Stiftung sieht Verstoß gegen Corporate Governance: Aktionäre planen Putsch gegen Nestlé-Chef

Stiftung sieht Verstoß gegen Corporate Governance
Aktionäre planen Putsch gegen Nestlé-Chef

Der bevorstehende Wahl von Nestlé-Chef Peter Brabeck an die Spitze des Verwaltungsrats des weltgrößten Lebensmittelherstellers, stößt bei Aktionären auf Widerstand. Sie haben sich deswegen jetzt zu einem Bündnis zusammengeschlossen mit dem Ziel, Brabecks Wahl an die Spitze des Aufsichtsgremiums bei der nächsten Hauptversammlung zu verhindern.

HB ZÜRICH. Angeführt wird der Widerstand von der schweizerischen Anlagestiftung Ethos, die im Auftrag zahlreicher Pensionskassen Nestlé-Aktien verwaltet. Sie hat sich mit weiteren Aktionären zusammengeschlossen. Gemeinsam halten die Gegner von Brabecks Vorhaben Aktien im Börsenwert von 400 Mill. Schweizer Franken (260 Mill. Euro) an dem Lebensmittelhersteller und erfüllen damit eine Voraussetzung, um bei der anstehenden Generalversammlung überhaupt gehört zu werden: Bei Nestlé ist anders als etwa bei skandinavischen Unternehmen, wo Aktionäre nur eine Aktie besitzen müssen, um einen Antrag stellen zu dürfen, ein Aktiendepot mit einem Börsenwert von 320 Mill. Franken erforderlich, um gehört zu werden. Auch diese Vorschrift ist den Kritikern um Ethos ein Dorn im Auge.

Ethos-Direktor Dominique Biedermann hält die Kontrollmöglichkeiten eines Verwaltungsrates über ein Unternehmen für begrenzt, wenn Unternehmenschef und Verwaltungsratsvorsitzender identisch sind. Stiftungsratsvizepräsident Kaspar Müller attestiert Nestlé zwar ein „brillantes Unternehmen“ zu sein, als langfristig orientierter Aktionär sei es jedoch seine Pflicht, falsche Entwicklungen rechtzeitig anzuprangern. Deswegen plant Ethos den Putschversuch auf der Hauptversammlung. Neben der Verhinderung des Doppelmandats hat die Stiftung ein weiteres Anliegen: Sie fordert den Konzern auf, die Verwaltungsratsmitglieder nur noch für drei, statt wie bisher für fünf Jahre wählen zu lassen.

Nestlé dagegen beharrt auf seinen Statuten: Der Präsident des Verwaltungsrats muss das Geschäft des Unternehmens kennen, die Chemie mit den anderen Mitgliedern des Gremiums müsse stimmen und ein langfristiges Engagement sicher sein, erklärt ein Unternehmenssprecher und nennt damit die Gründe für Brabecks Kandidatur. „Wir sehen mit Vertrauen der Entscheidung unserer Aktionäre entgegen.“

Dass er dieses Vertrauen haben kann, liegt an einer weitere Nestlé-Spezialität: Anträge wie der zur Amtsdauer des Verwaltungsrats können überhaupt nur behandelt werden, wenn bei der Hauptversammlung Zweidrittel des gesamten Aktienkapitals vertreten ist. Da nur eingetragene Aktionäre stimmberechtigt sind, bei Nestlé aber nach Ethos-Schätzung etwa ein Drittel der Aktionäre nicht im Aktienregister notiert ist, kann die notwendige Präsenz kaum zu Stande kommen. Mehr als einen Achtungserfolg wird Ethos also voraussichtlich nicht für sich verbuchen können. Immerhin: Gleich lautende Anträge, die Ethos bei der Großbank Credit Suisse und dem Versicherer Zurich Financial Services vor drei Jahren gestellt hatte, führten zwar auch nicht unmittelbar zu einem Erfolg. Heute jedoch herrscht in diesen beiden Unternehmen eine strikte Ämtertrennung.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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