Streit mit Fraport
Lufthansa wettert über „Ausverkaufsrabatte“

Der Streit um einen Gebührennachlass für die irische Billigfluggesellschaft Ryanair in Frankfurt eskaliert. Die Lufthansa droht mit drastischen Maßnahmen, sollte Fraport keinen Kompromiss eingehen.
  • 0

FrankfurtDie Lufthansa erhöht wegen des in der Branche umstrittenen Gebührennachlasses für die irische Billigfluggesellschaft Ryanair den Druck auf den Flughafenbetreiber Fraport. Zwar versuche man eine Lösung in Gesprächen mit Fraport, die für Januar terminiert seien, sagte Harry Hohmeister, Lufthansa-Vorstand am Dienstag in Frankfurt. „Wenn wir aber keinen Kompromiss finden sollten, haben wir andere Möglichkeiten, von einem Einspruch gegen die Gebührenordnung bis hin zu einer Klage.“

Ryanair hatte vor einigen Wochen bekanntgegeben, ab dem Sommerflugplan 2017 mit zunächst zwei in Frankfurt stationierten Flugzeugen touristische Ziele wie Mallorca, Malaga oder Alicante ansteuern zu wollen. Mittelfristig will Ryanair alle von der Airline angeflogenen 200 Flughäfen in 34 Ländern mit Frankfurt verbinden und damit auch Geschäftskunden als Fluggäste gewinnen.

Der Flughafenbetreiber Fraport hat Ryanair mit einem Rabatt auf die Gebühren von bis zu 50 Prozent im ersten Jahr gelockt. Offiziell ist dieser Ryanair-Rabatt zwar vom Tisch. Das hessische Wirtschafts- und Finanzministerium lehnte als die genehmigende Behörde einen entsprechenden Antrag von Fraport ab. Doch laut Hohmeister ist der Rabatt nur in einen allgemeinen Rabatt für neue Airlines umbenannt worden. Ryanair bekomme weiterhin einen Nachlass in der genannten Höhe.

„Wir reden hier von Ausverkaufsrabatten. Wo kommt denn die Wettbewerbsfähigkeit einer Ryanair her, wenn die von Fraport bezahlt werden“, wetterte Hohmeister. Bezogen auf alle Europaverbindungen würde Lufthansa bei vergleichbaren Gebühren einen um 200 Millionen Euro höheren Ergebnisbeitrag haben. Als mögliche Kompromisslinie nannte er eine komplett neue Gebührenpolitik, die sich deutlich stärker am Markt orientiere. Die Airline-Branche verweist seit längerem darauf, dass an anderen Drehkreuzen wie Heathrow die Gebühren sinken.

Sollte man sich nicht einig werden, müsse Lufthansa auch über das eigene Angebot in Frankfurt nachdenken, stellte Hohmeister klar. „Wenn die Infrastruktur nicht mehr wettbewerbsfähig ist, muss man sich fragen, ob man hier  noch alles fliegen kann.“ Fraport-Chef Stefan Schulte hatte die Gebührenpolitik am Montagabend bei einer Veranstaltung des Flughafenbetreibers verteidigt. Er verwies unter anderem darauf, dass zunehmend weniger Kunden aus den Ballungsräumen Köln oder Mannheim über Frankfurt flögen, weil das dortige Angebot ihnen zu teuer sei. Schulte vermutet, dass diese Passagiere statt dessen auf die Flughäfen Köln-Bonn und Karlsruhe/Baden-Baden ausweichen, weil dort Billig-Airlines präsent seien. „Wir können nicht sagen, um einen großen Teil des Marktes kümmern wir uns nicht", so Schulte.

Seite 1:

Lufthansa wettert über „Ausverkaufsrabatte“

Seite 2:

Bei den Flughäfen schrillen die Alarmglocken

Kommentare zu " Streit mit Fraport: Lufthansa wettert über „Ausverkaufsrabatte“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%