Stellwerkstörungen

Bahn stellt nach Mainz-Debakel fast 700 Leute ein

Nach der Blamage mit wochenlangen Zugausfällen rund um das Stellwerk Mainz hat die Bahn inzwischen mehr Mitarbeiter eingestellt. Und auch im Fuhrpark sollen neue ICEs den Betrieb weniger störanfällig machen.
Update: 02.04.2014 - 20:07 Uhr 1 Kommentar

Nagelneuer ICE soll Service revolutionieren

BerlinDie Bahn will mit lange erwarteten neuen ICE-Zügen und zusätzlichem Personal zuverlässiger für die Fahrgäste werden. Mit mehrjähriger Verspätung sind nun acht von 16 ursprünglich bestellten ICE 3 vom Hersteller Siemens in die Flotte gekommen. „Die neuen ICEs erhöhen unsere Fahrzeugreserve“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch in Berlin. Das schaffe eine Entlastung angesichts knapper Ersatzzüge für Störungen „und damit auch eine bessere Pünktlichkeit“. Als Konsequenz aus Ausfällen rund um Mainz im vergangenen Sommer hat der bundeseigene Konzern bisher 680 Mitarbeiter extra eingestellt.

Damit sei ein Drittel des zusätzlichen Personalbedarfs gedeckt, sagte Personalvorstand Ulrich Weber am Mittwoch nach einem Treffen mit der Eisenbahnbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und dem Betriebsrat. Im November hatte die Bahn angekündigt, in diesem Jahr 1700 Mitarbeiter extra einzustellen, um akute Engpässe zu beheben. Gut die Hälfte davon war für Stellwerke und Instandhaltung geplant.

Ein Mangel an Fahrdienstleitern im Stellwerk Mainz hatte wochenlang zu Ausfällen geführt. „In einem halben Jahr ist viel erreicht worden“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. Mit den Einstellungen allein sei es aber nicht getan. Unter anderem müssten Überstunden weiter abgebaut werden.

Die wichtigsten Bahnhöfe Deutschlands
Hauptbahnhof Dortmund
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Dortmund – 130.000 Reisende und Besucher

Der Dortmunder Hauptbahnhof wird Tag ein, Tag aus von 130.000 Reisenden und Besuchern benutzt. Dabei lässt der Zustand des Bahnhofs zu wünschen übrig. Die Eingangshalle wurde zwar vor wenigen Jahren modernisiert, auf den Gleisen und im Zugangsbereich hat sich jedoch nichts verändert. Und das, obwohl direkt gegenüber des Hauptbahnhofs das neue Fußball-Museum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gebaut wird.

Alle Daten sind Durchschnittswerte aus dem Jahr 2012, Quelle: Deutsche Bahn

Münchner S-Bahn-Tunnel
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Ostbahnhof München – 138.000 Reisende und Besucher

München ist die einzige Stadt, die mit zwei Stationen unter den größten zwölf deutschen Bahnhöfen vertreten ist. Im Ostbahnhof fahren nicht nur Regional-, sondern auch Fernverkehrszüge ein. Das Empfangsgebäude wurde im Jahr 1985 neu gebaut – 138.000 Passagiere und Besucher betreten es täglich.

Nuernberg Hauptbahnhof
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Nürnberg – 150.000 Reisende und Besucher

Der Nürnberger Hauptbahnhof schafft es in die Top Ten der wichtigsten Bahnhöfe in Deutschland. Der Verkehrsknotenpunkt kommt auf 150.000 Reisende und Besucher täglich. Aufmerksamkeit erregte der Bahnhof zuletzt Ende 2012, als an Wochenenden und Feiertage ein nächtliches Alkoholverbot erlassen wurde.

Erkundungsbohrungen am Hauptbahnhof in Essen
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Essen – 170.000 Reisende und Besucher

Ein ungewohntes Bild: An der Einfahrt zum Essener Hauptbahnhof fanden Ende 2013 Erkundungsbohrungen statt. Unter den Gleisen wurden Hohlräume gefunden, die auf Grubenarbeiten Mitte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen sind. Das führte zu großen Verspätungen – 170.000 Menschen bekamen das zu spüren, die den Bahnhof täglich nutzen.

Baustelle Stuttgart 21
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Stuttgart – 240.000 Reisende und Besucher

Eine der bekanntesten Baustellen Deutschlands: der Stuttgarter Hauptbahnhof. Die Proteste gegen den Neubau „Stuttgart 21“ erschütterten das Ländle und erregten in der ganzen Bundesrepublik Aufsehen. Trotzdem wird der Bahnhof unterirdisch neu gebaut. Täglich nutzen 240.000 Reisende und Besucher den Baustellen-Bahnhof.

Bahnverkehr wegen Unwetter eingestellt
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Düsseldorf – 250.000 Reisende und Besucher

So sieht es am Düsseldorfer Hauptbahnhof nicht immer aus: 2010 legte ein Unwetter den Bahnverkehr vorübergehend lahm. Normalerweise herrscht auf in dem rheinischen Verkehrsknotenpunkt hektisches Treiben. 250.000 Reisende und Besucher jeden Tag – nur auf sechs deutschen Bahnhöfen ist mehr los.

Bahnstrecke Hannover - Berlin
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Hannover – 260.000 Reisende und Besucher

Ein ICE nach Berlin fährt in Hannover ein. Immerhin fahren seit Anfang November von der niedersächsischen Landeshauptstadt wieder Züge in Richtung Berlin. Fünf Monate nach dem Elbe-Hochwasser wurde die Strecke wieder freigegeben. Die Sperrung hatte viele Reisende hart getroffen – 260.000 gibt es davon im Hauptbahnhof von Hannover am Tag (inklusive Besucher der Bahnhofs).

Für die Flotte der Bahn bringe jeder der acht neuen ICEs „einen Puffer von mehr als 440 Sitzplätzen“, sagte Grube. Sie seien zudem sparsamer, robuster gegen winterliche Beschädigungen durch Eis und hätten stärkere Klimaanlagen. Eigentlich sollten die ersten neuen ICE 3 Ende 2011 geliefert werden. Nach schwierigen Zulassungsverfahren und Technikproblemen kamen vier Züge aber erst im vergangenen Dezember und vier weitere nun bis Ende März. Der Auftrag für die 16 Züge hatte ein Volumen von 500 Millionen Euro. Als Ausgleich für die Verspätungen soll die Bahn von Siemens einen 17. Zug bekommen.

Grube sagte: „Der neue ICE 3 war und ist vor allem für den Einsatz auf internationalen Verbindungen vorgesehen.“ Dies gelte für Strecken nach Brüssel, Paris und - als „unser Traum“ - nach London. Für die Fahrt durch den Ärmelkanaltunnel gebe es eine grundsätzliche Genehmigung. Zulassungen für andere Länder fehlten aber noch. Acht weitere ICEs aus dem Siemens-Auftrag machen derzeit Testfahrten in Frankreich und Belgien. Die Bahn will sie erst nach der Zulassung für beide Länder übernehmen. Ein Termin dafür steht vorerst nicht fest.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Zulassung neuer Züge solle beschleunigt werden. Dafür sollten unter anderem private Prüfer als Bahn-Tüv beauftragt werden können. Er kündigte ein gemeinsames „Digitalisierungskonzept“ für die Bahn an. In Zügen und an Stationen müssten Reisende leistungsfähige Internetzugänge haben, da Bahnfahren inzwischen für viele Passagiere Arbeitszeit sei.

  • dpa
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1 Kommentare zu "Stellwerkstörungen: Bahn stellt nach Mainz-Debakel fast 700 Leute ein"

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  • die sollten dabei einfach fachkräfte aus dem südosten einstellen. Die sind nämlich besonders schlau.

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