Stiftung Warentest prüft Matratzen
Wie Start-ups einen verschlafenen Markt revolutionieren

Sie heißen „Emma“, „Eve“ und „Bruno“ – Start-ups, die den verschlafenen Matratzenmarkt mit neuen Produkten aufmischen wollen. Nun hat die Stiftung Warentest eine Auswahl geprüft. Das Ergebnis der Testschläfer überrascht.

BerlinEs gibt wahrscheinlich nur wenig Produktsegmente, die den Kunden so überfordern, wie der Kauf einer neuen Matratze. Schaum, Latex oder Federkern, weich, hart, mittelhart – die Auswahl ist riesig, die Preise schwanken stark. Dabei verbringen wir rund ein Drittel unseres Lebens im Schlaf – wie wir uns betten, ist also keine ganz banale Entscheidung. Kein Wunder, dass der Matratzentest bei der Stiftung Warentest seit jeher zu den Bestsellern gehört.

In der jüngsten Ausgabe des Heftes „Test“ haben sich Verbraucherschützer die sogenannten „One-Fits-All-Matratzen“ vorgenommen. Dabei handelt es sich um ein verhältnismäßig neues Marktsegment, das hauptsächlich Start-ups besetzen. Die jungen Unternehmen treten an, diesen verschlafenen Markt aufzumischen. Sie versprechen bequeme Online-Lieferung – inklusive kostenloser Abholung nach bis zu 100 Tagen, falls das Produkt doch nicht gefallen sollte. Vor allem aber werben sie damit, dass ihre Matratze für jeden Schlaftyp geeignet sei – und der nervige Auswahlprozess entfällt.

In den vergangenen Monaten sorgten Firmen wie „Emma“, „Eve“ oder „Bruno“ für große mediale Aufmerksamkeit, auch dank des hohen Marketingaufwands, den die Start-ups betreiben. Fünf dieser Matratzen wurden jetzt getestet – ein gutes Urteil bekamen nur zwei, den Rest fanden die Testschläfer ziemlich enttäuschend.

Die Werbeversprechen von „Eve“ bezeichnen die Tester gar als „Angebereien“. Eve sei eine der schlechtesten Matratzen, die sie jemals getestet hätten. Sie enthalte hohe Mengen des vermutlich krebserzeugenden Flammschutzmittels TCCP. Beim Probeliegen seien die Tester in „einer Kuhle“ versunken, und konnten sich nur „mühsam herauswälzen.“ Das Gesamturteil: „Mangelhaft“.

Das Start-up wehrte sich umgehend: In Großbritannien, wo „Eve“ gegründet wurde, seien Brandschutzmittel bei Matratzen vorgeschrieben – anders als in Deutschland. Inzwischen sei TCCP, obwohl nach eigenen Recherchen gesundheitlich unbedenklich, in den Produkten für den deutschen Markt nicht mehr enthalten.

Auch „Emma“ bekam nur die Note „Ausreichend“. Vor allem große und schwere Schläfer lägen auf dieser Matratze nicht gut, sagen die Tester – dabei wirbt „Emma“ mit einem optimalen Schlafergebnis „unabhängig von Körper- und Schlaftyp.“ Ähnlich lautet das Urteil über „Muun“. „Bruno bekam immerhin ein „Befriedigend“.

Gut fanden die Tester wieder die Matratze „Bodyguard“ von der Firma Bett1, die schon im Mai 2015 als „die beste je getestete Matratze“ ausgezeichnet worden ist. Sie sei das einzige Modell, auf dem alle Schlaftypen gut liegen könnten. In „Bodyguard“ steckten „elf Jahre sehr harte Forschung“, erklärt Gründer Adam Szpyt, der sich als erster auf einen Markt wagte, der bis vor kurzem noch von wenigen großen Spielern beherrscht wurde – und in dem das Bundeskartellamt erst 2014 hohe Strafen verhängt hatte.

Zufrieden waren die Probelieger auch mit dem Modell „Smood“, eine Eigenmarke des Onlinemöbelhauses Home24. Ungünstig lägen darauf nur „große Menschen mit Bauch und schrankförmige Seitenschläfer“. Die anderen Neulinge seien nur etwas für kleine und leichtgewichtige Personen oder kleine Menschen mit einem Schwerpunkt rund um das Becken.

Die Matratzen des US-Start-ups „Casper“, das gerade auf den deutschen Markt gekommen ist und massiv Werbung für sich macht, kamen in diesem Test noch nicht vor.

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