Strafanzeige gestellt
Heros-Betrug trifft Edeka empfindlich

Die spektakuläre Pleite der Geldtransportfirma Heros trifft jetzt auch die Hamburger Edeka-Zentrale. Wie das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, soll der Lebenmittelhändler durch den Heros-Zusammenbruch einen Betrag von 20 bis 30 Mill. Euro verloren haben. Versicherungen übernehmen Schaden offenbar nicht.

DÜSSELDORF. Deutschlands größter Lebensmittelhändler habe vergangene Woche gegen das Heros-Management Strafanzeige gestellt, sagte eine Edeka-Sprecherin auf Anfrage, ohne die Höhe des Schadens zu bestätigen. Vier Manager des größten deutschen Geldtransportunternehmens, darunter dessen Geschäftsführer Karl-Heinz Weis, hatten über Jahre hinweg mit Hilfe eines Schneeballsystems Kundengelder in Millionenhöhe abgezweigt. Das jedenfalls vermuten die Staatsanwaltschaften in Mönchengladbach und Hannover. Im Gespräch ist dabei eine Summe zwischen 300 bis 350 Mill. Euro.

Im Februar meldete Heros Insolvenz an. Dass die betroffenen Einzelhandelsfirmen und Banken – wie zunächst erhofft – ihren Schaden über eine Versicherung regulieren können, scheint inzwischen unwahrscheinlich. Die über die Mannheimer Versicherung abgeschlossene Police deckt nach Ansicht von Experten lediglich Schäden, die beim Transport von Einzelhandelsmärkten zur Bank entstanden sind. Ein Großteil der Gelder ist aber offensichtlich erst später über dubiose Kontobewegungen verschwunden.

Um solchen Schäden vorzubeugen, schloss Heros gesondert eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung mit Lloyds ab. Doch auch sie wird aller Voraussicht nach nicht zahlen. „Eine Klausel im Vertrag schließt die Haftung aus, so bald der Geschäftsführer des Unternehmens am Betrug beteiligt ist“, erfuhr das Handelsblatt bei einem großen deutschen Händler, der die Police durch seine Rechtsabteilung prüfen ließ.

Damit dürfte auch Edeka auf seinem Schaden sitzen bleiben. Offenbar war der Hamburger Konzern lascher bei seinen Zahlungskontrollen vorgegangen als die Tochter Spar Handels-AG. Dort sollen sich die durch den Heros-Betrug entstandenen Verluste lediglich auf etwas mehr als 1 Mill. Euro summieren. Der Lebensmittelhändler hatte wegen der angespannten Liquiditätslage in den vergangenen Jahren stets darauf geachtet, dass Kundengelder rechtzeitig verbucht werden. Edeka hatte Spar im vergangenen Jahr vom französischen Konkurrenten Intermarché erworben.

Schlimmer noch trifft es offenbar den Kölner Edeka-Konkurrenten Rewe. Deutschlands zweitgrößter Einzelhändler soll nach unbestätigten Angaben um mehr als 160 Mill. Euro geschädigt worden sein. Angeblich habe ein Konzernmitarbeiter zugelassen, heißt es in Presseberichten, dass Heros die Einnahmen aus den Rewe-Filialen erst mit Verspätung auf das Firmenkonto buchte. Im Gegenzug habe ihm das Transportunternehmen einen Geländewagen zur Verfügung gestellt.

Andere Händler zogen dagegen früher die Notbremse. Bereits nach den ersten Unregelmäßigkeiten kündigte Lidl den Vertrag mit Heros. Auch Metro bekam davon Wind und stoppte drei Tage vor der Insolvenz die Zusammenarbeit. Mit 1 Mill. Euro fällt dort deshalb der Schaden entsprechend gering aus. Heros-Insolvenzverwalter Manuel Sack wollte sich zu den jeweiligen Schadenshöhen nicht äußern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%