Stiftung Warentest

Smartphone-Bezahlung bei Aldi Nord oft nicht möglich

Erst vor wenigen Wochen startete Aldi Nord das mobile Bezahlen in seinen Filialen. Die Stiftung Warentest rät davon ab: Ältere Geräte und Apples iPhones würden oft nicht unterstützt. Das Nachrüsten ist teuer.
Kommentieren
Die Stiftung Warentest rät vom Bezahlen per Smartphone beim Discounter Aldi Nord ab. Quelle: obs
Verbrauchermagazin gegen mobiles Bezahlen

Die Stiftung Warentest rät vom Bezahlen per Smartphone beim Discounter Aldi Nord ab.

(Foto: obs)

BerlinDie Stiftung Warentest rät Verbrauchern, bei der Discounter-Kette Aldi Nord zunächst nicht mit dem Smartphone zu bezahlen. Viele Geräte wie Apples iPhones oder ältere Handys unterstützten das System nicht, erklärte die Stiftung Warentest am Mittwoch auf ihrer Internetseite test.de. Besitzer solcher Geräte müssten einen Aufkleber mit integriertem Funk-Chip auf die Rückseite ihres Smartphones kleben, damit das kontaktlose Bezahlen funktioniere. Zudem kämen auf den Kunden zusätzliche Kosten und Gebühren seitens der Mobilfunkanbieter zu.

Aldi Nord ermöglicht seit gut einem Monat in allen seinen rund 2400 Filialen Kunden kontaktloses Bezahlen per Smartphone oder Maestro-Karte. Die Bezahldaten werden mit Hilfe der sogenannten Near-Field-Communication-Technologie (NFC) übertragen, bei der Geräte wie etwa das Handy und die Kasse auf kurze Distanz miteinander kommunizieren. Voraussetzung für das kontaktlose Bezahlen ist eine NFC-fähige Maestro- oder V-Pay-Debitkarte oder ein NFC-fähiges Smartphone.

Was die neue Handy-Technologie kann
huGO-BildID: 5853498 Mit der von
1 von 7

Geldbörse, Tickets und Treuepunkte

Das Handy ersetzt längst vielen Bundesbürgern den Fotoapparat, das Navigationsgerät oder den Mp3-Player – bald soll es auch noch die Geldbörse überflüssig machen. Künftig werden immer mehr Smartphones einen kleinen Chip an Bord haben, der mit einer Technologie ausgestattet ist, die Near Field Communication (NFC) genannt wird.

Der Vorteil gegenüber klassischer bargeldloser Zahlung: Leseprobleme wie bei EC-Karten und Kreditkarten sollen der Vergangenheit angehören. Weil das Handy heute fast immer dabei ist, kann es so auch als Kleingeld-Ersatz dienen, beispielsweise beim Kauf eines Fahrscheins in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei kann das Ticket auch gleich auf das Smartphone geladen werden.

Daneben lässt sich die Technologie natürlich auch zum Sammeln von Treuepunkten oder ähnlichem nutzen. Die RWTH Aachen setzt die Technologie bereits bei der Mensa-Karte der Studenten ein. Die Technologie funktioniert kontaktlos über sehr kurze Distanz. Sie hat eine maximale Reichweite von zehn Zentimetern, sodass vom Nutzer ungewollte Kommunikation kaum möglich ist. Doch NFC kann noch weit mehr, wie unser Überblick zeigt.

huGO-BildID: 21918241 Shown at left
2 von 7

Kontaktdaten austauschen

Auch bei der Kommunikation von Geräten untereinander können die NFC-Chips hilfreich sein. „Es ist beispielsweise möglich, Geräte untereinander zu koppeln“, erklärt Erhard Schubert, technischer Leiter beim deutschen RFID-Integrator Winckel. So bietet Nokia bereits Boxen an, die an ein Smartphone per NFC gekoppelt sind. Dadurch wird das Smartphone, das heute schon häufig als Mp3-Spieler Verwendung findet, zur mobilen Kompaktanlage.

Die Datenübertragung funktioniert dabei nach wie vor über bereits vorhandene Schnittstellen wie Bluetooth, NFC dient nur zur schnellen Identifikation der Geräte untereinander. „Bei Bluetooth müssen Sie bisher noch Passwörter eingeben. Die Konvektivität muss erst hergestellt werden, Nummern eingegeben werden. Das ist über die eindeutige Identifizierung per NFC-Technologie viel einfacher“, so der Experte.

Sifteo NFC-Würfel
3 von 7

Spaß mit NFC

Nicht alle NFC-Anwendungen sind bierernst. So gibt es beispielsweise Sifteo genannte Würfel, die die Technologie spielerisch nutzen. Die auf den Mini-Displays gezeigten Inhalte verändern sich, je nachdem, ob sich in der Nähe andere Würfel befinden oder nicht. Zusätzlich verfügen die Würfel außerdem über Beschleunigungssensoren.

Per mitgelieferten UBS-Funk-Stick lassen sich Daten wie verschiedene Spiele von einem PC auf die Würfel übertragen. NFC-Experte Schubert erwartet noch viele weitere Anwendungen aus den Bereichen Spaß  und Sport: „Diese Klientel der Benutzer, setzt häufig ein Smartphone mit Internetverbindung ein.“

Auch die Berliner S-Bahn kämpft mit Klimaanlagen
4 von 7

Öffentlicher Nahverkehr

Im öffentlichen Nahverkehr ist der Einsatz der Technologie auch über den Ticketkauf hinaus denkbar. „Jede Haltestelle könnte eine eindeutige Nummer bekommen“, so der Experte Schubert. „Ich kann mich dann darüber informieren, wann die nächste Bahn oder der nächste Bus kommt und ob es Verspätungen oder Störungen gibt“. Über das Internet könnte der Fahrplan so also immer mit aktuellen Informationen über den Verbleib von Bussen oder Bahnen ergänzt werden.

UMTS macht Location Based Services multimedial
5 von 7

Restaurants im Vorbeigehen bewerten

Ein weiteres mögliches Einsatzgebiet der NFC-Technologie ist die Kombination mit sogenannten Location Based Services - also ortsbezogenen Diensten. Dabei geht es beispielsweise darum, dass man via sozialem Netzwerk seinen Freunden mitteilen kann, wo man sich gerade aufhält. Oder man erhält beim Schnäppchen-Service Groupon bestimmte Angebote nur für bestimmte Orte in der Nähe der eigenen Position, wodurch Unternehmen Kunden in ihre Läden locken können.

In Texas hat Google bereits sogenannte Smart-Posters mit NFC-Chip ausstatten lassen, die beispielsweise in Restaurants aufgehängt wurden. Damit sollte der eigene Location Based Service Google Places beworben werden. Damit können die Kunden direkt vor Ort mittels Smartphone das Restaurant im Internet bewerten. Die entsprechende Bewertungsseite wird aufgerufen, sobald Nutzer ihr Smartphone in die Nähe des Posters halten.

Wikimania 2011QR-Code
6 von 7

Gerätespezifische Informationen

Auch für den Tourismus sieht Schubert Anwendungsmöglichkeiten. So ist es beispielsweise möglich, Besuchern Informationen in der entsprechenden Landessprache zu senden, weil das Smartphone diese bevorzugte Sprache dem Chip sendet. Bisher wird in solchen Fällen häufig der klassische QR-Code (Foto) eingesetzt: Per Handy-Foto wird ein Code eingelesen, der dann beispielsweise zu einer bestimmten Website führt, wo Informationen zu finden sind.

Dabei erhält jeder Nutzer des QR-Codes immer exakt dieselbe Information. Per NFC aber gibt es eine beidseitige Kommunikation. Außerdem entfällt der Umweg über ein Foto wie beim QR-Code.

Lizenz: CC-BY-SA; Link: Wikipedia

Attendees watch a demonstration of the Google wallet application during a news conference unveiling the mobile payment system in New York
7 von 7

NFC vor dem Durchbruch

Die Grundlage der NFC-Technologie wird bereits in einem anderen Bereich seit längerem erfolgreich eingesetzt: Kleine Funkchips mit RFID-Technologie haben in den vergangenen Jahren die Logistik revolutioniert. In der gesamten Lieferkette finden die kleinen Funk-Chips inzwischen Verwendung, um Waren zu identifizieren.

Inzwischen will eine große Allianz von Unternehmen der Technologie den Weg ins Smartphone ebnen. Deutschen Telekom, Vodafone und Telefónica Germany wollen gemeinsam das Unternehmen Mpass gründen, um der neuen Technik zum Durchbruch zu verhelfen, wie das Handelsblatt vergangene Woche erfuhr.

Der Suchmaschinenbetreiber Google startet bald sein NFC-Bezahlsystem Wallet in New York und in San Francisco. Schon bald soll es in den gesamten USA verfügbar sein. Auch die deutschen Sparkassen setzen auf die kontaktlose Kartenzahlung als Alternative zum Bargeld. Noch in diesem Jahr wollen sie in der Region Hannover in einem Großversuch knapp eine Million Sparkassencards für das kontaktlose Bezahlen ausgeben. Ab Mitte 2012 sollen dann alle rund 45 Millionen SparkassenCards schrittweise mit der Kontaktlos-Technologie ausgestattet werden.

Die Discounter-Kette erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, nicht dafür verantwortlich zu sein, wenn die Technologie mit einigen Smartphones nicht kompatibel sei. Sie sehe sich aber auch als Vorreiter, um das kontaktlose Bezahlen in Deutschland voranzutreiben.

  • afp
Startseite

Mehr zu: Stiftung Warentest - Smartphone-Bezahlung bei Aldi Nord oft nicht möglich

0 Kommentare zu "Stiftung Warentest: Smartphone-Bezahlung bei Aldi Nord oft nicht möglich"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%