Streikkasse gut gefüllt
Lokführer können lange streiken

Nach den geplatzten Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführer-Gewerkschaft droht der Bundesrepublik ein Ausstand, der für längere Zeit den Betrieb weitgehend lähmen könnte. Denn die Streikkasse ist gut gefüllt. Hoffnung auf Streikbrecher braucht sich auch niemand zu machen.

DÜSSELDORF. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen ist die Streikkasse der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) gut gefüllt. Schätzungen bewegen sich um 15 Mill. Euro.

Obwohl die bei der Bahn beschäftigten Lokführer zum Großteil Beamte sind, die nicht streiken dürfen, wäre ein Ausstand nicht von Streikbrechern bedroht, vermuten Fachleute aus den Gewerkschaften. Die Bahn könnte die Beamten nur dann gezielt als Streikbrecher einsetzen, wenn sie zuvor alle Lokführer ausgesperrt hätte. Kompliziert wird die Situation auch dadurch, dass ein Teil der Lokführer bei Transnet organisiert ist. Diese Arbeitnehmerorganisation hatte gemeinsam mit der zweiten großen Eisenbahner-Gewerkschaft GDBA bereits am Montag vergangener Woche einen Tarifvertrag unterschrieben, der für 134 000 Eisenbahner Lohnerhöhungen von 4,5 Prozent sowie einmalig 600 Euro vorsieht.

Der Kurs der GDL stößt im Gewerkschaftslager auf Kritik und Unverständnis. Nicht nur Transnet und GDBA hatten den Alleingang von GDL-Chef Manfred Schell kritisiert, weil ein Vorstoß für Einkommensverbesserungen ausschließlich für das Fahrpersonal – neben Lokführern auch Zugbegleiter und Servicekräfte in den Zug-Restaurants – die Solidargemeinschaft der Bahn-Beschäftigten sprenge. Auch die DBB-Tarifunion, der gewerkschaftliche Zusammenschluss des Deutschen Beamtenbundes, zu dem auch die 140 Jahre alte Traditionsgewerkschaft GDL gehört, hatte im Vorfeld in einem Schreiben an GDL-Chef Schell zur Mäßigung aufgerufen. Die Tatsache, dass die GDL Forderungen von bis zu 30 Prozent Lohnzuwachs nicht nur für die Lokführer, sondern auch das übrige Fahrpersonal stelle, sei als „konkurrierende Tarifforderung“ für einen maßgeblich von der GDBA vertretenen Arbeitnehmerbereich nicht akzeptabel“.

Aus diesem Grund, heißt es weiter, habe der geschäftsführende Vorstand der Tarifunion beschlossen, Streikgelder an die GDL ausschließlich für die Berufsgruppe der Lokführer zur Verfügung zu stellen. In Bahnkreisen hieß es dazu, letztlich habe diese gewerkschaftsinterne Auseinandersetzung für das Streikrisiko wenig Konsequenzen. Wenn die Lokführer nicht anträten, liefe ohnehin nichts mehr.

Die Konkurrenzgewerkschaften wiesen ferner darauf hin, dass die prall gefüllte Streikkasse der GDL „ganz schnell ganz klein“ sein könne, falls die Gewerkschaft für das Lahmlegen des Zugbetriebes mit Schadensersatzforderungen der Bahn rechnen müsse. Es stelle sich die Frage, ob die GDL überhaupt den Versuch unternommen habe, ernsthaft mit dem Arbeitgeber über Lohn- und Arbeitszeitverbesserungen für ihre Mitglieder zu verhandeln. Ohnehin hatte das Arbeitsgericht Mainz letzten Samstag der GDL untersagt, für einen umfassenden Spartentarifvertrag zu streiken. Per eidesstattlicher Versicherung hatte GDL-Chef Schell dies akzeptiert.

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