Streit mit Dr. Oetker und Co.

Bei Real klaffen Lücken im Regal

Wichtige Markenhersteller wie Dr. Oetker beliefern die Supermarktkette Real derzeit nicht. Es gibt Streit um die Konditionen. Wenn es ums Geld geht, wird im Handel immer öfter mit harten Bandagen gekämpft.
Update: 17.07.2015 - 15:34 Uhr Kommentieren
Die SB-Warenhauskette streitet sich mit ihren Lieferanten. Quelle: dpa
Real-Markt

Die SB-Warenhauskette streitet sich mit ihren Lieferanten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfKunden der Supermarktkette Real müssen zurzeit damit rechnen, nach einigen ihrer Lieblingsprodukte von der Fertigpizza bis zum Joghurt vergeblich zu suchen. Denn mehrere wichtige Markenhersteller wie Dr. Oetker haben die Belieferung der Metro-Tochter eingestellt. Der Grund für den Lieferstopp: Streit um von Real gewünschte Änderungen an den Lieferkonditionen. Auch bei den Metro-Großmärkten sind einige Artikel derzeit nicht verfügbar, wie eine Unternehmenssprecherin bestätigte.

Erste Lücken im Angebot sind für jeden, der mit offenen Augen durch eine Real-Filiale geht, inzwischen nicht mehr zu übersehen. Real bemüht sich dennoch, die Aufregung zu dämpfen. Es seien schließlich nur elf von 5000 Lieferanten, mit denen bislang keine Einigung erzielt worden sei. „Daher haben diese Lieferanten leider beschlossen, uns aktuell nicht zu beliefern“, räumt ein Unternehmenssprecher ein.

Das Problem dabei: Nach Informationen des Branchenblattes „Lebensmittel Zeitung“ sind darunter neben Dr. Oetker auch weitere profilierte Marken wie Nestlé (Maggi, Nescafé, Wagner Pizza) oder Müller Milch. Oetker bestätigte den Lieferstopp auf Anfrage von dpa. Auch Müller Milch räumte Lieferunterbrechungen ein. Nestlé wollte sich zu Kundenbeziehungen nicht äußern.

Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers bezeichnete die Situation als „Alptraum“ für jeden SB-Warenhausbetreiber, erwarte der Kunde doch in den Hypermärkten, die mit einer Auswahl von bis zu 80.000 Produkten werben, wirklich alle Einkäufe auf einen Schlag erledigen zu können. Real selbst wirbt mit dem Slogan „Einmal hin. Alles drin.“

Doch ist der Fall an sich gar nicht so ungewöhnlich. Denn wenn es ums Geld geht, wird im Handel öfter mit harten Bandagen gekämpft. So machte etwa Lidl im Januar vergangenen Jahres Schlagzeilen, als der Discounter Coca-Cola für gut zwei Monate aus den Regalen schmiss. Die Begründung damals: „Streit um ein Vermarktungskonzept“. Und auch bei anderen Ketten fehlen immer wieder mal bekannte Marken, wenn sich Hersteller und Händler gerade nicht über die Konditionen einigen können. „Das gehört zum normalen Geschäft“, heißt es in der Branche.

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
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Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Platz 9: Rossmann
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Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Platz 8 : dm
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Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Platz 7: Tengelmann
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2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Platz 6: Lekkerland
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Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
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Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Platz 4: Aldi
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Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

Auffällig ist bei Real allerdings die aktuelle Häufung der Fälle. Auslöser ist die Tatsache, dass Real und die Metro-Großmärkte kürzlich die Verrechnung des gesamten Warengeschäfts in Deutschland an den Dienstleister Markant übergeben haben. Die Metro-Töchter wollen damit ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Doch einige der betroffenen Markenhersteller haben das Gefühl, bei der Neuordnung der Lieferbeziehung unangemessen zur Kasse gebeten zu werden und wehren sich.

Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich die Regale bei Real wieder füllen. Oetker-Sprecher Jörg Schillinger jedenfalls ist zuversichtlich: „Es wird, wie immer bei derartigen Verhandlungen, über kurz oder lang eine Lösung geben.“

  • dpa
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