Streiks

Verdi scheitert mit Klage gegen Post

Die Gewerkschaft Verdi ist mit einer Klage gegen die Deutsche Post wegen Streikfolgen vor dem Arbeitsgericht Bonn gescheitert. Einen Tag vor der Post-Hauptversammlung legen die Angestellten erneut die Arbeit nieder.
1 Kommentar
Verdi will für die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Quelle: dpa
Streik bei der Post

Verdi will für die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Gewerkschaft Verdi ist mit einer Klage gegen die Deutsche Post vor dem Arbeitsgericht Bonn gescheitert. Verdi hatte juristisch erzwingen wollen, dass die Post keine Beamten einsetzen darf, um die Folgen von Streiks der Angestellten abzumildern. Die entsprechenden Anträge seien zurückgewiesen worden, teilte das Gericht in Bonn mit. Die Gewerkschaft könne aber vor dem Landesarbeitsgericht in Köln in Berufung gehen.

Verdi behalte sich weitere Rechtsmittel vor, kündigte ein Sprecher an. Die Post begrüßte die Entscheidung: „Wir freuen uns, dass das Gericht unsere Rechtsauffassung bestätigt hat“, sagte Post-Vorstand Jürgen Gerdes. Verdi setzte im Streit um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten die Streiks bei der Post fort.

Bei dem ehemaligen Staatsmonopolisten Post sind noch rund 38.000 Beamte beschäftigt. Verdi hatte immer wieder beklagt, diese würden als „Streikbrecher“ eingesetzt. Die Post wies dies energisch zurück und betonte, sie halte alle geltenden Regeln ein. Gerdes rief Verdi auf, nun am Verhandlungstisch konstruktiv an einer Lösung des Tarifstreits zu arbeiten. Die Gespräche mit der Post sollen am 1. und 2. Juni in Berlin fortgesetzt werden.

Verdi will für die 140.000 Tarifbeschäftigten des Konzerns 5,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine Verkürzung der Wochen-Arbeitszeit auf 36 von 38,5 Stunden bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Die Gewerkschaft hat ihre Forderungen bereits mit mehreren bundesweiten Warnstreikwellen unterstrichen. Auch am Dienstag beteiligten sich Verdi zufolge rund 2000 Postler an den Protesten. Einen Tag vor der Post-Hauptversammlung in Frankfurt sei es in fast allen Bundesländern zu Streiks gekommen.

Bei dem Aktionärstreffen in Frankfurt will die Gewerkschaft ebenfalls demonstrieren. Verdi-Chef Frank Bsirske soll vor der Halle bei einer Kundgebung sprechen. Der Post zufolge legten bis zum Mittag rund 1600 Beschäftigte die Arbeit nieder. Für die Kunden seien „keine größeren Folgen“ der Proteste zu erwarten, betonte der Konzern.

Das Klima zwischen Post und Verdi ist bereits seit Monaten vergiftet. Die Post hat angekündigt, Tausende neue unbefristete Stellen schaffen zu wollen, allerdings in 49 neuen Gesellschaften, für die niedrigere Löhne als im Konzern gelten. Verdi sieht dies als Bruch geltender Verträge.

Das sind die Stärken und Schwächen der Post
Postbank Filiale
1 von 8

Stärke 1: Volle Kassen

Der Verkauf der Postbank machte es möglich: Weil der Deal den Bonnern vor drei Jahren 4,9 Milliarden Euro in die Kassen spülte, besitzt der Dax-Konzern heute unter dem Strich ein Geldpolster von 938 Millionen Euro. Die Mittel nutzt er vor allem für Investitionen in effizientere Briefzentren und für den Ausbau des asiatischen Express- und Frachtgeschäfts.

Umfangreiche Zukäufe wie unter dem einstigen Vorstandschef Klaus Zumwinkel, die insbesondere in den USA mit Milliardenverlusten endeten, soll es dagegen nicht mehr geben. Außerdem flossen vergangenes Jahr 2,37 Milliarden Euro Cash in die Kasse - 23 Prozent mehr als im Vorjahr.

Markenrelaunch 2012: Die KfW modernisiert sich
2 von 8

Stärke 2: Starker Ankeraktionär

Über die bundeseigene Bank KfW besitzt der Bund - als einziger meldepflichtiger Aktionär - immer noch 30,5 Prozent aller Aktien. Die Ratingagentur Standard & Poor's wertet das positiv. Weil im Ernstfall wohl der Staat eingreifen würde, sinkt laut S&P das Insolvenzrisiko.

BRIEF
3 von 8

Stärke 2: Stabilisiertes Briefgeschäft

Lange Zeit sah es so aus, als ob das Internet dem traditionellen Briefgeschäft die Ertragsgrundlage rauben könnte. Beispiele aus den USA, den Niederlanden oder Italien zeigten, dass der konkurrierende E-Mail-Verkehr den Zustellern hohe Verluste bescherte. Auch für die Bonner Briefträger halbierte sich der Betriebsgewinn (Ebit) seit 2004.

Doch nicht nur der Umsatzschwund wurde inzwischen erfolgreich gestoppt, auch die Betriebsergebnisse stabilisierten sich knapp oberhalb der Milliarden-Euro-Grenze.

DHL
4 von 8

Ausgleich bringt der Internethandel, der in Deutschland jährlich im zweistelligen Prozentbereich wächst. Laut HGB-Bilanz verlor die Post 2011 beim Umsatz zwar 162 Millionen Euro im klassischen Briefgeschäft, das nur noch 5,36 Milliarden Euro erlöste.

Das deutsche Paketgeschäft aber, das etwas irreführend unter der Marke „DHL“ von der Brief-Sparte geführt wird, wuchs um 243 Millionen auf 2,77 Milliarden Euro.

Bilanz Pk - Deutsche Post
5 von 8

Schwäche 1: Teures EU-Urteil

Damit hatte Post-Chef Frank Appel (Foto) nicht gerechnet: Ende Januar entschied EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, dass die Bonner ungerechtfertigt erhaltene Staatsbeihilfen an den Bund zurückzahlen sollen - und zwar in einer Höhe von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro. Der Dax-Konzern habe nicht nur staatliche Beihilfen erhalten, um die hohen Pensionslasten des einst von Beamten geführten Staatsunternehmens auszugleichen.

Mit derselben Begründung habe ihr die Regulierungsbehörde auch ein höheres Briefporto gewährt, was einer doppelten Begünstigung gleichgekommen sei. Die Post wird in den nächsten Monaten zahlen müssen, klagt aber gegen Brüssel.

Post sieht mehr als eine Million E-Brief-Kunden
6 von 8

Schwäche 2: Innovationsflop

Um der Abwanderung der Briefkunden ins Internet nicht tatenlos zuzusehen, startete die Deutsche Post im November 2010 den „E-Postbrief“ - eine rechtsverbindliche, vertrauliche und sichere Form der E-Mail, für die Nutzer 55 Cent pro Sendung zahlen sollen.

Bislang aber zählen Marktforschungsinstitute gerade einmal 200.000 Nutzer pro Monat. Zudem stehen Konkurrenten mit Dumpingpreisen vor dem Start.

DHL-Frachtverkehr am Flughafen Leipzig/Halle
7 von 8

Schwäche 3: Hohe Konzernkosten

389 Millionen Euro kostete den Konzern 2011 sein Headquarter, kaum weniger als im Jahr zuvor. Analysten halten die hohen Kosten für eine Erbschaft des ehemaligen Staatsunternehmens, das einst von Beamten geführt wurde. Zum Vergleich: Der Logistikkonzern Kühne + Nagel begnügte sich 2011 mit Verwaltungsaufwendungen von 109 Millionen Euro.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Streiks - Verdi scheitert mit Klage gegen Post

1 Kommentare zu "Streiks: Verdi scheitert mit Klage gegen Post"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist gemein!
    --------------
    Die Gewerkschaft Verdi ist mit einer Klage gegen die Deutsche Post wegen Streikfolgen vor dem Arbeitsgericht Bonn gescheitert.

    Da setzt doch die böse Bundespost ihre 38.000 beamteten Postler ein um den Streik zu behindern.
    Ver.di fordert doch "nur" 5,5% mehr für 12 Monate und eine Absenkung der Arbeitszeit von 38,5 Stunden auf 36 Stunden pro Woche. Natürlich bei vollem Lohnausgleich, versteht sich!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%