Strategiewende? Adidas macht Digitalsparte dicht

Adidas löst seinen eigenständigen Digitalbereich auf. 74 Stellen sind von dem Schritt betroffen. Der Turnschuh-Hersteller beteuert, das sei keine Strategiewende – die Arbeit werde jetzt im Unternehmen verteilt.
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Adidas schließt Digital Sports Division Quelle: dpa
Adidas-Schuh

Die Zahlen sind glänzend, trotzdem baut Vorstandschef Kasper Rorsted das fränkische Unternehmen um.

(Foto: dpa)

MünchenEuropas größter Sportkonzern baut um: Adidas schließt seine sogenannte Digital Sports Division. Das bestätigte eine Konzernsprecherin dem Handelsblatt. Betroffen seien 74 Stellen in den USA, in Deutschland und China. Das Unternehmen versuche, die Mitarbeiter an anderer Stelle einzusetzen.

Die Sprecherin betonte, dass sich Adidas damit nicht aus Zukunftsbereichen zurückziehe. Es sei lediglich so, dass die Aufgaben der Division künftig in anderen Abteilungen erledigt würden. Die Digitalsparte war zuständig für Partnerschaften wie etwa mit dem Fitness-Geräte-Anbieter Fitbit. Sie hat aber auch Software entwickelt wie die vergangenen Sommer vorgestellte „All Day Fitness“-App. Das Programm sollte die Konsumenten rund um die Uhr begleiten, war aber offenbar nicht so erfolgreich wie erwartet und wird jetzt eingestellt.

Geführt wurde die Digital Sports Division von Portland aus, dem Hauptsitz von Adidas in den USA. Dort beschäftigt der Turnschuh-Hersteller rund 1500 Mitarbeiter. Künftig würden Digitalprojekte an verschiedenen Stellen in dem Konzern vorangetrieben, beispielsweise bei „Runtastic“ im österreichischen Linz. Den Entwickler von Sport-Apps hat Adidas vor zwei Jahren für 220 Millionen Euro übernommen.

Die Digitalisierung ist für alle Sportmarken ein großes Thema und zieht sich durch die gesamten Unternehmen. So haben sämtliche Labels ihre eigenen Fitness- oder Ernährungs-Apps im Angebot, zudem wird die digitale Werbung auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Facebook oder Snapchat immer wichtiger. Eine Verbindung von virtueller, digitaler Welt und den Turnschuhen, Shirts und Shorts ist hingegen bislang noch nicht so recht gelungen.

Die größten Sportartikelhersteller der Welt
Platz 9: Billabong
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Die australische Sportmodefirma ist vor allem als Surf-Marke bekannt, stellt aber auch Produkte unter anderem für Skater und Snowboarder her. Die börsennotierte Firma machte 2015 einen Jahresumsatz von 0,7 Milliarden Euro. (Geschäftsjahr endete am 30.6.2015)
Quelle: Unternehmensangaben

Platz 8: Columbia Sportswear
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Die Columbia Sportswear Company wurde 1938 in als Columbia Hat Company von dem aus Deutschland geflohenen Textilfabrikant Paul Lamfrom gegründet. Mittlerweile sind die US-Amerikaner vor allem für Outdoorkleidung und Skimode bekannt. 2015 verzeichnete Columbia Sportswear einen Rekordumsatz von 2,1 Milliarden Euro.

Platz 7: Asics
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„Eine gesunde Seele in einem gesunden Körper“ – das ist die Übersetzung des berühmten lateinischen Spruchs: „Anima Sana in Corpore Sano“, abgekürzt Asics. Trotz Wahlspruch in Latein: Der weltweit bekannte Sportschuh- und Bekleidungshersteller ist ein japanischer Konzern. 2015 machte er einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro.

Platz 6: Puma
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1948 gründete Rudolf Dassler die Puma Rudolf Dassler Schuhfabrik in Herzogenaurach. Zuvor hatte er sich mit seinem Bruder Adolf zerstritten, der seine eigene Firma gründete: Adidas. Seit 2007 befindet sich Puma mehrheitlich im Besitz des französischen Konzerns Kering – 2015 verbuchte der Sportartikelhersteller einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro.

Platz 5: New Balance
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In den 70er-Jahren kaufte der immer noch als CEO aktive Milliardär James Davis den Laufschuhexperten New Balance. Er baute das hauptsächlich durch Mundpropaganda und Fachmessen bekannte Unternehmen zu einem Sportartikelhersteller von Weltrang aus. 2015 machte der im US-amerikanischen Boston ansässige Konzern einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro.

Platz 4: Under Armour
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Der US-amerikanische Sportartikelhersteller machte sich als Marke für Kampfsportbekleidung und Thermo-Sportunterwäsche einen Namen. Auch im deutschen Fußball ist Under Armour aktiv: Von der Saison 2008/09 bis 2011 war der Konzern offizieller Ausrüster von Hannover 96, seit 2016/17 ist er Ausrüster des Zweitligisten FC St. Pauli. 2015 machte das Unternehmen, das bisweilen für seine Nähe zum US-Verteidigungsministerium und seine Kooperation mit Jägern in der Kritik steht, einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro.

Platz 3: VF Corporation
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Die US-Amerikaner sind einer der größten Bekleidungshersteller der Welt und Marktführer unter anderem bei Jeanshosen. Unter dem Dach des Konzerns vereinen sich Marken wie beispielsweise Eastpak und der Outdoor-Spezialist The North Face. Das Unternehmen machte 2015 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro.

Und auch mit Hardware, also Fitness-Armbändern, Laufuhren oder Sport-Kopfhörern tun sich Sportkonzerne wie Adidas, Nike oder Puma schwer. Dieses Geschäft beherrschen Spezialisten wie Garmin, Suunto oder Polar, zunehmend drängen auch Apple und Samsung in diesen Bereich.

Für die betroffenen Mitarbeiter sind dies unerfreuliche Nachrichten so kurz vor Weihnachten. Insgesamt aber kann Vorstandschef Kasper Rorsted hoch zufrieden sein, dem Konzern geht es ausgezeichnet. Der Umsatz in den ersten neun Monaten ist um 16 Prozent auf gut 16 Milliarden Euro geklettert. Der Gewinn stieg um knapp elf Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro.

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