Streik bei Ryanair O’Learys riskanter Konfrontationskurs

Ryanair steht vor dem ersten Pilotenstreik in seiner Geschichte. Die Piloten fordern Tarifverhandlungen, Ryanair-Boss Michael O’Leary bleibt hart. Doch wie lange hält der Billigflieger den Antigewerkschaftskurs durch?
Update: 12.12.2017 - 12:18 Uhr 2 Kommentare

„Die verdienen gar nichts“ – Deshalb zieht Cockpit die Reißleine

„Die verdienen gar nichts“ – Deshalb zieht Cockpit die Reißleine

Frankfurt, LondonFluggäste der irischen Billigairline Ryanair sollten sich in den kommenden Tagen auf unruhige Zeiten einstellen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte am Dienstagvormittag in Frankfurt Streiks an. Einen konkreten Zeitpunkt nannte sie nicht, lediglich die Weihnachtstage seien ausgeschlossen. Ansonsten sei jederzeit mit Streikmaßnahmen zu rechnen, erklärte Ilja Schulz, der Präsident der VC: „Das richtet sich nicht gegen die Passagiere, aber wir wollen Ryanair keine Möglichkeiten geben, Gegenmaßnahmen einzuleiten.“

Ryanair sei über die Pläne in Deutschland nicht informiert worden, erklärte ein Firmensprecher auf Anfrage. „Das ist wohl eher eine PR-Aktion der Lufthansa-Pilotenvereinigung VC.“ Ryanair versucht regelmäßig, die Gewerkschaft als Interessengemeinschaft der Lufthansa zu verunglimpfen.

Sollte in Deutschland Streik geplant werden, würde Ryanair das Thema offen angehen, erklärte der Sprecher weiter. „Aber wir werden nicht mit der Gewerkschaft von Lufthansa-Piloten verhandeln oder diese anerkennen“, betonte er, „ganz gleich, welche Aktionen – wenn überhaupt – diese planen.“

„Die Deutschen werden nackt über Scherben robben“
„Die Vorstandsetage der Lufthansa ist der einzige Ort in Europa, an dem man glaubt, dass Eurowings ein Billigflieger ist.”
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Über die aus seiner Sicht zu hohen Kosten der Lufthansa-Tochter Eurowings. (2017)

„Ich fände es gut, ein paar unserer attraktiven Stewardessen in mein Büro zu holen und auf den Job aktiv vorzubereiten.“
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2010 sorgte O'Leary mit der Aussage, Co-Piloten abzuschaffen und diese durch Stewardessen zu ersetzen, für Furore. Dann setzte er noch diesen sexistischen Spruch oben drauf.

„Am liebsten sind uns Passagiere, die nur mit Handgepäck reisen. Dazu wollen wir unsere Kunden erziehen.“
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Über Kritik an den Gepäck-Gebühren (2009).

„Nicht wenn sie sich gut festhalten.“
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Zum Thema Stehplätze und ob Passagiere, die nicht angeschnallt sind, gefährdet sind (2010).

„Wir wollen die Passagiere dazu ermuntern, vorher oder hinterher am Flughafen auf die Toilette zu gehen. Das verhindert an Bord lange Schlangen vor den WC-Türen und das ständige Aufstehen und Hinsetzen in der Kabine.“
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Über die Idee, für die Toiletten-Nutzung an Bord Geld zu verlangen (2009).

„Welcher Vorschlag von mir war je absurd?“
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(2010)

„Ihr Journalisten seid immer so negativ.“
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(2008)

Nicht nur in Deutschland könnte es zu Arbeitsniederlegungen der Flugzeugführer kommen. Auch in Irland hatten die Piloten am Montagabend in einer Urabstimmung für einen Streik votiert. Ebenso sind in Portugal und Italien Arbeitskämpfe angekündigt. Die über den Dachverband „European Cockpit Association“ organisierten Streiks richten sich gegen die Politik der Airline, die Flugzeugführer unabhängig von ihrem Einsatzort nach irischem Recht zu beschäftigen. Die dortigen Sozialstandards gelten im europäischen Vergleich als recht lax. Zudem werden viele Piloten über Ich-AGs angestellt, das sogenannte Contractormodell, das sehr umstritten ist.

„Das Ziel ist es, einen Tarifvertrag zu bekommen, der für die in Deutschland festangestellten Piloten  gültig ist“, sagte Tina Hausmann, Mitglied der Tarifkommission von Ryanair. Sie fliegt seit elf Jahren für Ryanair. Wie viele ihrer 450 deutschen Kollegen arbeitet sie über das Contractormodell für die Billigairline und trägt damit allein das Risiko etwa für den Krankheitsfall. Weil Hausmann das nicht mehr hinnehmen will, befindet sie sich mittlerweile in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit dem Unternehmen.

Nicht nur die Piloten fordern, dass sich Ryanair an die jeweiligen nationalen Sozialstandards der Standorte hält, wo das Personal beschäftigt ist. Auch die Kabinenmitarbeiter gehen auf die Barrikaden. So hat die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) das Ryanair-Management Ende Oktober zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Alexander Behrens, Vorstandsvorsitzender der UFO, beklagt nicht nur das mit einem Bruttolohn von rund 1200 Euro viel zu niedrige Gehalt, das in Deutschland kaum zum Überleben reiche. „Dass Ryanair seine Kabinencrews zudem in jedem Winter für mehrere Wochen unbezahlt freistellt, schlägt dem Fass den Boden aus.“

Ryanair gibt sich bei dem Thema bislang hart. Die Unternehmensspitze um CEO Michael O’Leary verweist darauf, mit der Anwendung der Sozialstandards in Irland geltendes europäisches Recht einzuhalten. Zudem versucht man es mit der Strategie „Zuckerbrot und Peitsche“. Auf der einen Seite will man die Forderung nach Tarifgesprächen mit teils fünfstelligen Bonuszahlungen und Prämien vom Tisch kriegen. Darauf sind die Flugzeugführer bislang allerdings nicht eingegangen.

Gleichzeitig droht man Mitarbeitern, die überlegen, ihre Arbeit niederzulegen, mit massiven Konsequenzen. In einem internen Memo, das seit einigen Tagen kursiert, ist die Rede von Kürzungen bei den Gehältern und Zuschüssen sowie eine Aussetzung von Beförderungen.

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2 Kommentare zu "Streik bei Ryanair: O’Learys riskanter Konfrontationskurs"

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  • ABSOLUT BERECHTIGT DER STREIK - LASST EUCH NICHT UNTERKRIEGEN!!!
    GUTE LEISTUNG MUSS AUCH VERNÜNFTIG BEZAHLT WERDEN!!!

  • Hier steckt Ryan Air ziemlich in der Bredouille, weil das Geschäftsmodell auf niedrigen Fixkosten und Verteilung der Risiken auf Dritte beruht. Das müßte Ryan Air mit Tarifverträgen im kontinentaleuropäischen Stil aufgeben. Gleichzeitig dürfte es durch die EU-Wettbewerbspolitik immer schwieriger werden, nicht kostendeckende Verträge mit den Flughäfen auszuhandeln. Und die anderen Konkurrenten nähern sich von oben den Kostenstrukturen von Ryan Air an. Das wird ganz eng für Ryan Air, zumal die Zeiten des stürmischen Wachstums vorbei sind

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