Streik bei der Bahn

Fernbuslinien haben die GDL ganz doll lieb

Bei der Bahn ging am Wochenende nicht viel – bei der Konkurrenz um so mehr: Fernbuslinien und Mietwagenverleiher profitierten vom Lokführerstreik. Wer die Gewinner sind und wie groß der Schaden für den Konzern ausfällt.
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Schlangen vor dem Fernbus: Die Bahn-Konkurrenz erlebte dank des Lokführerstreiks einen Kundenansturm. Quelle: dpa

Schlangen vor dem Fernbus: Die Bahn-Konkurrenz erlebte dank des Lokführerstreiks einen Kundenansturm.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer Lokführer-Streik hat viele verärgert – und einige erfreut. Zum Beispiel den Autovermieter Sixt: Dem bescherte der lange Ausstand bei der Deutschen Bahn an diesem Wochenende zusätzliche Kundschaft. Das Unternehmen, bekannt für freche Werbung, bedankte sich mit einer nicht ganz ernst gemeinten Liebeserklärung an die Gewerkschaft GDL: „HDGDL, GDL!“, witzelte es in einer Werbung, die durchs Netz kursierte. In Langform heißt diese SMS-Abkürzung: Hab dich ganz doll lieb, GDL!

Diesen Spruch hätten viele Bahn-Alternativen übernehmen können. Fernbusse, Mitfahrzentralen und Fluglinien profitierten mindestens genauso von einer streikbedingten Sonderkonjunktur, sofern sie die große Nachfrage bedienen konnten. Dagegen entstand dem Staatskonzern ein Millionenschaden. Die Folgen des Ausstands könnten sich aber über das laufende Quartal hinaus bemerkbar machen: Mein Fernbus, Flixbus und ADAC Postbus hoffen, ihm Reisende dauerhaft abspenstig zu machen.

Wie sich der 60-stündige Streik in der Bilanz auswirkt, kann die Deutsche Bahn noch nicht genau sagen. Sie beziffert den wirtschaftlichen Schaden am Montag auf eine „zweistellige Millionenhöhe“. Exakte Zahlen würden noch ermittelt, erklärte der Konzern. Zum einen brachen die Einnahmen ein, weil in den wenigen Zügen auch viel weniger Fahrgäste unterwegs waren. Zum anderen musste das Unternehmen Tickets erstatten sowie Hotels und Taxifahrten bezahlen. Zu allem Überfluss besprühten Sprayer zahlreiche S-Bahn-Waggons, allein in Berlin 69. Auch in Hamburg und Leipzig habe es solche Vorfälle gegeben.

Mit diesen Fernbuslinien fahren Sie am besten
Fernbus in Leipzig
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Von Berlin nach Hamburg für acht, von Köln nach München für 19 Euro – eine Fahrt mit dem Fernbus ist unschlagbar preiswert. Die Fahrt dauert deutlich länger als mit der Bahn, trotzdem gibt es einen Bus-Boom in Deutschland. Seit Januar 2013 dürfen Fernbusse auch auf Strecken fahren, die mit der Bahn konkurrieren. Seither hat die Branche rasant Fahrt aufgenommen. Konnten Reisende im Januar 2013 aus 86 innerdeutschen Fernbuslinien wählen, waren es im November 2015 schon 326.
Großer Sitzabstand, Bordtoilette, Klimaanlage, freies WLAN, Drinks und günstiger Preis – damit werben die rund 50 Fernbusunternehmen, die mit ihren Bussen über Deutschlands Straßen rollen. Stiftung Warentest hat im Fernbus-Test neun überregional bedeutsame Anbieter unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Sechs von ihnen bekamen die Note gut, nur drei schnitten mit der Note befriedigend ab. Punkte sammeln konnten die Busunternehmen bei Preis, Pünktlichkeit, Sicherheit, Service und Ausstattung. Pluspunkte gab es vor allem für die Pünktlichkeit: 80 Prozent aller Busse fuhren nach Plan ab. Deutliche Kritik gab es von den Testern allerdings oft für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Platz 9: Eurolines
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Eurolines ist ein Zusammenschluss von 32 europäischen Busunternehmen mit Sitz in Brüssel. In Deutschland fährt der Anbieter seit 1985 fährt für die Deutsche Touring GmbH, die bis 2005 der Deutschen Bahn gehörte und seitdem eigenständig ist. Die Fahrten sind insgesamt gut, doch Abzüge gab es bei den teilweise unsauberen Toiletten. WLAN war auch nicht immer verfügbar. Einziger Pluspunkt: 34 von 40 Fahrten waren pünktlich und es gab keine Verspätung von mehr als 30 Minuten. Vor der Fahrt war das Buchen und Stornieren allerdings sehr mühsam. Dabei sollte der Reisende genau wissen, was er bucht. Denn eine Umbuchung kostet zehn Euro. Insgesamt gab es für die Eurolines die Note befriedigend (3,1). Für den Test führten elf Tester insgesamt zehn Fahrten pro Anbieter durch. Außerdem nahmen Experten die Webseites unter die Lupe.

Platz 8: DeinBus.de
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Von drei Studenten 2009 als Busmitfahrzentrale in Offenbach gegründet, bietet das Unternehmen seit vergangenem Jahr Fernbus-Linien mit einem ausgedehnten Streckennetz im Südwesten des Landes an. Der Anbieter bekam ebenfalls die Note befriedigend (2,7) für teilweise ältere Busse mit unsauberen Toiletten. Insgesamt kamen zehn von 40 Fahrten verspätet an, einmal gab es eine Verspätung von mehr als einer halben Stunde. Bei der Buchung sollten sich Reisende mehr Zeit nehmen, denn die Homepage ist etwas unübersichtlich. Dafür sind die Stornierungskosten mit drei Euro nicht so hoch.

DeinBus.de meldete 2014 Insolvenz an, ist inzwischen allerdings wieder auf dem Markt aktiv und bietet insbesondere Studenten und älteren Menschen gute Angebote.Platz 8: DeinBus.de

Platz 7: Public Express
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Das 2003 gegründete Unternehmen hat mit lediglich zwei Linien das kleinste Streckennetz unter den getesteten Fernbussen. Mit elf Haltestellen fährt Public Express meist im Nordwesten des Landes. Schwierig hierbei: die Busse sind nicht immer einfach zu identifizieren. Die Fahrten wurden dennoch insgesamt mit der Note gut bewertet. Immerhin waren 34 von 40 Fahrten pünktlich, bei den sechs Verspätungen war keine länger als eine halbe Stunde. Auch wenn die Fahrt trotz fehlendem Wlan angenehm war, war die Buchung vorher umso anstrengender. Dabei gab es technische Probleme. Außerdem wurden persönliche Daten unverschlüsselt übertragen. Stornierungen konnten nur schriftlich gemacht werden. Entweder gab es einen Gutschein oder zehn Euro Kosten. Die Umbuchung war dagegen kostenlos. Insgesamt erhielt Public Express die Note befriedigend (2,6).

Im August 2015 gab Public Express bekannt, dass sie den Betrieb auf ihrer Stammstrecke aufgrund der Marktentwicklung einstellen.

Platz 6: MeinFernbus.de
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Mein Fernbus wurde 2011 in Berlin gegründet. Die markanten grünen Busse überzeugten mit einem sehr guten Service und sauberen Toiletten. 30 von 40 Fahrten waren pünktlich, in zwei Fällen gab es allerdings Verspätungen von mehr als 30 Minuten. Das Buchen vor der Fahrt ging leicht von Hand, beim Stornieren wurde der Ticketpreis als Gutschein erstattet. Insgesamt wurde Mein Fernbus, inzwischen mit Flixbus fusioniert, mit der Note gut (2,2) bewertet.

Platz 5: City2City
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Erst seit Frühjahr 2013 rollt das britische Unternehmen National Express auf dem deutschen Fernbus-Markt und landet mit der Note gut (2,1) auf Platz fünf der besten Fernbuslinien. Derzeit bietet City2City nur fünf Linien mit 16 Zielen an. Die Fahrten mit dem Bus sind zwar insgesamt gut, auffällig war dennoch die aggressive Fahrweise des Busfahrers, der auch oft während der Fahrt telefonierte. Elf Fahrten waren im Test unpünktlich, davon hatten zwei eine Verspätung von mehr als eine halbe Stunde. Einen Pluspunkt gab es beim Buchen: Vor der Fahrt kann der Reisende sich einen Sitzplatz reservieren und noch 48 Stunden vor der Fahrt kostenlos umbuchen. Auch City2City hat den Betrieb im hart umkämpften Markt inzwischen eingestellt.

Platz 2: IC Bus
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Das Unternehmen der Deutschen Bahn bietet seit 2009 nationale und internationale Linien an. Insgesamt steuert der Anbieter nur sieben Linien mit 22 Haltestellen an. Die Fahrten, die hauptsächlich in München starten, wurden insgesamt mit der Note sehr gut bewertet. Der IC Bus kann vor allem mit dem Service und der Sauberkeit in den Bussen punkten. Nur drei von 40 Fahrten waren unpünktlich, in einem Fall handelte es sich um eine Verspätung von mehr als eine halbe Stunde. Bei der Buchung ist der Bus auf der Internetseite der Bahn teils schwer zu finden. Dennoch positiv: Bahn-Card-Ermäßigungen und Sparpreise gelten ebenso wie im klassischen Schienenfernverkehr. Negativ: Wer umbuchen will, muss stornieren und Stornierungen kosten beim Sparpreis 15 Euro. Insgesamt schneidet der Anbieter mit der Note gut (2,0) ab.

Die Fernbusanbieter positionieren sich als billige Alternative zur Bahn. Der Streik der Lokführer spielt ihnen in die Karten: „Dank der GDL hatten wir das beste Fernbuswochenende seit der Öffnung des Marktes“, sagte Matthias Schröter, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). „Für uns ist das eine schöne Möglichkeit gewesen, zu zeigen, wie komfortable, sichere und saubere Fahrzeuge wir haben.“

Einige Details wollen die Unternehmen unter Verweis auf die Konkurrenz nicht preisgeben. Doch auch so wird deutlich, dass die GDL ihnen einen Boom beschert hat. Der Anbieter Mein Fernbus etwa verzeichnete von Freitag bis Sonntag mehr als drei Mal so viele Buchungen wie an einem durchschnittlichen Wochenende. Konkurrent Flixbus verdreifachte den Umsatz.

Die Unternehmen organisierten zahlreiche zusätzliche Busse – auf den wichtigsten Strecken pendelten teils zwei oder drei gleichzeitig. Ohne das Gedränge, das Bahnfahrer an Wochenenden oft erleben, ging es trotzdem nicht. Vielerorts war es rappelvoll an den Haltestellen, viele Fahrzeuge waren ausgebucht.

Das wirkte sich auch auf die Preise aus, denn die orientieren sich an der Nachfrage – je mehr Plätze in einem Bus ausgebucht sind, desto teurer wird es. Für eine Fahrt von Hamburg nach München verlangt MeinFernbus.de etwa bis zu 63 Euro. Bei der Bahn werden für diese Strecke ohne Bahncard 142 Euro fällig, allerdings dauert die Fahrt auch nur rund sechs statt zehn Stunden.

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  • "...U-Bahn-Fahrer ein Studentenjob!"
    Dann kann das ja nicht so furchtbar schwierig sein!
    Man muß ja nicht mal lenken! (o:)

  • Wann nimmt die Presse jetzt eigentlich mal den Bahn-Vorstand in die Zange? Wenn ich das mal grob überschlage, dann können doch in der GDL nur so ca. 5 % der Beschäftigten des Unternehmens organisiert sein... und von denen lassen die sich so auf der Nase rumtanzen? Was sind das den für Manager?

    Es geht um Lokführer! (das die Lufthansa von den Piloten abhängt verstehe ich ja noch). Als Lokführer muss ich nur irgendeine Lehre haben und eine Art Führerschein für eine Lok. Und wenn sich der Bahn-Vorstand nicht s...d... anstellt, dann stellt er sicher, dass in Zukunft genügend Bahnmitarbeiter einen Zug fahren können! Dann ist das Thema GDL ganz schnell durch!!!

    P.S.: In manchen Städten ist U-Bahn-Fahrer ein Studentenjob! Nur mal so zum erwähnen!

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