Streik im Oktober?
Fluglotsen könnten Luftverkehr lahmlegen

Europäische Fluglotsen könnten am 10. Oktober den Luftverkehr lahmlegen. Selbst wenn in Deutschland nicht gestreikt würde, hätte das große Auswirkungen auf Deutschland, warnen Piloten.
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FrankfurtDer Flugverkehr in Europa könnte Anfang Oktober vor einem Chaos-Tag stehen: Die europäische Fluglotsen-Gewerkschaft ATCEUC ruft ihre 14.000 Mitglieder für den 10. Oktober zu Aktionen gegen Deregulierungspläne der EU-Kommission auf. Diese wolle Arbeitsbedingungen Tausender Fluglotsen verschlechtern und die Flugsicherung privatisieren, klagt die Gewerkschaft.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit warnt im Magazin „Focus“ vor chaotischen Verhältnissen auf den Flughäfen, sollte es zu einem Streik der Fluglotsen kommen. Selbst ein kurzer Streik hätte „massive Auswirkungen auf den deutschen Luftverkehr“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg dem Nachrichtenmagazin. Deutschland habe den dichtesten Luftraum der Welt.

Die EU-Kommission hatte 2004 den einheitlichen europäischen Luftraum (SES II) auf den Weg gebracht, um die Luftfahrt nach Verkehrsströmen und nicht nach Landesgrenzen auszurichten. Ziel ist neben einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen auch ein besseres Flugverkehrsmanagement - dazu zählen Sicherheitsstandards, aber auch eine Senkung der Kosten.

Arbeitnehmervertreter wie die deutsche Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) werfen der Kommission vor, sie fordere stetige Gebührensenkungen, die den Airlines zugutekämen. Die Flugsicherungsunternehmen würden dabei so stark unter Druck gesetzt, dass dort ein Überlebenskampf beginne, unter dem letztlich die Sicherheit im Luftraum leiden werde, klagte jüngst GdF-Chef Matthias Maas. Die GdF werde sich an dem Aktionstag „im vollen Rahmen ihrer Möglichkeiten“ beteiligen, kündigte die Fluglotsen-Vertretung in ihrem Mitgliedsblatt „Der Flugleiter“ an.

Die GdF hatte zuletzt 2011 zweimal fast gestreikt - die Gewerkschaft hatte damals nach monatelangen, zähen Tarifverhandlungen mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) die Fluglotsen in ganz Deutschland zum Ausstand aufgerufen. Diese wurden aber jeweils in letzter Minute abgeblasen. Später löste erst das Eingreifen des Bundesverkehrsministeriums den Tarifkonflikt - die DFS gehört dem Bund. Die damals verantwortlichen DFS-Vorstände nahmen bald danach ihren Hut. Mit der neuen Führungsriege um Chef Klaus-Dieter Scheurle kommt die kampferprobte GdF Arbeitnehmervertretern zufolge viel besser klar. Deutliches Zeichen dafür ist nicht zuletzt die geräuschlose Tarifeinigung Anfang des Jahres.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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