Steigendes Interesse an Dax-Unternehmen
Finanzinvestoren ante portas

Der Reifenhersteller Continental war erst der Anfang. Die Versuche von Finanzinvestoren, börsennotierte Top-Unternehmen in Europa zu übernehmen, werden in den kommenden Jahren das beherrschende Thema im Beteiligungsmarkt werden. Möglicherweise dauert es nicht mehr lange, bis ein Private-Equity-Haus ein Dax-Unternehmen übernimmt.

FRANKFURT. „Nach dem Fall Continental wird die Intensität der Versuche in 2007 zunehmen“, sagte am gestrigen Mittwoch Stefan Hepp, Chef der schweizerischen SCM AG, in Frankfurt. Die Gesellschaft berät institutionelle Geldgeber bei der Anlage in Private Equity, dem Oberbegriff für außerbörsliches Beteiligungskapital. Finanzinvestoren kaufen Konzerne und Mittelständler, um sie zu restrukturieren und nach drei bis sieben Jahren zu einem höheren Wert weiterzureichen.

Hepp ist davon überzeugt, dass es nicht mehr lange dauert, bis die erste Übernahme eines Top-Unternemens kommt, das im Deutschen Aktienindex (Dax) vertreten ist. Am Dienstag hatte der Reifenhersteller Continental einen Übernahmeversuch eines Finanzinvestors publik gemacht; jedoch sei der „Prozess“ in einem frühen Stadium beendet worden. Im vergangenen Jahr wurden laut SCM weltweit 67 Unternehmen in so genannten „Taking Privates“ vom Kurszettel genommen (siehe „Going private“).

Einen Grund für die Zunahme von „Reprivatisierungen“ sehen Beobachter in wachsenden Fondsgrößen der Finanzinvestoren. Peter Laib, Managing Director beim Private-Equity-Spezialisten Adveq, kennt noch weitere Beweggründe. Dazu gehörten: kein Zwang zur quartalsweisen Optimierung von Ergebnissen, bessere Anreize für das Management und weniger regulatorische Auflagen. „Aufgrund der konzentrierten Eigentümerstruktur bei einem Finanzinvestor kann sich das Management eines privaten Unternehmens auf die eigentlichen Aufgaben konzentrieren und muss nicht einen Großteil seiner Zeit in Analystenmeetings verschwenden“, meint Laib.

Detlef Mackewicz, Managing Partner bei der Beratungsgesellschaft Avida Advisers, sieht Dax-Unternehmen wegen der immer größer werdenden Beteiligungsfonds in Reichweite der Private-Equity-Häuser. „Mit Fonds im zweistelligen Milliardenbereich werden Alleingänge von Finanzinvestoren wahrscheinlicher“, sagt Mackewicz. Dagegen würden „Club Deals“, bei denen mehrere Fonds für einen Konzern bieten, von den institutionellen Geldgebern – Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen – weniger gern gesehen. Wenn drei oder vier Megafonds ein Dax-Unternehmen kauften, und beispielsweise eine Pensionskasse in all diesen Fonds investiert sei, handele sich der Investor ein hohes Risiko ein, sagt Mackewicz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%