Strategieschwenk der Deutschen Post
DHL plant Rückzug aus den USA

Nach dem Verkauf der Postbank-Beteiligung an die Deutsche Bank steht Post-Chef Frank Appel vor der nächsten Bewährungsprobe: Der Sanierung des hochdefizitären US-Geschäfts mit Eilsendungen. Wie das Handelsblatt aus Vorstandskreisen der Post erfuhr, denkt die Post über härtere Sanierungsschritte in den USA nach als ursprünglich vorgesehen. Auch ein Total-Rückzug aus dem US-Expressgeschäft wird erstmals nicht mehr ausgeschlossen.

DÜSSELDORF. Die Zustellung innerhalb der USA könnten andere Spediteure übernehmen. Bislang galt eine Präsenz in den USA als unverzichtbar für das globale Netzwerk von DHL.

Zwar sieht Appel "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" keinen Anlass für Veränderungen an den Sanierungsplänen. Doch sollte es in den USA weiter abwärts gehen, dürfte ihm nichts anderes übrig bleiben, meint zumindest der Hamburger Unternehmensberater Horst Manner-Romberg. Bis zur Führungskräftetagung im Januar 2009, wo Appel eine neue Zukunftsstrategie vorstellen will, werde er damit wohl nicht mehr warten können.

Bislang will DHL durch einen teilweisen Rückzug aus dem Zustellgeschäft auf dem Land und einer Kooperation in der Luftfracht mit dem Konkurrenten UPS die Verluste um eine Milliarde Dollar bis 2011 auf 300 Mill. Dollar im Jahr reduzieren. Dazu wird das Zustellnetz am Boden um ein Drittel reduziert und auf Lufttransporte innerhalb Nordamerikas ganz verzichtet. Das kostet allein 8 200 Arbeitsplätze am Standort Wilmington/Ohio, der größten Umschlagbasis von DHL in den USA, vor allem bei den beiden fast ausschließlich für DHL fliegenden Gesellschaften ABX Air und Astar Air Cargo. Weitere Schließungen sind absehbar. Insgesamt zählt DHL neben Wilmington noch fünf regionale "Gateways" in den USA. Vor dem Aus steht nach Flugverlegungen bereits der Flughafen Riverside nahe Los Angeles, wie ein Post-Sprecher bestätigte. Damit wären 300 Arbeitsplätze bedroht. Mit einer 70 Mill. Dollar Investition hatte DHL die Anlage erst 2005 ausgebaut. Die Sanierungspläne von DHL sind bereits Thema im US-Wahlkampf.

Die Lage in den USA hat sich inzwischen dramatisch verschlechtert. Dies bestätigte der für DHL Express zuständige Post-Vorstand John Mullen kürzlich anlässlich einer Anhörung in Washington. Die US-Konjunktur schwächelt. Viele Kunden steigen von teuren Express-Paketen auf billigere Alternativen um. Die US-Konkurrenten UPS und Fedex haben Anfang des Jahres ihre Ergebnisprognosen bereits mehrmals zurückgenommen, auch wenn sich die Lage angesichts gesunkener Ölpreise gerade etwas entspannt hat. Doch verprellt offenbar auch die begonnene Umstrukturierung von DHL wegen der Serviceeinbußen Kunden. Denn die Mengen im DHL-Netz sinken weiter, wie Mullen sagte.

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