpft mit den Folgen der heftigen Schneefälle. Passagiere und Fluggesellschaften sind frustriert, die Lufthansa wirft dem Unternehmen inakzeptables Management vor.
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Stefan Schulte: Der Fraport-Chef muss sich derzeit viel Kritik gefallen lassen. Quelle: dpa

Stefan Schulte: Der Fraport-Chef muss sich derzeit viel Kritik gefallen lassen.

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FRANKFURT. Eigentlich sollte der Realismus des französischen Malers Gustave Courbet im Mittelpunkt stehen. Stefan Schulte, der Vorstandsvorsitzende des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, hatte vergangene Woche zum „Dämmerschoppen“ in das Frankfurter Städel geladen. Doch am Ende dominierte die Realität draußen auf den Start- und Landebahnen des größten deutschen Flughafens.

Es ist Winter, und wie es aussieht ein besonders schneereicher. Mit den wachsenden Schneebergen steigt auch der Frust – bei Passagieren wie den wichtigsten Fraport-Kunden, den Fluggesellschaften. Seit Tagen ist der Flugplan durcheinander, auch gestern mussten wieder über 340 der geplanten 1 300 Flüge abgesagt werden. 800 Menschen verbrachten die Nacht auf Feldbetten in den Terminals. Am Wochenende waren noch Zehntausende Passagiere am Frankfurter Flughafen gestrandet, weil ihre Anschlussflüge wegen Schnee und Eis gestrichen worden waren.

Für Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ist das auch Folge falscher Entscheidungen der Fraport-Spitze. Deren Management liege „außerhalb der Grenzen des Akzeptablen“, schrieb der Lufthansa-Chef vor kurzem an Schulte mit Blick auf die Verzögerungen bei der Enteisung und dem Schneeräumen.

Der 50-jährige Schulte mag das nicht gelten lassen. Die Fluggesellschaften hätten bei Wintereinbruch ihrerseits nicht ausreichend Boden- und Kabinenpersonal vorgehalten, wehrt er sich, die beinahe fotografischen Bilder von Courbet im Rücken. Seit September 2009 steht er an der Fraport-Spitze. Mit ihm hat bei dem Flughafenbetreiber eine neue Ära begonnen. Schultes Vorgänger, Wilhelm Bender, der das Unternehmen fast 17 Jahre leitete, war ein begnadeter Kommunikator, ein Hansdampf in allen Gassen.

Ganz anders Schulte: Der gebürtige Wuppertaler spricht leise, überlegt lange, bevor er die exakte Antwort formuliert. In der Regel dauert es etwas, bis der Vater zweier Kinder „auftaut“. Dann aber, so beschreiben ihn Kollegen und Geschäftspartner, sei der „Mann sehr unterhaltsam und kurzweilig“.

Schulte ist Finanzexperte, sammelte viel Erfahrung etwa beim Maschinenbauer Deutz in Köln. Und als solcher denkt er vor allem in Zahlen und an den Kapitalmarkt. Immerhin sind 48,5 Prozent der Fraport-Anteile an der Börse, den Rest der Papiere halten das Land Hessen und die Stadt Frankfurt. Auch das ist eine Herausforderung für Schulte. Bei aller Bedeutung des Finanzmarktes – er darf die Interessen seiner politischen Anteilseigner nicht vernachlässigen.

Zuweilen ist das ein schwieriger Spagat, nicht nur in Richtung Politik. Auch Großkunde Lufthansa besitzt Aktien von Fraport. Da ist gut beraten, wer neben nüchterner Analysefähigkeit auch eine ordentliche Portion Diplomatie im Rucksack hat. Doch Schulte hatte Zeit, das alles zu lernen. Bereits seit 2003 ist er im Vorstand von Fraport. Dieser Winter ist nicht der erste schneereiche, den er erlebt.

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5 Kommentare zu "Stefan Schulte: Der Fraport-Chef vom Winter verweht"

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  • Ja und dieses Unwetter wurde "angeblich" noch nicht mal richtig vom Wetterdienst vorausgesagt, das heißt es.
    Verklagen wir also erst mal die Luftansa und diese hat dann die Aufgabe den Wetterdienst zu verklagen.

  • @Otto Dest:
    Genau das tut die Lufthansa ja bereits.

  • Was soll ein Finanzexperte an der Spitze von Fraport?? Die Lufthansa sollte prüfen, wieviel sie von ihren internationalflügen z. b. nach Zürich verlegen kann. Dann bekommt Herr Schulte und Fraport vielleicht die Zahlen, die offenbar nötig sind, um ein besseres Management zu gewährleisten.
    Die Kunden könnten dann auch einen Teil der unsäglichen neuen Flugsteuer abschütteln. Das sind dann auch die adäquaten Hinweise für die Politiker.
    Hier beginnt offenbar die Geschichte: Wie kann ich einen großen Airport schneller als andere kaputt sparen.

  • Wenn immer es möglich ist, und es ist fast immer möglich, beginnen meine Langstreckenflüge in München. Fraport ist m.E. unter aller Sau, chaotisch, für mich absolut mangelhaft.
    Es ist einer der schlechtesten (wenn nicht sogar der schlechteste) Großflughafen auf diesem Globus.

  • Fraport, ein Reizthema. Verbeulte Koffer, herumgeworfen von sorglosen Fraport-Mitarbeitern. Kofferauslieferung bis zu 40 Minuten nach der Landung, weil vermutlich zu wenig Personal im Dienst ist. bei der Sicherheitskontrolle nicht alle Positionen besetzt trotz langer Passagierschlangen. Nicht ausreichend Enteisungspositionen für die Flugzeuge und dann Verspätungen. Und jedes Jahr kommt ganz überraschend für Fraport der Winter, und die Fraport merkt es erst mit den ersten Schneeflocken und hat dann nicht ausreichend Räumkapazitäten geplant. Fraport, ein Saftladen.

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