Streit mit Bonnier und Hachette
Wie Amazon Autoren bedrängt

Der Online-Versandhändler nutzt seine Macht immer stärker aus – nicht nur gegen Walt Disney. Auch deutsche Autoren fürchten eine Amazon-Diktatur. Dabei geht es längst nicht mehr nur um den Preis.
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DüsseldorfNele Neuhaus war eigentlich immer ein großer Fan von Amazon. Als die Bestsellerautorin („Böser Wolf“) einst anfing, Bücher zu schreiben, fand sie zunächst keinen Verlag. Die Lösung: der Versandhändler. Dort konnte Neuhaus ihr Buch veröffentlichen und bekam auch ihr Geld. Doch sie hat ihre Meinung über Amazon radikal geändert: Denn der US-Konzern setzt Autoren immer stärker unter Druck – auch Neuhaus' Verlag Bonnier.

Es fing alles an mit banalen Verhandlungen zwischen Geschäftspartnern. Amazon verlangte für E-Books eine höhere Marge, die Verlagsgruppe Bonnier wollte diese nicht gewähren. So weit, so gewöhnlich. Aber dann zog Amazon „die Daumenschrauben“ an, sagt Neuhaus im Gespräch mit Handelsblatt Online. Plötzlich waren ältere Bücher von ihr erst in sechs bis zwölf Tagen lieferbar. So wie ihr geht es etlichen Autoren. Weil ihr Verlag sich dem Druck von Amazon nicht beugt, werden ihre Bücher nicht mehr so prominent platziert – und nicht mehr so gut verkauft.

Nicht nur Nele Neuhaus ist darüber verärgert. Wie das Handelsblatt am Donnerstag exklusiv berichtete, haben sich in Deutschland nach amerikanischem Vorbild mehr als 100 Autoren zusammengetan und Amazon einen offenen Brief geschrieben – unter ihnen bekannte Namen wie Ingrid Noll („Die Apothekerin“), Günter Wallraff („Ganz unten“) und Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek („Die Klavierspielerin“). Darin prangern sie an, dass das Unternehmen Bücher „als Geiseln“ nehme. Das sei „keine Art mit Geschäftspartnern umzugehen“, kritisieren die deutschen Autoren. In ihrem Brief fordern sie die Leser auf, sich direkt an Amazon-Gründer Jeff Bezos zu wenden und sich über seine Methoden zu beklagen.

Denn die Manipulationen gehen auch zu Lasten der Leser. Durch die längeren Lieferzeiten sind auch sie betroffen. „Damit widerspricht Amazon seinem eigenen Versprechen, das kundenorientierteste Kaufhaus der Welt zu sein“, monieren die Autoren in ihrem Brief. Amazon selbst sagt, Literatur müsse billiger werden, da sie mit anderen Medien konkurriere.

Amazon versucht nicht nur Bonnier dazu zu bewegen, seinen Bedingungen zuzustimmen. Auch mit dem Verlagshaus Hachette sowie dem Medienkonzern Walt Disney hat sich das US-Versandhändler angelegt. Bei Produkten dieser Unternehmen werden nicht nur längere Lieferzeiten angezeigt als tatsächlich vorhanden. Auch von einer Manipulation der Empfehlungsliste reden die deutschen Autoren. Bücher, die in Verlagen erscheinen, mit denen Amazon verhandelt, tauchen dort nicht mehr auf.

Die Opfer: die Autoren. Nele Neuhaus ist nur eine von vielen, die unter dem Druck des Versandhändlers leiden. Die Autorin erzählt von nicht so bekannten Kollegen, die gar nichts mehr verkaufen, weil Amazon ihr einziger Abnehmer ist. Auch, weil plötzlich Felder verschwinden wie „Kunden, die diese Artikel gekauft haben, kauften auch“. In dieser Rubrik tauchen häufig andere Werke des Autors auf. Amazon kappt dieses Marketinginstrument offenbar einfach.

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  • Weshalb bezahlt Amazon schlecht? Die bezahlen nach Tarif.
    Amazon macht keinen Gewinn, daher zahlen die auch keine Steuern. Expansion vor Gewinn.
    Mehrwert für DE sind die Sozialabgaben und Arbeitsplätze.

    Ist jedem selbst überlassen wo man kauft, es wird niemand gezwungen bei Amazon zu kaufen.

  • Auch ich sehe, dass Amazon seine Marktstellung missbraucht und Verlage und auch Autoren in ruinöse Rabatte zwingt. Für gedruckte Bücher verlangt Amazon 50% Rabatt vom Ladenverkaufspreis und zuzüglich 5% für die Systemnutzung. Gelagert werden aber nicht Stückmengen, die einem Großhändler würdig wären, sondern nur wenige Exemplare. Hinzu kommt, dass ein Verlag aus dem Amazon-System einmal im Monat die Liste der verkauften Exemplare doppelt ausdrucken und an Amazon in Luxemburg schicken muss. Das Geld für die bereits verkauften Bücher wird dann drei Monate später bezahlt. So geht es nicht. Andere Konditionen? Fehlanzeige! Deshalb gibt es immer mehr Verlage, die nicht mehr direkt an Amazon liefern und die direkte Geschäftsverbindung zu Amazon eingestellt haben. Der Konzern bedient sich dann über andere Großhändler, allerdings zu Rabatten, die sie den Verlagen nicht einräumen. Auch das ist Marktwirtschaft. Vertrieb muss bezahlt werden. Das ist in Ordnung. Amazon sollte aber mit seinen Forderungen "auf dem Teppich bleiben".
    Bei E-Books begnügt sich Amazon z.Zt. noch mit 30%. Wie lange noch?
    Jedem, der keinen Verlag braucht und trotzdem veröffentlichen will, stehen viele Möglichkeiten offen, von Selfpublishing bis zu Bezahlverlagen. Bei Neid-Debatten könnte man auch mal schauen, was Verlage leisten. Auch wenn der Vergleich etwas hinkt: Manche meinen, wir bräuchten keine Bauern, weil die die Milch im Tetra-Pack erhältlich ist. Verzichtet auf Verleger und man wird sehen.

  • Dann sollen doch die, die da mal wieder Jammern und ins "Evil Amazon" Horn blasen, lieber selber mal nen vernünftigen, kundenorientierten und schnellen, global/lokalen Vertrieb aufbauen, der auch nur annähernd an die Amazon Stückzahlen ranreicht.
    So funktioniert der Markt, wenn Denen die Rabatte zu hoch erscheinen, selber machen oder nen anderen Vertrieb suchen.
    ....doch da müßte man ja Ideen haben.
    ....und langen Atem natürlich, Amazon ist ja auch nicht über Nacht so erfolgreich geworden.

    Letztlich werden die dann weniger Stückzahlen haben aber dafür 3% weniger Rabatte einräumen. Klingt ja nicht zielorientiert, doch scheint das Ziel ein anderes zu sein als gute Einkünfte aus ihren Werken zu erhalten.
    Schreiberlinge halt......

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