Sterbende Innenstädte
City-Händler wagen die Flucht nach vorn

Eine aktuelle Studie prognostiziert dramatische Umsatzrückgänge in den Innenstädten. Immer mehr Kunden kaufen lieber im Internet. Lokale Online-Marktplätze sollen die Geschäftsleute im Kampf gegen Amazon und Ebay retten.
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Düsseldorf/WuppertalEs ist ein Horrorszenario für den Einzelhandel, aber auch für viele Bürgermeister. Bis zum Jahr 2020 droht jedem zehnten Ladengeschäft in Deutschland die Schließung. Die Studie „Stadt, Land, Handel 2020“ des Instituts für Handelsforschung (IFH) in Köln, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt, prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren 45.000 stationäre Geschäfte vor dem Aus stehen.

Einige Stadt- und Landkreise dürfte das ganz dramatisch treffen. In Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen wird der Umsatz im stationären Einzelhandel nach den Berechnungen des IFH teilweise um bis zu 27 Prozent zurückgehen. Aber selbst in weniger betroffenen Regionen wie Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg oder Südhessen erwarten die Experten noch eine leicht negative Umsatzentwicklung.

Der stärkste Treiber für das Einzelhandelssterben ist neben dem Bevölkerungsrückgang der wachsende „Kannibalisierungseffekt“ des Onlinehandels, wie ihn das IFH nennt. Rund 73 Prozent der Internetnutzer shoppen heute schon im Netz. Bis 2020 dürfte der Umsatzanteil des E-Commerce am Einzelhandel auf bis zu 15,3 Prozent wachsen, wenn man Güter des täglichen Bedarfs ausnimmt, sogar auf rund 25 Prozent. In einer repräsentativen Umfrage des IFH sagten schon 44,9 Prozent der Befragten, dass sie seltener in die Innenstadt gehen, weil sie online einkaufen.

Doch immer mehr Kommunen wollen sich mit dieser Situation nicht abfinden und treten jetzt die Flucht nach vorn an. Mit lokalen Online-Marktplätzen wollen sie kleinen Einzelhändlern helfen, mit überschaubarem Aufwand gegen Amazon und Ebay zu bestehen.

Pionier dieser Bewegung ist Wuppertal. Bereits Ende 2014 hat die Stadt zusammen mit dem Start-up Atalanda den Marktplatz Online City Wuppertal gegründet. Rund 75 Händler aus der nordrhein-westfälischen Stadt machen bereits mit. Wichtigstes Argument neben dem Lokalpatriotismus der Kunden: Geliefert wird dank einer Partnerschaft mit DHL noch am selben Tag. In Wolfenbüttel, Attendorn und Göppingen sollen weitere lokale Marktplätze entstehen. Auch Langenfeld feilt an einem Konzept.

„Online wird so wieder zur Chance für den Handel in der Stadt“, lobt IFH-Geschäftsführer Boris Hedde solche Initiativen. Wichtig sei eine enge Zusammenarbeit von Kommune und Handel und ein systematischer Plan. „Noch kann der Wandel aktiv gestaltet werden“, sagt Hedde, aber dafür müsse bei vielen Städten noch ein Umdenken erfolgen.

Wo die City noch punktet
Prognose der Umsatzanteile im Jahr 2020*

in Prozent


Niemals hätte Markus Kuhnke gedacht, dass er irgendwann einmal Betreiber eines Onlineshops würde. Dafür liebt der Inhaber des Wuppertaler Süßwarenladens „Naschkatzenparadies“ den Kontakt zu Kunden viel zu sehr. Doch der Mann, der schon als Kind im Kiosk seines Vaters Bonbons verkaufte, ist auf den Geschmack gekommen. Der 50-Jährige schreibt jetzt regelmäßig E-Mails, denkt über jedes seiner 955 im Netz angebotenen Produkte nach und überlegt, welchen Preis er veranschlagen kann, um mit der Onlinekonkurrenz mitzuhalten.

„Den Online-Shop zu bestücken, hat so viel Zeit gekostet, wie eine zweite Filiale zu eröffnen“, sagte er. Nun plant er, ein elektronisches Warenwirtschaftssystem in seinem Ladenlokal einzuführen, das ihm die Arbeit online wie offline erleichtert. Obwohl die Zahl der Onlinebestellungen noch überschaubar ist, hegt er keine Zweifel an dem Erfolg der Online City Wuppertal. „Ich glaube nicht, dass Marktführer Amazon von Anfang an gut verkauft hat.“ Immerhin: In machen Monaten hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent erhöht.

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Mönchengladbach macht es wie Brooklyn

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  • Wuppertal ist Pionier? Dass ich nicht lache. Das hatten wir hier in Gütersloh schon vor 15 Jahren, damals sogar von der EU gefördert. Aber die Zeit war damals offenbar noch nicht reif dafür …

  • Ixh versuche gerade, in der Mittagspause in der Hamburger Innenstadt eine Wespenfalle zu ergattern, gestern 2 Geschäfte und ein Kaufhaus - nichts.

    Schwieriges Thema, ich mag eigentlich gar nicht gerne im Internet einkaufen, ich will die Sachen sehen, in der Hand halten und anprobieren. Andererseits kann man wohl wirklich nicht verlagen, jeden Wunsch eines Kunden jederzeit vor Ort auf Lager zu haben.

    Aber die physische Sucherei nach einem ganz bestimmten Artikel nervt, macht keinen Spaß und kostet Zeit.

  • Vielleicht hat man die Leute auch ein bisschen zu sehr auf Kaufen getrimmt.

    Ich wohne in München, und ich muss aufpassen, dass ich bei diesem übergroßen Angebot nicht zu viel einkaufe.

    Und das reicht vielen Leuten immer noch nicht.

    Ob das nur an den Preisen liegt? Glaub ich nicht.

    Finde z. B. die Sommerschlussangebote in der Stadt grade unschlagbar.

    Verdient da noch jemand was?

    Glaube eher, dass die Menschen mittlerweile vom Kaufen besessen sind und ihre ganze Freizeit darein stecken. Sie können sich im Computer verlieren bei den unerschöpflichen Angeboten im weltweiten Netz.

    The masses desperatly seeking for happiness.

    Schlecht wäre es für Innenstädte, wenn es da nur noch Läden für Billigklamotten oder Telekomgesellschaften gibt.

    Z. B. ein kik-Geschäft in der Münchner Innenstadt würde den Level total nach unten ziehen Tristesse pur.

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