Streik geht weiter
Lufthansa und Verdi reden miteinander

Seit vier Tagen streiken Lufthansa-Beschäftigte; zahlreiche Flüge fallen jetzt aus. Nun kommt Bewegung in den Konflikt; Vertreter des Unternehmens und der Gewerkschaft haben sich zu Gesprächen getroffen. Reisende müssen aber weiter um ihre Flüge bangen.

HB FRANKFURT: Eine rasche Einigung zeichnet sich trotz der Gespräche weiterhin nicht ab, so dass sich Passagiere auch am Wochenende auf Behinderungen einstellen müssen. Zur Anbahnung der ersten informellen Gespräche sei die Unternehmensführung auf Verdi zugekommen, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Ein Konzernsprecher bestätigte Kontakte, nannte aber keine Details.

Verdi fordert von Lufthansa ein deutlich besseres Angebot für die rund 50 000 Boden- und Kabinenbeschäftigten. Erst wenn dieses vorliege, wolle die Gewerkschaft wieder offizielle Verhandlungen aufnehmen. "Im Moment sieht es nicht danach aus", sagte der Verdi-Sprecher. Den Streik will die Gewerkschaft bis zu einer Einigung fortsetzen.

Lufthansa hat sich mit einem Sonderflugplan bereits auf weitere Streiktage eingestellt. Bis Montag fallen bei Deutschlands größter Fluggesellschaft täglich 128 Flüge aus. Das sind rund sechs Prozent des gesamten Angebots. Besonders betroffen ist der Langstreckenverkehr, wo vier von zehn Flügen ausfallen - die meisten davon am Drehkreuz in Frankfurt.

Auf Europastrecken hat Lufthansa vorsorglich jeden zehnten Flug gestrichen. "Der Sonderflugplan soll den Kunden Stabilität und Klarheit bringen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Passagiere, deren Flug ausfällt, will das Unternehmen auf alternative Maschinen aus der eigenen Flotte oder Partner-Airlines umbuchen.

Der Streik wirkt sich laut Lufthansa auch weiterhin auf die Nachfrage nach Flügen aus. "Die Auslastung auf den deutschen und europäischen Strecken ist etwas reduzierter", sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow, ohne jedoch Details zu nennen. Hingegen seien die interkontinentalen Flüge weiterhin sehr gut gebucht.

Der Rückgang bereitet der Airline besonderes Kopfzerbrechen. Nicht besetzte Flugzeugsitze können nicht zu einem anderen Zeitpunkt verkauft werden und reduzieren damit unwiederbringlich die Einnahmen der Gesellschaft. Genau das ist das Ziel der Gewerkschaft. Sie will Lufthansa den Angaben zufolge wirtschaftlichen Schaden zufügen und so den Druck auf den Vorstand erhöhen, ein verbessertes Angebot vorzulegen.

Der Zulauf der Belegschaft zu den deutschlandweiten Streiks scheint ungebrochen. Am Donnerstag beteiligten sich nach Angaben von Verdi erneut 5 000 Mitarbeiter an dem Ausstand. Bestreikt wird neben dem Technikbetrieb unter anderen die Frachttochter Cargo und das Catering. "Wir sind bis jetzt sehr zufrieden", sagte der Frankfurter Verdi-Bezirksvorstand Thomas Wissgott zu Reuters TV. Solange es keine Einigung gebe, werde Lufthansa "weiter von Tag zu Tag, Stunde zu Stunde größere Probleme haben."

Der Tarifstreit läuft bereits seit mehreren Wochen. Anfang Juli hatten sich Verdi und Lufthansa nach vier Verhandlungsrunden ohne Ergebnis getrennt. Die Gewerkschaft fordert für die Mitarbeiter eine Gehaltserhöhung von 9,8 Prozent für zwölf Monate. Lufthansa hatte zuletzt ein Plus von 6,7 Prozent zuzüglich einer Einmalzahlung geboten - allerdings für eine Laufzeit von 21 Monaten.

Doch selbst wenn der Konflikt mit Verdi gelöst ist, kann Lufthansa noch nicht aufatmen. Die Dienstleistungsgewerkschaft repräsentiert nur einen kleinen Teil des Kabinenpersonals. Der weitaus größere Teil ist bei der Spezialgewerkschaft für Flugbegleiter Ufo organisiert, deren Tarifvertrag noch bis Jahresende läuft. Die Angebote an Verdi stellte Lufthansa unter die Bedingung, dass auch Ufo dem Abschluss zustimmt. Die Verhandlungen mit der Flugbegleiterorganisation dürften aber nicht einfach werden: Sie hatte bereits eine Lohnforderung von 15 Prozent angekündigt.

Analysten befürchten, dass sich der Streik negativ auf den Lufthansa-Aktienkurs auswirken wird, und veränderten bereits ihre Anlageempfehlungen. So stuft beispielsweise equinet ihr Rating auf "Hold" von zuvor "Buy" zurück und verweist auf den sich möglicherweise noch über Wochen hinziehenden Arbeitskampf. Die Lufthansa-Aktie gibt bis zum frühen Nachmittag angesichts dieser Entwicklung in einem festen Markt um mehr als ein Prozent nach.

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