Steuererhöhung in Griechenland
Tintenfisch, Lidl und die griechische Mehrwertsteuer

Als eines der ersten neuen Reformgesetze ist in Griechenland die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Kraft getreten. Ein deutscher Discounter nutzt das für eine Werbekampagne – und bekommt Gegenwind.
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DüsseldorfSeit heute gilt die Mehrwertsteuer-Erhöhung in Griechenland – und mit ihr treten einige Besonderheiten in Kraft. Für frischen Tintenfisch, gekühlt oder gefroren, werden weiterhin 13 Prozent fällig. Doch für getrockneten, gesalzenen oder geräucherten Tintenfisch gilt jetzt der Satz von 23 Prozent. Das gleiche gilt für Souvláki. Für die meist mit Schweinefleisch zubereiteten Spieße gilt der niedrigere Satz von 13 Prozent. Doch wer ein paar Paprikastücke oder Tomaten mit aufspießt, der muss 23 Prozent Mehrwertsteuer an den Staat weiterleiten.

Die Steuererhöhung ist eines der ersten Reformgesetze, das nach der vorläufigen Einigung mit den internationalen Gläubigern über die künftige Finanzierung des Staats in Kraft getreten ist. Die Regierung erhofft sich von den Steuererhöhungen jährliche Mehreinnahmen in Höhe von 2,4 Milliarden Euro ab 2016 und von 795 Millionen Euro im laufenden Jahr. Der Chef des Verbands griechischer Restaurant-Betreiber, Thanassis Papanikolaou, hatte bereits im Juni gewarnt, dass eine Mehrwertsteuer-Erhöhung Tausende Stellen kosten würde. Schon die Anhebung auf 23 Prozent für Dienstleistungen im Jahr 2011 habe 40.000 Stellen gekostet.

In allen Tavernen und Bars etwa werden künftig nicht nur für die Dienstleistungen, sondern auch für die servierten Getränke und Gerichte 23 Prozent Steuer fällig. „Unser Ouzo und Moussaka werden ab Montag leider teurer“, sagte Kostas Sarafis, ein Kellner in der Taverne „Zorbas“ unterhalb der Akropolis von Athen.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras ist zwar nach eigenen Worten nicht überzeugt, dass die zugesagten Spar- und Reformmaßnahmen seinem Land aus der Krise helfen werden. Aber er will das Programm dennoch umsetzen. Sonst bleiben auch die neuen Milliarden-Hilfen der Gläubiger aus. Gegner der Auflagen entließ Tsipras daher aus seiner Regierung und ersetzte sie durch enge Mitarbeiter.

Zudem sollen in Griechenland ab 1. Oktober alle Steuervergünstigungen für die Inseln in der Ägäis abgeschafft werden. Bislang galt für diese Inseln eine Mehrwertsteuer, die 30 Prozent niedriger war als auf dem Festland. Ausgenommen sind kleinere Inseln, wo der Tourismus gefördert werden soll. Am kommenden Mittwoch soll eine Reihe von Gesetzen verabschiedet werden, mit denen fast alle Steuervergünstigungen für die griechischen Bauern abgeschafft werden sollen. Die Maßnahmen sind höchst umstritten. Außerdem geht es um weitere Details der Rentenreform und Gesetze zur Modernisierung des Justizsystems und des Bankenwesens.

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Kommentare zu " Steuererhöhung in Griechenland: Tintenfisch, Lidl und die griechische Mehrwertsteuer"

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  • @ magiera:

    Alle Versuche einer Gemeinschaftswährung unter souveränen Staaten scheiterten zwangsläufig - egal ob man sich an Regeln hielt oder nicht.

    Niemand vermag - wie in der EU - 19 verschiedene souveräne Volkswirtschaften unter einer Währung zu führen. Das ging nie - und wird auch jetzt nicht funktionieren, wie überall zu sehen ist.

  • Das wird in den meisten Fällen zu Umgehung, Verweigerung, Fälschung und notfalls Einstellung der Tätigkeit führen.

    Schließlich lassen sich Geschäfte auch sehr gut außerhalb offizieller Legalität führen.
    Was sagte der Grieche kürzlich. was meine Hände machen, kann niemand sehen.

    Nicht nur Handwerk hat schwarz-goldenen Boden. Auch Touristik, Landwirtschaft und Gastronomie lassen sich auf sehr unterschiedliche Weise ausüben.
    So ist kaum mit einem höheren Steueraufkommen, eher mit einer Verminderung zu rechnen.

    So ist das Leben in einer Welt, die sich von der Verwaltung das schöne Leben nicht verderben läßt.
    Das ist sehr verständlich - und bald werden auch wir auf dieser Ebene leben (müssen).

  • LIDL scheint bei der Ausbreitung innerhalb der EU eine gute LOBBY zu haben.
    Verdient natürlich an der MwSt mit.

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