Streiks in Frankreich
Pilotengewerkschaft weist Air-France-Angebot zurück

Der Tarifstreit bei Air France eskaliert, der Arbeitskampf geht in die zweite Woche. Nun fordert Frankreich mit deutlichen Worten ein Ende des Streiks. Doch die Piloten lehnen die Angebote des Arbeitgebers ab.
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ParisDie streikenden Piloten der Air France haben ein „letztes Angebot“ der Airline zur Beilegung der Krise nun abgelehnt. Die mit Abstand größte Piloten-Gewerkschaft sprach am Montag in Paris von einer „letzten Provokation“ des Konzernchefs Alexandre de Juniac. Er habe nicht mehr Garantien angeboten als zuvor und kein Problem gelöst. Damit geht der Ausstand weiter. Zu Beginn der zweiten Streikwoche ihrer Piloten hatte Air France die verhärteten Fronten aufbrechen wollen. Der Chef der Air France/KLM, Alexandre de Juniac, hatte zuvor mitgeteilt, der umstrittene Ausbau der Billigtochter Transavia in Europa sei bis zum Dezember ausgesetzt. Die Führung wollte später darstellen, wie sie sich den „Ausweg aus der Krise“ vorstellt. An dem Konzept der Erweiterung halte Air France aber fest: „Wenn wir im europäischen Rennen bleiben wollen, haben wir zur raschen Transavia-Entwicklung keine Alternative“, erklärte Juniac. Unverändert bleibe auch das Ziel von mehr als 100 Transavia-Maschinen bis zum Jahr 2017. Somit reichte das Angebot den Piloten offenbar nicht.

Damit geht der Arbeitsausstand weiter, ungeachtet der Forderung der französischen Regierung, die Streiks beim Lufthansa-Rivalen endlich zu beenden. Der für die Parlamentsbeziehungen zuständige Minister Jean-Marie Le Guen hatte die Manager der Fluglinie vor den nun gescheiterten Gesprächen aufgefordert, schnell konkrete Angebote zu machen. „Der Betrieb muss sofort wieder aufgenommen werden. Das ist es, was das Land will.“ Dies müssten alle Beteiligten verstehen. Die anfängliche Hoffnung, dieser Appell könne die Wogen glätten und die Streithähne an den Verhandlungstisch zurück bringen, scheint nun verschwunden.

Die Piloten der Air France streiken seit dem 15. September. Bis zum 26. September sind noch Ausstände angekündigt. Es wäre der längste Streik in der Geschichte des Unternehmens. Die Arbeitsniederlegungen kosten die Airline nach eigenen Angaben jeden Tag bis zu 20 Millionen Euro. Am Montag konnte die Airline nur 41 Prozent der Flüge sicherstellen, am Dienstag sollen es 48 Prozent sein. „Der Streik ist ein Desaster für die Kunden, für die Beschäftigten und für die Finanzen der Gesellschaft“, so Air France.

Die Gewerkschaften protestieren gegen Sparpläne der Unternehmensführung und verlangen für die Flugkapitäne der Billigtochter Transavia dieselben Verträge wie bei Air France. Zudem befürchten sie, dass mit dem Transavia-Ausbau Arbeitsplätze ins Ausland verlagert sowie Kurz- und Mittelstrecken an die Billigtochter übertragen werden. Die Piloten fordern einen einheitlichen Vertrag für ihre Berufsgruppe.

Air-France-Aktien setzte der Disput am Montag zu. Die Papiere fielen um mehr als drei Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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