Streit
Bahn investiert der Industrie zu langsam

Der Streit zwischen der Deutschen Bahn und der Eisenbahnindustrie eskaliert: Im Fokus steht die Einführung des einheitlichen europäischen Zugsicherungssystems. Die Produkte der Industrie seien zu teuer, kritisiert der Verkehrskonzern.

BERLIN. Zwischen der Deutschen Bahn und der Bahnindustrie verschärft sich der lange schwelende Konflikt um die Einführung des einheitlichen europäischen Zugsicherungssystems ETCS (European Train Control System). Nach Auffassung der Industrie investiert die Bahn zu zögerlich in die neue Technik. Umgekehrt wirft der Verkehrskonzern den Herstellern vor, ihre ETCS-Produkte seien zu teuer.

Mit der neuen Signaltechnik können Lokomotiven und Triebzüge grenzenlos durch Europa fahren – trotz der Vielfalt der nationalen Sicherungssysteme. Die Bahn hat vor, die Strecken für internationale Güterzüge bis 2026 damit auszustatten. Doch das würde der Industrie zu lange dauern.

Ausgerechnet das Transitland Deutschland werde zur „Insel“ mit nationaler Signaltechnik, beklagte der Siemens-Manager Friedrich Smaxwil als Präsident des Verbandes der Bahnindustrie (VDB) gestern bei der Vorlage von Branchenzahlen. Nur wenn die Güterzugstrecken innerhalb der nächsten zehn Jahre auf ETCS umgerüstet würden, könne das wachsende Verkehrsaufkommen auf der Schiene bewältigt werden.

„Insgesamt ist ETCS für die Deutsche Bahn derzeit zu teuer“, sagte Lutz Bücken, der als Generalbevollmächtigter „Systemverbund Bahn“ Chef für Technik und Einkauf bei der Bahn ist, dem Handelsblatt. Die Kosten seien so hoch, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn schwächen würden. Den Vorwurf einer künstlichen Verteuerung wies Smaxwil zurück. Der Preis werde durch den Wettbewerb bestimmt. Zudem sei die Ausrüstung von Land zu Land unterschiedlich.

Der Streit trifft die Industrie zu einem Zeitpunkt, da es ihr gut wie lange nicht geht. Der weltweite Boom im Schienenverkehr beschert gute Umsätze und prall gefüllte Auftragsbücher. Tendenziell steigt das Auslandsgeschäft stärker. Am Gesamtumsatz der Branche, der 2007 um 5,5 Prozent auf 9,6 Mrd. Euro gestiegen ist, sei der Export jetzt mit 53 Prozent beteiligt, sagte Smaxwil. Der Auftragseingang habe mit 10,7 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert erzielt.

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