Streit in Fleischkonzern: Tönnies-Familie führt Gespräche über Einigung

Streit in Fleischkonzern
Tönnies-Familie führt Gespräche über Einigung

Sie haben erbittert gestritten – und stehen nun doch vor einer Einigung: Clemens und Robert Tönnies aus dem gleichnamigen Fleischerimperium wollen sich zusammenraufen. Eine Familienholding könnte den Konzern führen.
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Im Streit um die Vorherrschaft in der Tönnies-Gruppe arbeiten beide Parteien an einer außergerichtlichen Einigung. Clemens und Robert Tönnies verhandeln nach Jahren des Zwists über die Gründung einer Familienholding.

Wie das „Handelsblatt“ und die  „Neue Osnabrücker Zeitung“ nach gemeinsamer Recherche berichten, befinden sich die beiden Gesellschafter Clemens und Robert Tönnies in konstruktiven Gesprächen über eine Neuordnung der Gruppe. Demnach könnten Onkel und Neffe gemeinsame Geschäftsführer einer Familienholding werden. „Ich bin hoffnungsfroh, dass wir das hinkriegen“, bestätigte Clemens Tönnies der NOZ und dem Handelsblatt die bisher geheimen Gespräche. Ein Sprecher der Seite von Robert Tönnies wollte die Gespräche weder bestätigen noch kommentieren.

I​m Kern gehe es darum, eine zukunftsfähige Struktur des Fleisch-Konzerns auf Basis der Gleichberechtigung beider Gesellschafter zu vereinbaren, heißt es in Kreisen, die mit den Verhandlungen vertraut sind. Ziel sei es, wesentliche Fragen zu Nachfolgeregelungen und der operativen Führung zu beantworten und den Umgang mit Beteiligungen zu klären, so etwa mit der bisher Clemens Tönnies privat gehörenden Zur Mühlen-Gruppe („Böklunder“). 

​Zur Mühlen (2000 Mitarbeiter, 600 Millionen Euro Umsatz) soll in die gemeinsame Holding eingebracht werden. Grundlage sei eine „faire Bewertung“ des Wurst-Herstellers. Die der neuen Gesellschaft zugeordneten Unternehmen würden inklusive der Tönnies Lebensmittel GmbH & Co KG durch angestellte Geschäftsführer geführt. Die Besitzanteile an der Gruppe blieben unverändert bei 50:50.  

Teil der Einigung wäre es, alle anhängigen und seit Jahren währenden Rechtsstreitigkeiten zu beenden. Zuletzt standen sich beide Parteien am 20. April an einem emotionalen Prozesstag vor dem Bielefelder Landgericht gegenüber. Robert Tönnies verlangte dort, eine Übertragung von Unternehmensanteilen an seinen Onkel wegen groben Undanks rückabzuwickeln. Damit würden die Machtverhältnisse im Konzern endgültig kippen, nachdem Clemens Tönnies bereits das doppelte Stimmrecht verloren hat. 

Der Fußballfunktionär wehrte sich unter Verweis auf seine Leistung für das Unternehmen und eine Zusage seines Bruders, der seine Gleichstellung als Gesellschafter vorgesehen habe. 

Die ​Tönnies-Gruppe mit Sitz im ostwestfälischen Rheda Wiedenbrück erzielt mit rund 8000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 5,6 Milliarden Euro (2014). Gründer des Unternehmens war der Bruder von Clemens Tönnies und Vater von Robert Tönnies, Bernd Tönnies.

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