Streit mit Stiftung Warentest
Ein Richter, der Ritter Sport nascht

Das Landgericht München schlägt im Streit um einen Aromastoff in Ritter-Sport-Schokolade einen Vergleich mit der Stiftung Warentest vor. Doch die Parteien lehnen ab: Am Montag wird weiter verhandelt.
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MünchenDie Zuhörer stärkten sich ausgerechnet mit Vollmilch-Nuss-Schokolade, als Richter Peter Lemmers im Landgericht München zur Sache kam. Die Frage sei, doch so Lemmers, „wurde in der Schokolade ein natürliches Aroma verwendet, oder nicht?“ Und er nahm allen Beteiligten gleich eine Illusion. „Klären können wir das heute nicht“, betonte der Richter. Zudem bat er die Prozessbeteiligten scherzhaft um eine zügige Verhandlung: „Um zwölf Uhr beginnt die hausinterne Weihnachtsfeier.“

Es war kurz nach zehn am Freitagmorgen, als im Saal 301 des Münchner Landgerichtes die Anwälte des Schokoladenherstellers Ritter Sport und der Stiftung Warentest vor den Richter traten. In einem „einstweiligen Verfügungsverfahren“ sollte geklärt werden, ob die Sorte „Voll Nuss“ von Ritter Sport künstliche Aromen enthalte oder nicht. Denn genau das hatte die Stiftung Warentest in ihrem Dezemberheft unter dem Artikel „zum Reinbeißen“ behauptet.

Die Stiftung verpasste der Sorte die Note „mangelhaft“ (statt „gut“), weil aus ihrer Sicht der festgestellte Aromastoff Piperonal (Geschmacksrichtung: Vanille-Marzipan) nicht natürlichen Ursprungs sein könne. In industriellem Maßstab werde dieser nur künstlich produziert. Die Ausweisung eines „natürlichen Aromas“ auf der Packung sei daher Verbrauchertäuschung. Den Beweis blieb die Stiftung aber auch am Freitag schuldig.

Ritter Sport bestreitet den Vorwurf. Der Lieferant Symrise bestätigte dem schwäbischen Traditionsunternehmen per eidesstattlicher Versicherung, das das gelieferte Piperonal aus biologischen Ausgangsstoffen gewonnen werde. Die Schokolade ist in jedem Fall zum Verzehr geeignet.

Gleich vier Lebensmittelchemiker hielten sich vor dem Sitzungsaal bereit, um die Beteiligten über die möglichen Herstellungsverfahren von Piperonal aufzuklären. Doch dazu kam es nicht – auch weil Ritter Sport und Symrise nicht offen legen wollen, wie und wo der Stoff hergestellt wird. Richter Lemers, der erzählte, selber schon im Fabrikverkauf von Ritter Sport auf Naschtour gewesen zu sein, lotste die Streithähne geschickt zu einem Vergleich.

Es sei doch weder im Sinne der Stiftung noch im Sinne des Schokoladenherstellers, wenn ein öffentlicher Prozess weiter die Schlagzeilen beherrsche. „Wäre es für den Verbraucher nicht am besten, wenn wir eine gemeinsame Erklärung verfassen: Wir machen ein neues Gutachten und streben einen Vergleich an?“, so Lemers versöhnlich.

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Einstweilige Verfügung bleibt vorerst bestehen

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  • Ich kann nur hoffen, dass die Stiftung Warentest sich wirklich einmal ein Urteil einfängt. So viel Unsinn, wie diese "Stiftung" in ihrer "Narrenfreiheit" geschrieben hat ist unerträglich. Da kommen einem schon komische Gedanken zum Thema Korruption!

  • Herrliches Eigentor von Ritter. Ob's stimmt oder nicht, Marketing-mäßig haben die sich prima selbst ins Knie geschossen.

    Geschieht den Prozesshanseln recht!

  • Danke dass sie erwaehnen, was die meisten Artikel in dieser Angelegenheitn verschweigen: Ritter wird verdächtigt ein künstliches Aroma falsch deklariert zuhaben. Fast alle anderen Hersteller wie Lindt verwenden mit vanillin nur künstliches Aroma und kein hahn kräht danach. Viele artikel vermitteln den Eindruck Ritter sei der einzige schokohersteller der mit Aromen arbeitet.

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