Streik
Verdi und Telekom verschärfen den Ton

Verdi hat eine Verschärfung des Streiks angekündigt, falls die Deutsche Telekom Mitarbeiter wie geplant zum 1. Juli in neue Tarifverträge verschiebt. „Wir würden den Streik dann noch einmal ausweiten, weil die Beschäftigten ein solches Vorgehen als Konfrontation begreifen würden“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder dem Handelsblatt.

HB DÜSSELDORF. Seit eineinhalb Wochen streiken täglich mehrere Tausend Telekom-Beschäftigte gegen den Plan des Unternehmens, 50 000 Service-Mitarbeiter der Festnetzsparte in neue Einheiten auszugliedern. Dort sollen sie für weniger Geld länger arbeiten. Der kommissarische Telekom-Personalvorstand Karl-Gerhard Eick hat bereits angekündigt, die Mitarbeiter auch ohne eine Einigung mit Verdi ab dem ersten Juli zu neuen Konditionen arbeiten zu lassen. Dazu muss er die Service-Kräfte anderen Abteilungen des Telekom-Konzerns angliedern, in denen bereits ähnliche Tarifverträge gelten, wie die Telekom sie auch für die neuen Einheiten mit Verdi verhandeln wollte.

Um fristgerecht im Juli zu starten, muss Eick die Mitarbeiter einen Monat vorher informieren – also spätestens nächste Woche Donnerstag. Sie haben dann vier Wochen Zeit, Widerspruch gegen das neue Angebot zu erheben. „Tun sie dies, muss die Deutsche Telekom sie zu den bisher geltenden Beschäftigungsbedingungen weiter beschäftigen“, sagt Gernod Meinel, Arbeitsrechtsexperte bei der Kanzlei Hogan & Hartson.

Die Telekom könnte allerdings argumentieren, dass die bisherigen Jobs in dem Geschäftsfeld Festnetz nicht mehr existieren – weil sie in andere Einheiten verschoben wurden. In dem Fall könnte die Telekom darauf setzen, denjenigen, die sich weigern zu wechseln, betriebsbedingt zu kündigen. Das aber ist frühestens ab 2009 möglich, weil bis dahin ein Beschäftigungspakt betriebsbedingte Kündigungen verhindert.

Derzeit stehen die Zeichen zwischen Verdi und Telekom auf Konfrontation. „Es gibt gegenwärtig keine Signale, dass eine Einigung in Sicht ist“, sagt Schröder. Einen offiziellen Termin für neue Gespräche zwischen ihm und Telekom-Verhandlungsführer Eick gebe es nicht.

Verdi will erst dann wieder Gespräche aufnehmen, wenn die Telekom ein neues Angebot auf den Tisch legt. „Ich sehe keinen Anlass, von meinem Auftrag abzuweichen, ein besseres Angebot für die Beschäftigten zu erzielen“, sagt Schröder in Anspielung auf die hohe Beteiligung bei der Urabstimmung zum Streik. Dabei haben 95,6 Prozent der Telekom-Angestellten für einen Streik und gegen das vorliegende Angebot der Telekom gestimmt.

Die Telekom war für eine offizielle Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus Konzernkreisen war jedoch ebenfalls zu hören, dass es keine Bewegung in der Auseinandersetzung mit Verdi gebe. Konzernchef René Obermann will mit dem Personalumbau jährlich die Kosten um 500 bis 900 Mill. Euro senken. Das ist Teil eines Sparpakets von 4,2 bis 4,7 Mrd. Euro jährlich.

Die Telekom reagiert damit auf den anhaltenden Preisdruck auf dem deutschen Markt. Gestern senkte der Konzern die Preise für DSL-und Telefonpakete um bis zu 15 Prozent, um den Abstand zu seinen Wettbewerbern zu verringern.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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