Strategische Bündnisse
Flugallianzen kämpfen um Mitglieder

Die Star Alliance um die Deutsche Lufthansa war der Vorreiter, heute gibt es zudem die Flugallianzen Sky Team und One World. Der Wettkampf der Bündnisse um Mitglieder wird dabei jedoch immer härter. Die Folge: Um gegen die Konkurrenz bestehen zu können, werden nun auch Fluggesellschaften aufgenommen, bei denen es, etwa beim Thema Sicherheit, Bedenken gibt.

TOKIO. Die Bedeutung von strategischen Allianzen in der internationalen Luftfahrt steigt. In Tokio begrüßte die Allianz One World um British Airways gestern drei neue Mitglieder. Mit Japan Airlines, der ungarischen Malev und Royal Jordanian steigt One World nicht nur zur neuen Nummer zwei hinter der Star Alliance um Lufthansa auf, sondern integriert auch als erste Allianz eine Fluglinie aus dem Mittleren Osten. Malev-Vorstand Andras Zboray sagte: „Ohne Mitglied einer Allianz zu sein, hat eine Fluggesellschaft keine Chance, sich im internationalen Wettbewerb durchzusetzen.“

18 der 20 weltweit größten Fluggesellschaften gehören mittlerweile einer der drei Allianzen Star Alliance, One World oder Sky Team um Air France-KLM an. Die Fluggesellschaften verschaffen sich durch das so genannte Code Sharing – also das Weiterleiten von Passagieren – Größenvorteile. Zudem kaufen sie gemeinsam Kerosin ein. Auch die Passagiere profitieren. „Vergleiche haben gezeigt, dass die Kapazitäten erhöht und die Preise gesenkt wurden“, sagt Eric Heymann von Deutsche Bank Research. Alle Ziele haben die Allianzen aber noch nicht erreicht. Gemeinsame Bestellungen bei Airbus und Boeing scheiterten bisher am Bestreben vieler Fluggesellschaften, die Innenausstattung dem Corporate Design anzupassen. Der Wettkampf der Allianzen um neue Mitglieder wird härter. Die Aufnahme von Japan Airlines trieb One World trotz finanzieller und sicherheitstechnischer Bedenken voran, um den Abstand zur Star Alliance mit dem japanischen Marktführer ANA zu verringern.

Auch die Nummer eins der Allianzen steht unter Druck. Die im Januar ausgeschiedene brasilianische Varig und die damit verlorenen Strecken nach Südamerika rissen ein Loch in das Netz der Star Alliance. Seit Wochen halten sich deshalb Gerüchte, dass sich die dominierende Linie auf dieser Strecke, die spanische Iberia, aus One World verabschiedet und der Star Alliance anschließt. Auch im Kreis der One World-Mitglieder in Tokio dementierte Iberia-Vorstandschef Fernando Conte gestern nicht hart, sondern pries Iberia als „perfekten Partner“ an. Es wäre der erste Wechsel in der Geschichte der Allianzen.

Ein erklärter Gegner der „legalen Kartelle“ ist die Fluggesellschaft Emirates. Der internationale Aufsteiger aus Dubai will am Golf sein eigenes Drehkreuz entwickeln. Der Beitritt von Royal Jordanian zur One World Allianz läuft dem Plan, die Region gemeinschaftlich zu entwickeln, jedoch zuwider. „Wir entwickeln unser eigenes Geschäftsmodell, und dabei sind wir niemandem verpflichtet“, sagte Samer Majali, Vorstandschef von Royal Jordanian gestern.

Die zunehmende Bedeutung von Allianzen ist ein Resultat der restriktiven Wettbewerbsordnung im Luftverkehr. Bilaterale Abkommen zwischen einzelnen Ländern erschweren die internationale Expansion von Fluggesellschaften. Externes Wachstum – etwa durch Fusionen oder Übernahmen – scheitert an Klauseln, die die Verkehrsrechte von Fluggesellschaften an nationales Eigentum knüpfen. Jüngstes Beispiel ist die zum Verkauf stehende Alitalia. Strategische Investoren wie die drei dominierenden europäischen Fluggesellschaften Air France-KLM, Lufthansa und British Airways zeigen bisher wenig Interesse. Zu groß sei nach wie vor der Einfluss von Staat und Gewerkschaften, heißt es.

Aus dieser Not machten die Fluggesellschaften Ende der 90er-Jahre eine Tugend. Die Star Alliance war im Jahr 1997 der Vorreiter. Die Liberalisierung ist seitdem keinen Schritt weiter gekommen: Die Bedeutung der Allianzen bleibt hoch.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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