Streiks bei der Lufthansa
Letzter Versuch - Piloten wollen nochmal reden

Sie sind an den Verhandlungstisch zurückgekehrt: Die Streithähne der Lufthansa, ihrer Töchter und der Pilotengewerkschaft Cockpit reden miteinander. Sollte eine Einigung ausbleiben, könnten Reisende am Freitag fluchen.
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Begleitet von einer Streikdrohung haben die Verhandlungen zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) begonnen. Am Morgen hatte die VC Streiks der Piloten bei der Lufthansa-Tochter Germanwings für diesen Freitag angekündigt, sollten die Verhandlungen mit dem Konzern ergebnislos verlaufen. Die Lufthansa möchte einen Fahrplan für die komplexen Tarifgespräche zu den verschiedensten Themen vereinbaren. VC erwartet eine Korrektur der vom Management bislang erhobenen tiefgreifenden Forderungen, wie die Gewerkschaft mitteilte.

Bestreikt werden sollten ansonsten am Freitag alle Germanwings-Flüge zwischen 6.00 und 12.00 Uhr an allen deutschen Flughäfen. Damit wollen die Piloten ihrer Forderung nach der Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente Nachdruck verleihen.

Sollten sich die Parteien bei den für heute anberaumten Verhandlungen einigen, werde es „selbstverständlich auch nicht zum Streik kommen“, teilte die Vereinigung Cockpit mit. Die Pilotengewerkschaft erwarte „die Korrektur der vom Management bislang erhobenen tiefgreifenden Forderungen.“

In dem möglichen Streikzeitraum der Piloten am Freitagvormittag liegen 164 Flüge der Germanwings an sieben deutschen Flughäfen, wie die Lufthansatochter am Donnerstag mitteilte. Die Fluggesellschaft mit Sitz in Köln, die im Oktober 2002 ihren Erstflug hatte, verfügt heute über eine Flotte von 76 Flugzeugen und beschäftigt 2000 Mitarbeiter am Boden und in der Luft. 2013 wurden 16 Millionen Passagiere transportiert und 130 Ziele in Deutschland und Europa angeflogen. Das Unternehmen hat an den Flughäfen Köln, Düsseldorf, Dortmund, Berlin, Hannover, Hamburg und Stuttgart 52 Maschinen stationiert. Vor einem Jahr war Germanwings neu aufgestellt worden und hatte einen Großteil der Europa-Strecken der Lufthansa abseits der Drehkreuze Frankfurt und München übernommen. Insofern spielt die Linie keine geringe Rolle innerhalb der Lufthansastrategie.

Auf die Streikandrohung ihrer Piloten reagierte Germanwings mit Unverständnis. Schließlich seien für den heutigen Tag neue Gespräche vereinbart worden, sagte ein Sprecher von Germanwings in Köln. „Wir werden alles tun, um mögliche Auswirkungen zu begrenzen und im Falle eines Streiks der Piloten die Fluggäste bestmöglich zu betreuen.“ Das Unternehmen arbeite an einem Ersatzflugplan, der im Fall eines Scheiterns der Verhandlungen auf der Germanwings-Homepage veröffentlicht werde. Voraussichtlich würden Flüge dann vorgezogen und verspätet angesetzt.

Die Lufthansa reagierte zurückhaltend auf die Streikdrohung der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) bei der Tochter Germanwings. „Welche Auswirkungen das für die heute angesetzten Gespräche hat, müssen wir prüfen“, sagte eine Sprecherin des Konzerns am Donnerstagmorgen und fügte hinzu: „Wir bedauern die Streikankündigung sehr, insbesondere die dadurch entstehenden Unannehmlichkeiten für die Kunden der Germanwings.“ Wie viele Flüge der Streik betreffen würde, könne die Lufthansa zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Am Dienstag hatten Gewerkschaft und Lufthansa neue Gesprächen für den heutigen Donnerstag vereinbart. Über Ort und Uhrzeit war Stillschweigen vereinbart worden. Die Lufthansa prüfe, welche Auswirkungen die Streikankündigung auf die für heute anberaumten Gespräche habe, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft. Germanwings ist die Billigtochter der Lufthansa. Sie betreibt aber auch einen Großteil der Lufthansa-Verbindungen abseits der Drehkreuze Frankfurt und München.

Der Tarifstreit bei Europas größter Airline dreht sich momentan um die Übergangsrente für die 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Die Piloten hatten bereits Anfang April mit einem dreitägigen Streik Europas größte Fluglinie weitgehend lahmgelegt. Damals hatten die 5400 Piloten von Lufthansa, Germanwings und der Frachttochter die Arbeit niedergelegt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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