Streit um Ausrichtung der Luxusmodemarke
Escada-Chef vor der Ablösung

Der Machtkampf um die Führung der Luxusmodemarke Escada geht in die entscheidende Runde. Auf einer Aufsichtsratssitzung am kommenden Donnerstag will der russische Großaktionär Rustam Aksenenko den derzeitigen Vorstandschef Frank Rheinboldt entmachten. Aksenenko drängt auf einen Neuanfang mit einem französischen Manager.

DÜSSELDORF / MÜNCHEN. Nach Informationen des Handelsblatts und seiner französischen Partnerzeitung „La Tribune“ soll der Franzose Jean-Marc Loubier an die Spitze von Escada rücken. Ein Sprecher der Münchener Luxusmodemarke wollte sich am gestrigen Donnerstag zu diesen Vorgängen nicht äußern.

Um Escada tobt seit Monaten ein erbitterter Kampf zwischen Vorstandschef Frank Rheinboldt und Aksenenko um die künftige Ausrichtung des Unternehmens. Die Auseinandersetzung gipfelte in einem Eklat auf der Hauptversammlung Mitte Mai. Dort stimmten Aksenenko und andere bedeutende Aktionäre der Entlastung des Vorstands nicht zu und enthielten sich der Stimme. Firmenkenner werteten dies als Signal, dass die Beziehung zwischen Investoren und Rheinboldt schwer zerrüttet ist. „Wer vernünftig miteinander arbeiten will, der macht so etwas nicht“, hieß es.

Aksenenko kontrolliert über seine Schweizer Finanzgesellschaft Finartis etwa ein Viertel der Aktien und ist damit der größte Anteilseigner von Escada. Sein Vorwurf: Trotz der wiederholten Ankündigung, Escada zur weltweit führenden Marke für Damenmode machen zu wollen, komme die Kernmarke mit ihren mageren Zuwachsraten nicht voran.

Der Russe kritisiert vor allem, Escada vernachlässige das lukrative Geschäft mit Accessoires. Dieser Bereich macht nur sieben Prozent des Umsatzes der Münchener aus. Die internationale Konkurrenz wie Gucci und Prada spielt jeden dritten Euro mit teuren Taschen, Parfums und anderem Schnickschnack ein. Selbst ein Spätstarter wie die schwäbische Modemarke Hugo Boss kommt inzwischen auf zehn Prozent und verdient gutes Geld mit Lederaccessoires wie Schuhen und Gürteln.

Bei Escada soll nun offenbar Jean-Marc Loubier einen Kurswechsel herbeiführen. Der französische Unternehmensberater hat früher für den weltgrößten Luxusgüterkonzern LVMH gearbeitet. Dort war er unter anderem für die umsatzstärkste Marke Louis Vuitton tätig. Von 2000 bis 2006 war er Chef der zum Konzern gehörenden kleineren Nobelmarke Celine. Im vergangenen Dezember holte ihn Aksenenko schließlich in den Aufsichtsrat von Escada.

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