Steuererhöhung in Griechenland

Tintenfisch, Lidl und die griechische Mehrwertsteuer

Als eines der ersten neuen Reformgesetze ist in Griechenland die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Kraft getreten. Ein deutscher Discounter nutzt das für eine Werbekampagne – und bekommt Gegenwind.
Update: 20.07.2015 - 14:12 Uhr 12 Kommentare
Je nach Art der Zubereitung fällt in Griechenland unterschiedliche Mehrwertsteuer auf Tintenfisch an. Quelle: Imago
Tintenfisch in griechischem Hafen

Je nach Art der Zubereitung fällt in Griechenland unterschiedliche Mehrwertsteuer auf Tintenfisch an.

(Foto: Imago)

DüsseldorfSeit heute gilt die Mehrwertsteuer-Erhöhung in Griechenland – und mit ihr treten einige Besonderheiten in Kraft. Für frischen Tintenfisch, gekühlt oder gefroren, werden weiterhin 13 Prozent fällig. Doch für getrockneten, gesalzenen oder geräucherten Tintenfisch gilt jetzt der Satz von 23 Prozent. Das gleiche gilt für Souvláki. Für die meist mit Schweinefleisch zubereiteten Spieße gilt der niedrigere Satz von 13 Prozent. Doch wer ein paar Paprikastücke oder Tomaten mit aufspießt, der muss 23 Prozent Mehrwertsteuer an den Staat weiterleiten.

Die Steuererhöhung ist eines der ersten Reformgesetze, das nach der vorläufigen Einigung mit den internationalen Gläubigern über die künftige Finanzierung des Staats in Kraft getreten ist. Die Regierung erhofft sich von den Steuererhöhungen jährliche Mehreinnahmen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro ab 2016 und von 795 Millionen Euro im laufenden Jahr. Der Chef des Verbands griechischer Restaurant-Betreiber, Thanassis Papanikolaou, hatte bereits im Juni gewarnt, dass eine Mehrwertsteuer-Erhöhung Tausende Stellen kosten würde. Schon die Anhebung auf 23 Prozent für Dienstleistungen im Jahr 2011 habe 40.000 Stellen gekostet.

In allen Tavernen und Bars etwa werden künftig nicht nur für die Dienstleistungen, sondern auch für die servierten Getränke und Gerichte 23 Prozent Steuer fällig. „Unser Ouzo und Moussaka werden ab Montag leider teurer“, sagte Kostas Sarafis, ein Kellner in der Taverne „Zorbas“ unterhalb der Akropolis von Athen.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zwar nach eigenen Worten nicht überzeugt, dass die zugesagten Spar- und Reformmaßnahmen seinem Land aus der Krise helfen werden. Aber er will das Programm dennoch umsetzen. Sonst bleiben auch die neuen Milliarden-Hilfen der Gläubiger aus. Gegner der Auflagen entließ Tsipras daher aus seiner Regierung und ersetzte sie durch enge Mitarbeiter.

„Herr Tsipras hat das griechische Volk ausgetrickst“

Zudem sollen in Griechenland ab 1. Oktober alle Steuervergünstigungen für die Inseln in der Ägäis abgeschafft werden. Bislang galt für diese Inseln eine Mehrwertsteuer, die 30 Prozent niedriger war als auf dem Festland. Ausgenommen sind kleinere Inseln, wo der Tourismus gefördert werden soll. Am kommenden Mittwoch soll eine Reihe von Gesetzen verabschiedet werden, mit denen fast alle Steuervergünstigungen für die griechischen Bauern abgeschafft werden sollen. Die Maßnahmen sind höchst umstritten. Außerdem geht es um weitere Details der Rentenreform und Gesetze zur Modernisierung des Justizsystems und des Bankenwesens.

So macht Lidl Werbung mit der Steuer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Steuererhöhung in Griechenland - Tintenfisch, Lidl und die griechische Mehrwertsteuer

12 Kommentare zu "Steuererhöhung in Griechenland: Tintenfisch, Lidl und die griechische Mehrwertsteuer"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ magiera:

    Alle Versuche einer Gemeinschaftswährung unter souveränen Staaten scheiterten zwangsläufig - egal ob man sich an Regeln hielt oder nicht.

    Niemand vermag - wie in der EU - 19 verschiedene souveräne Volkswirtschaften unter einer Währung zu führen. Das ging nie - und wird auch jetzt nicht funktionieren, wie überall zu sehen ist.

  • Das wird in den meisten Fällen zu Umgehung, Verweigerung, Fälschung und notfalls Einstellung der Tätigkeit führen.

    Schließlich lassen sich Geschäfte auch sehr gut außerhalb offizieller Legalität führen.
    Was sagte der Grieche kürzlich. was meine Hände machen, kann niemand sehen.

    Nicht nur Handwerk hat schwarz-goldenen Boden. Auch Touristik, Landwirtschaft und Gastronomie lassen sich auf sehr unterschiedliche Weise ausüben.
    So ist kaum mit einem höheren Steueraufkommen, eher mit einer Verminderung zu rechnen.

    So ist das Leben in einer Welt, die sich von der Verwaltung das schöne Leben nicht verderben läßt.
    Das ist sehr verständlich - und bald werden auch wir auf dieser Ebene leben (müssen).

  • LIDL scheint bei der Ausbreitung innerhalb der EU eine gute LOBBY zu haben.
    Verdient natürlich an der MwSt mit.

  • Was macht man aus unserem wunderschönen EUROPA, mit den unterschiedlichen und interessanten Mentalitäten und gastfreundlichen Mitbürgern ?

    Die Kritiker dieser EURO - Politik wurden und werden als Europafeindlich bezeichnet und der bisherige politische Kurs als freundlich. Selbst in Polen bezeichnen viele Bürger ihre Lage seit der EU schlechter als zuvor! Wie kommt das ? Die kranke LOBBY - Politik ?

    Schauen wir uns die Entwicklung der Neu-Verschuldung in Italien an, besorgniserregend !
    Seit 2008 hat Irland seine Verschuldung fast verdreifacht und unser Präsident findet diese Entwicklung als Vorbildlich ! Über Spanien und Portugal kann man nichts positiveres berichten.

    Diese EU- und Euro-Politik ist kein Vorbild für eine friedliche Zukunft, im Gegenteil !
    Es läuft vieles aus dem Ruder, auch in unserem LAND !
    SCHADE, das man aus der Geschichte nichts gelernt hat, scheinbar wiederholt sich vieles nach einer zeitlichen "Pause" !

    Politik für wenige hat nie lange einen Frieden bewahrt !

  • "Der Euro war von Anfang an eine Fehlkonstruktion"
    ---
    Nein, das stimmt so nicht!
    Zur Fehlkonstruktion ist der Euro erst geworden, weil die Politiker die Verträge, die sie selber geschrieben haben, permanent verletzen. Und zwar nicht nur ein wenig beugen und dehnen, sondern klipp und klar brechen.
    Dazu noch so eine Perversion der Demokratie wie die abgehobenen, dem Bürgerwillen entzogene Parteiendemokratie mit ihren Listen in Deutschland und das Desaster war in der Tat vorhersehbar. Aber das liegt nicht an der Währung selber, sondern an hochgradig inkompetenten Politikern mit Hang zum Vertragsbruch, schlicht ausgedrückt Schwerverbrecher, die weiter nichts können, als verbale Stoffwechselendprodukte abzusondern.

  • ich vermute, dass dabei deutsche Steuerexperten geholfen haben. Auf so einen Unfug können die Griechen unmöglich alleine kommen.

  • das ist leider der falsche Ansatz. Auch in den USA haften die Staaten für sich. Der Euro war von Anfang an eine Fehlkonstruktion und wird auch durch noch so viel "Reformen" nicht besser. Die Euroländer sind von ihrer Struktur her zu unterschiedlich für eine Währungsunion. Der Länderfinanzausgleich klappt schon innerhalb Deutschlands nicht. Wir haben ein großes Zahlerland, 2 kleine und der "Rest" kassiert. In Europa würde das eine Alimentierung der Länder bedeuten, die nicht bereit sind wirkliche Reformen durch zu führen. Der Euro gehört geordnet abgeschafft oder als Parallelwährung weiter geführt. Dann können Länder auf- oder abwerten, falls erforderlich. So wie es jetzt läuft, wird es auch die EU zerreißen.

  • bei so vielen Steuersätzen wundert es nicht, dass viele das Maximum an Steuerhinterziehung raus holen wollen.
    ---
    Gleiches in Deutschland.
    Der verminderte Steuersatz gehört abgeschafft. Dafür alles auf übersichtliche 20% rauf gesetzt. Im Gegenzug sollte der Soli komplett abgeschafft werden.
    Falls was übrig bleiben sollte, so sollte man damit zu aller erst Bundesschulden tilgen.

  • Zur Griechen Debatte. Ich lebe in Spanien und sehe mit entsetzen diese primitive zerstörrrerische Politik die meiner Ansicht nach die Idee Europas vernichten wird.
    Plattitüden und innenpolitische Abrechnungen die die grossartige Idee zersprengen.
    Die Diskussionen gehen zu kjurz. Strauss Kahn die wirtschafts Nobellpreisträger insgesammt lehen dieses Horrorszenarium ab. es wird nicht funktionieren.

    Aber grundsätzliches wird NIE angesprochen - bsp Unterschied Dollar zu Euro. Wenn ich ein Grossinvestor in den USA bin dann kann ich innerhalb der USA in UsDollar meine Fabrik zu zig Milliarden zum landeswit gleichen Zinssatz finazieren, In DE zu 2-3 % in Spanien 8-10 GR 12-15, IT 12 % Jedes Jahr ergibt das einen Zins/Abschreibungs Vorteil der akkumliert in 10 Jahren die Handelsbilanzunterschiede der EU Staaten sprengt. Da es KEINEN Ausgleich git - und die Unterschiedlichen Zinsen das Gefüge zerreissen, kommen dann die altbewähtrtren Schockthearpien - Löhne runter, Pensionen kürzen Steuern hoch etc. ( Ihr faulen Säcke und wir tüchtighen Deutschend etc) Das heisst die kleinst Bürger bezahlen die Rechnung für den Geburtsfehler des EURO der kein gleichmässigen Zugang zu Zinsen EU weit ermöglkicht. Das vernichtet auf Dauer den Bestand Europas, die Bevölkerung hat nichts davon im Gegenteil!. Griechenland als erstes schwächste Mitglied, jetzt kommt Italien, Frankreich und wiederung später akkulmiert durch den Zinsvorteil wieder mal Spanien. Solange dieser Euro Geburstfehler nicht angepackt wird, sehe ich schwarz !
    Entweder faire Zinsen für die gleiche Währung innerhalb der Eurogruppe, oder ein Länderfinanzausgleich, Steuerharmonmisierung, sonst zerstört sich Europa selbst,, wenn die kurzsichtigen "Korrinterkakker" in ihrer Rechthaberei Europa opfern!
    Gruss aus de Spanien - M:K.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%