Steigende Preise lassen Billigtouristen nach Kroatien und in die Türkei abwandern
Deutsche Urlauber reisen wieder nach Mallorca

Die wiederholten Drohungen der baskischen Terrororganisation Eta vor weiteren Anschlägen sollen das Bild eines sicheren Reiselandes nicht trüben. Spanien erwartet über die Sommermonate 3 % mehr ausländische Touristen als im vergangenen Jahr. 45 000 Ordnungskräfte – 5000 mehr als 2002 – sollen den Gästen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

MADRID. Vor allem das Wohl der Deutschen ist den Spaniern wichtig. Denn die kehrten dem Sonnenland im vergangenen Jahr zu Tausenden den Rücken. Die Regierung in Madrid ist aber optimistisch, den Rückzug der Teutonen – mit 10 Millionen nach den Briten die zweitgrößte Touristengruppe – aufgehalten zu haben. Lust auf Mallorca hatten im ersten Halbjahr 2003 zwar 50 800 weniger Deutsche als ein Jahr zuvor, ein Minus von 3,7 %. Aber im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres war das ein Erfolg: Damals zählte die Balearen-Insel mit 16 % weniger deutschen Besuchern zu den ganz großen Verlierern der Branche.

Der Tourismus ist mit einem Anteil von 12 % am Bruttoinlandsprodukt Spaniens wichtigster Wirtschaftszweig und war jahrelang von kräftigen Wachstumsraten verwöhnt. Seit zwei Jahren aber schwächelt die Branche. Das liegt jedoch nicht nur an knappen Kassen der Deutschen, dem Irak-Konflikt und der Flugangst der Amerikaner. Spanien ist längst nicht mehr das arme Land mit niedrigen Preisen, die viele Touristen noch immer verlangen. Die iberische Halbinsel bietet inzwischen Qualität und fordert entsprechende Bezahlung.

Während viele preisbewusste ausländische Gäste inzwischen in billigere Gebiete mit Sonnengarantie wie die Türkei oder Kroatien abwandern, können Spaniens Hoteliers auf die Heimatverbundenheit ihrer Landsleute zählen. Ohne die stünden sie noch schlechter da. Sol Meliá, größte spanische Hotelkette, konnte im ersten Quartal ein Abrutschen in die Verlustzone gerade noch verhindern. Die Aktie fiel aus dem spanischen Leitindex Ibex 35, legte allerdings im Jahresverlauf mehr als 50 % zu. Sol Meliá ist mit mehr als 350 Hotels in 30 Ländern vertreten – auch mit 12 Stadthotels in Deutschland, wo das Unternehmen frühestens im ersten Quartal 2004 mit einer Erholung rechnet.

Gerüchte, dass Sol Meliá sich nach einem Partner von der Größe der US-Ketten Hyatt oder Marriott sehne, weisen die Spanier zurück. Ein Sprecher sagte, die Familie Escerrer, die die Mehrheit der Aktien halte, sei nicht zum Verkauf bereit.

Auch die Nummer zwei der Branche, NH Hoteles, klagt über eine starke Reise-Zurückhaltung – allerdings in Deutschland. Die Gruppe, die gerade einen feindlichen Übernahmeversuch der kleineren katalanischen Kette Hesperia abwehren muss, ist hier zu Lande seit Übernahme der Astron Hotels 2002 vertreten. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres brachte das Geschäft in Deutschland (53 Hotels) und Österreich (6 Hotels) einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 10,1 Mill. Euro. Deutschland trägt rund 20 % zum Gesamtumsatz der Kette bei.

Abschreckend wirkt die derzeitige Schwäche des deutschen Markts aber nicht. Beide Ketten wollen weiter expandieren. Auch der kleinere, nicht börsennotierte Hotel- und Touristikkonzern Barceló betreibt ab 2005 sein erstes Hotel in Deutschland.

Quelle: Handelsblatt

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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