Steigender Umsatz: Die Klagen der deutschen Einzelhändler verstummen

Steigender Umsatz
Die Klagen der deutschen Einzelhändler verstummen

Der Trend zeigt klar nach oben: Die Umsätze der deutschen Einzelhändler legen zu, diverse Unternehmen melden gute Geschäfte und blicken zuversichtlich nach vorn. Experten trauen dem privaten Konsum sogar zu, neben Exporten und Investitionen zum dritten Standbein des Aufschwungs zu werden.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Große Sprünge dürften die deutschen Einzelhändler in diesem Jahr zwar nicht machen, aber immerhin kleine Schritte nach vorn. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die gestern veröffentlicht wurden. Der Einzelhandelsumsatz ging demnach im Juli zwar inflationsbereinigt um 0,3 Prozent gegenüber Juni zurück und damit bereits das fünfte Mal seit Jahresbeginn. „Die Anstiege in den übrigen Monaten waren aber viel kräftiger als die Rückgänge – der Trend zeigt klar nach oben“, sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Die Erholung des Einzelhandels, der etwa ein Drittel des privaten Verbrauchs ausmacht, steht in Einklang mit dessen Entwicklung. Der Konsum hatte im zweiten Quartal erstmals seit einem Jahr wieder zugelegt. Weil die Zahl der Beschäftigten steige, die der Kurzarbeiter sinke und damit das verfügbare Einkommen zulege, sei mit einer weiteren Zunahme des privaten Konsums zu rechnen, sagt Solveen. HSBC-Trinkaus-Volkswirt Stefan Schilbe traut dem privaten Konsum sogar zu, „neben Exporten und Investitionen zum dritten Standbein des Aufschwungs“ zu werden.

Diverse Branchen bestätigen diese zuversichtlichen Prognosen. Die Nachfrage nach elektrischen Haushaltsgeräten zog im zweiten Quartal um 4,8 Prozent an, wie das Marktforschungsinstitut GfK berichtete. Spitzenreiter sei die Unterhaltungselektronik gewesen, aber auch Heimcomputer, Kameras und Handys gingen weitaus öfter als im Vorjahr über den Ladentisch. Nach einem verhaltenen Wachstum kurz nach dem Jahreswechsel ging es bis zum Sommer auch für Marktführer Media-Markt/Saturn aufwärts. Im Heimatmarkt Deutschland legten die Märkte auf vergleichbarer Fläche um fast drei Prozent zu.

Die Baumärkte verzeichneten im ersten Halbjahr ein Plus von 2,4 Prozent, wie der Branchenverband BHB berichtet. Im Juli verbuchten die Heimwerkermärkte sogar einen Zuwachs von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nicht nur Klimaanlagen seien dabei der Renner gewesen, auch in Schwimmbecken investierten deutsche Verbraucher wieder deutlich mehr. Unternehmen wie der Baumarktkonzern Praktiker, der deutschlandweit im ersten Halbjahr 6,6 Prozent an Umsatz einbüßte, bilden damit unter den Do-it-yourself-Märkten die Ausnahme.

Selbst der Mode- und Textilhandel, der in den vergangenen Jahren stets Rückgänge beklagte, spürt deutlichen Aufwind. Im ersten Halbjahr ging es nach Beobachtungen des Branchenverbands BTE um zwei Prozent nach oben. „Wir sehen keine Anzeichen, dass die gute Nachfrage abbricht“, sagt Geschäftsführer Siegfried Jacobs.

Für den Fachhandelskonzern Douglas, dem neben den gleichnamigen Parfümerien auch die Buchhandelskette Thalia, der Schmuckhändler Christ und die Confiserie Hussel unterstehen, wuchs im Sommerquartal im Heimatmarkt um 4,3 Prozent. Obwohl den MDax-Konzern das Auslandsgeschäft bremst, rechnet Vorstandschef Henning Kreke für 2010 mit einem Umsatzwachstum am oberen Ende der bislang prognostizierten Bandbreite von null bis zwei Prozent. Auch im Lebensmittelhandel sind die Klagen verstummt. „Positiv“ habe sich die Edeka-Gruppe im ersten Halbjahr entwickelt, sagte ein Sprecher des Marktführers.

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