Stellwerkchaos in Mainz
Eisenbahn-Bundesamt rüffelt die Deutsche Bahn

Der Personalmangel am Mainzer Stellwerk bringt der Deutschen Bahn auch offiziellen Ärger ein. Das Eisenbahn-Bundesamt rügt das Unternehmen, da es gegen gesetzliche Vorschriften verstoße. Die Bahn muss Rapport erstatten.
  • 3

BerlinDas Eisenbahn-Bundesamt (EBA) macht Druck auf die Deutsche Bahn. „Ihnen wird aufgegeben, unverzüglich den sicheren, für die Durchführung des planmäßigen Verkehrs erforderlichen, uneingeschränkten Betrieb des Stellwerkes Mainz wieder aufzunehmen“, heißt es in einem dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) vorliegenden Bescheid des EBA vom 12. August, der an die Bahn-Tochter DB Netz AG adressiert ist. Das EBA schreibt der Bahn-Tochter, diese werde durch den Bescheid verpflichtet, dem Bundesamt „alle zwei Wochen schriftlich über die getroffenen und geplanten Maßnahmen zur Verhinderung besetzungsbedingter Nutzungseinschränkungen des Stellwerks Mainz zu berichten“.

Die Aufsichtsbehörde reagiert damit auf die anhaltenden Probleme im Stellwerk Mainz. Wegen Personalmangels im Stellwerk müssen dort ganztägig Züge umgeleitet werden. Das EBA rechnet damit, dass „aufgrund fortbestehend dauerkranker Fahrdienstleiter, anstehender gewährter Urlaube, angefallener und noch auszugleichender Überstunden“ mit Ausfällen „weit über den 30. August hinaus gerechnet werden muss“.

Das EBA kommt zu dem Schluss, dass die DB Netz AG gegen ihre gesetzlichen Pflichten verstoßen hat. Das Unternehmen sei verpflichtet, das Stellwerk während der planmäßigen Betriebszeiten sicher zu betreiben. Dazu gehöre auch, dass „genügend und qualifiziertes Person zur Verfügung steht“. Die DB Netz AG habe durch die angeordnete Nutzungseinschränkung des Stellwerk den Bahnbetrieb „erheblich tangiert“.

In dem Bescheid heißt es weiter, der Stellwerksbereich Mainz sei „hoch belastet und für eine qualitativ hochwertige Erbringung der Eisenbahnverkehrsleistungen überregional notwendig“. Ohne Besetzung des Stellwerkes seien „netzweite Auswirkungen im Personenfernverkehr und im Güterverkehr“ zu erwarten.

Die Bahntochter DB Netz hat zum Bahn-Krisengipfel hat dagegen eine Entspannung der kritischen Situation am Mainzer Hauptbahnhof angedeutet. „Ich glaube, dass wir ein Stück Aufklärung leisten können und ein Stück weiterkommen“, sagte der Vorstandschef der DB Netz AG, Frank Sennhenn, am Dienstag vor Beginn des Treffens in Mainz.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner, gibt es bereits einen weiteren Fahrdienstleiter im Mainzer Stellwerk. „Das hat die Probleme ja nicht entschärft“, kritisierte er. Seit über einer Woche plagen den Mainzer Hauptbahnhof Zugausfälle und Umleitungen, weil von 15 Fahrdienstleitern etwa die Hälfte krank oder im Urlaub ist. Bahnchef Rüdiger Grube macht die Personalprobleme zur Chefsache und wird an diesem Mittwoch mit dem Vorstand der Gewerkschaft in Frankfurt darüber sprechen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Stellwerkchaos in Mainz: Eisenbahn-Bundesamt rüffelt die Deutsche Bahn"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Auch in vielen anderen Betrieben in jeder Größenordnung weiß man doch normalerweise vorher, daß es in der Urlaubszeit personelle Engpässe geben kann. Auch Krankheitsfälle können immer vorkommen (oder dazukommen). War es da überhaupt nicht möglich, rechtzeitig Personal aus anderen Bahnhöfen dorthin abzustellen? Welch ein Saftladen!
    Oder ist das wieder mal typisch Bahn? (:

  • Vielleicht könnte hinter der zeitnahen mehrfachen Krankenmeldungen auch ein sabotageähnlichen Versuch der Bediensteten stehen. Wenn nicht, dann sind es außergewöhnliche Umstände, denen gegenüber kein Betrieb gefeit ist.

  • Das merken die jetzt plötzlich? Was machen die denn eigentlich so den ganzen Tag? Wahrscheinlich so mit 300 BEAMTEN besetzt und jetzt haben die EINEN Brief geschrieben!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%