Sterbende Innenstädte
„Einfach nichts zu tun, ist tödlich“

Längere Öffnungszeiten oder mehr Events: Um der Online-Konkurrenz trotzen zu können, fordern deutsche Innenstädte gern die Hilfe der Politik. Doch es kann auch ohne gehen – wie ein Beispiel aus dem Bergischen Land zeigt.
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Berlin/Wuppertal Dieser Kunde hat Markus Kuhnke besonders Spaß gemacht: Ein Unternehmer kommt in den kleinen Süßwarenladen in Wuppertal, stellt sich am Ladentisch förmlich vor und dann bestellt der Mittelständer Weihnachtsgeschenke für seine ganze Belegschaft - für Kuhnkes Familiengeschäft ein richtig großer Auftrag. „Früher hätte der mich nie gefunden“, sagt Kuhnke.

„Früher“, das ist für den Händler die Zeit vor „OnlineCity Wuppertal“. So heißt der Online-Shop, mit dem 45 kleiner Händler aus der Stadt nun gemeinsam Umsatz im Netz machen. Er führte den Unternehmer in den Laden.

Wuppertal - der Name der Stadt fällt seit Kurzem häufiger, wenn Fachleute bei Tagungen darüber rätseln, wie sie den Tod der Innenstädte durch den Online-Handel abwenden. Ob Blumenladen, Zoo-Markt, Optiker oder Küchenstudio - sie alle präsentieren in Wuppertal ihre Angebote gemeinsam, koordiniert von der örtlichen Wirtschaftsfördergesellschaft. Wer bis 17 Uhr bestellt, bekommt die Lieferung im Stadtgebiet am selben Tag. Oder er kommt in den Laden.

Seit November ist Markus Kuhnke mit seinem Laden „Naschkatzenparadies“ dabei - schon im Monat darauf ging der Umsatz um zehn Prozent nach oben, wie der Inhaber sagt. Handgeschöpfte Schokolade, Pralinen aller Arten, Wein und Liköre, das bietet das kleine Geschäft seit 25 Jahren - solche Umsatzsprünge gab es bislang nicht. „Es macht doch viel mehr Spaß, wenn man Erfolg hat.“

Es wird höchste Zeit, dass Handel und Kommunen sich etwas einfallen lassen. Das Institut für Handelsforschung Köln (IFH) hat 33 000 Menschen in den deutschen Innenstädten befragt und nun der Branche die längst befürchte Antwort geliefert: Jeder Fünfte komme seltener zum Einkaufen in die Innenstädte, weil er sich online eindecke.

Institutschef Boris Hedde sagt, in den nächsten fünf Jahren werde sich der Handel stärker verändern als in den 40 Jahren zuvor - Jahrzehnte, in denen immerhin der Tante-Emma-Laden verschwand und die Discounter die Spielregeln neu bestimmten.

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