Steuererhöhungen für Selbstgedrehte beunruhigen nicht nur Imperial Tobacco
Tabakkonzerne fürchten Schmuggler

Führende Zigarettenhersteller fordern von der Bundesregierung, die Steuervergünstigung für Steckzigaretten nicht abrupt enden zu lassen, damit sie Lösungen für ihre Beschäftigten in diesem Bereich finden könnten. Sollte der Europäische Gerichtshof (EuGH) in der kommenden Woche wie erwartet die Vergünstigung aufheben, müsse die Regierung eine Übergangsfrist von zwei Jahren beschließen.

HB/dih LONDON. Dies sagte am Dienstag Gareth Davis, Chef von Imperial Tobacco. Trotz dreier Steuererhöhungen in jüngster Zeit steigerte der Hersteller von Marken wie „West“ und „Davidoff“ Umsatz und Marktanteil in Deutschland. Weltweit fuhr das Unternehmen ein Rekordergebnis ein und bestätigt damit die durchweg gute Verfassung der Branche.

Die so genannten Steckzigaretten, bei denen der Kunde ein Tabakröllchen in eine fertige Papierhülle schiebt, werden bisher in Deutschland wie loser Drehtabak besteuert und sind deshalb um ein Fünftel billiger als fertige Zigaretten. Der EU-Generalanwalt hatte im Juli empfohlen, Steckzigaretten wie fertige Zigaretten zu besteuern. Seiner Empfehlung folgt der EuGH in der Regel. Somit erwartet die Branche, dass er kommende Woche das Ende der Steckzigarette besiegelt.

„Ein schrittweiser Übergang wäre für uns sehr wichtig“, sagte Davis dem Handelsblatt, „auch um eine Lösung für die Beschäftigten in unserem Werk in Lahr zu finden“. 300 Arbeiter stellen hier Steckzigaretten her. Konkurrent BAT hat bereits angekündigt, dass bei einem Wegfall des Steuerschlupflochs das ähnlich große Werk in Bremen gefährdet sei.

In Deutschland würden derzeit 22 Milliarden Steckzigaretten im Jahr an sparsame Raucher verkauft, sagte Davis. Diese Kunden dürften auf Handelsmarken, preiswerte Markenprodukte und losen Tabak ausweichen. Aber auch der grenzüberschreitende Handel werde wachsen – legal wie illegal. 17 Prozent der Raucher versorgten sich schon aus dem Ausland mit Zigaretten. „Das bedeutet einen weiteren Einnahmeverlust für den Fiskus“, sagte er. Vor diesem Hintergrund rate er einer neuen Bundesregierung, für einige Zeit auf weitere Steuererhöhungen zu verzichten.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen gelang es Imperial Tobacco aber, auf dem deutschen Markt den Umsatz zu steigern. Der Umsatz vor Steuern stieg im Geschäftsjahr zum 30. September um sieben Prozent auf 630 Mill. Pfund (928 Mill. Euro), der bereinigte Betriebsgewinn sogar um ein Viertel auf 295 Mill. Pfund. Den Marktanteil steigerte das Unternehmen, das 2002 den deutschen Tabakkonzern Reemtsma übernommen hat, nach eigenen Angaben von 18,9 auf 19,4 Prozent.

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