Streit um Arbeitszeiten
Verdi droht Post mit hartem Tarifkonflikt

Die Deutsche Post beharrt trotz der Streikdrohungen der Gewerkschaft Verdi auf längeren Arbeitszeiten für ihre rund 60 000 Beamten.

HB DÜSSELDORF. „Die 38,5-Stunden-Woche einfach fortschreiben - das kann es nicht sein“, sagte der Personalvorstand des Konzerns, Walter Scheurle, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er sei zu Gesprächen mit Verdi bereit, doch sollten diese erst im Januar beginnen.

Die Gewerkschaft drohte angesichts der Haltung Scheurles, bei einer Verlängerung der Arbeitszeit der Beamten auf 41 Stunden zum Jahresanfang werde im Januar ein für den Konzern beispielloser Tarifkonflikt beginnen. „Wir finden es sehr bedauerlich, dass die Post sich nicht für eine Fortschreibung der Arbeitszeit-Regelung für die Beamten einsetzt und nicht bereit ist, noch im Dezember zu verhandeln“, sagte eine Verdi- Sprecherin. „Dann werden wir in den Konflikt gehen.“

Bislang müssen Beamte und Angestellte bei dem ehemaligen Staatsmonopolisten 38,5 Stunden pro Woche arbeiten. Der Vertrag mit der Sonderregelung für die rund 60.000 Post-Beamten läuft zum 31. Januar 2006 aus. Dann müssten sie wie ihre Kollegen im öffentlichen Dienst wöchentlich 41 Stunden zum Dienst erscheinen - und damit länger als ihre angestellten Kollegen in dem Bonner Konzern. Scheurle begründete die längere Arbeitszeit auch damit, dass die Beamten mehr kosteten als Angestellte.

„Von der Gesetzeslage her ist völlig klar, dass die Beamten auch bei uns 41 Stunden arbeiten müssen“, sagte Scheurle. Das Vorstandsmitglied deutete aber an, dass es 2007 nicht bei dieser Regelung bleiben müsse: „Was dann passiert, hängt von den Gesprächen ab, denen ich nicht vorgreifen möchte.“ Der Konzern sei bereit, zusammen mit Verdi eine „gemeinsame Lösung“ zu finden. „Wir wollen konstruktiv über alle denkbaren Möglichkeiten reden - also auch über Arbeitszeit.“

Verdi befürchtet, dass bei einer längeren Arbeitszeit der Beamten rund 5000 Stellen gestrichen werden und auch die Arbeitszeit der Angestellten verlängert werden könnte. Die Gewerkschaft hat die Arbeitszeitregelungen für die 130.000 Angestellten bei dem Konzern bereits gekündigt, um Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich für sie durchzusetzen. Dadurch sollten die Stellen gerettet werden, die durch eine längere Arbeitszeit der Beamten gestrichen werden könnten. Die Belegschaft sei „aufgebracht“, da sie wisse, dass es um ihre Arbeitsplätze gehe, sagte die Sprecherin.

Scheurle lehnte kürzere Arbeitszeiten der Angestellten indes kategorisch ab: „Die Entwicklung in der Wirtschaft geht eher in Richtung einer Arbeitszeitverlängerung.“ Wenn die Post-Beamten künftig länger arbeiteten, so müsse dies nicht eine gleiche Entwicklung für die Angestellten bringen: „Es gibt keine Automatik.“ Einen Abbau von Arbeitsplätzen wollte der Personalvorstand indes nicht ausschließen. Kündigungen werde es nicht geben, doch gebe es auch eine „Fluktuation“ von Mitarbeitern. Diese könne der Vorstand nutzen.

Vor dem Auslaufen der Sonderregelung für die Beamten will der Personalvorstand indes nicht mit Verdi verhandeln: „Ich glaube nicht, dass es nicht während des Dezembers ein Gespräch geben wird.“ Die Post lasse sich nicht unter Druck setzen, wolle aber verhandeln. „Wenn es trotzdem einen Streik gibt, müssen wir sehen, wie wir bestmöglich für unsere Kunden eine solche Auseinandersetzung meistern.“ Die Verdi-Sprecherin drohte: „Es wird Anfang 2007 mit einem Streik zu rechnen sein.“

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