Streit um Berliner Märkte Tengelmann-Gespräche drohen zu platzen

Einem Insider-Bericht zufolge könnten die Verhandlungen über die Aufspaltung von Tengelmann am Montag platzen. Der Grund: Edeka und Rewe können sich nicht einigen, wer welche Märkte in Berlin bekommt.
Die Verhandlungen zwischen Rewe und Edeka gestalten sich schwierig. Noch immer ist nicht klar, ob Tengelmann am Ende aufgespalten wird. Quelle: dpa
Vor dem Aus

Die Verhandlungen zwischen Rewe und Edeka gestalten sich schwierig. Noch immer ist nicht klar, ob Tengelmann am Ende aufgespalten wird.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Verhandlungen zur Rettung der über 15.000 Arbeitsplätze bei der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann könnten Insidern zufolge in letzter Sekunde doch noch scheitern. Es gebe noch keine Annäherung bei der Umsetzung des von Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder vermittelten Schlichterspruchs, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche seien schwierig, sagte ein anderer Insider. Hauptstreitpunkt zwischen Rewe und Edeka, die Kaiser's Tengelmann unter sich aufteilen wollen, sei weiter die Verteilung der Märkte in Berlin: „Man kloppt sich um die Filial-Liste“, sagte ein weiterer Insider. Schröder habe zwar die Richtung für eine Lösung vorgegeben, „aber noch ist nichts festgezurrt“, sagte eine weitere mit dem Vorgang vertraute Person. Edeka, Rewe und Tengelmann wollten die Angaben nicht kommentieren.

Diese prominenten Politiker haben schon Streit geschlichtet
Gerhard Schröder
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Die Chefs sind heillos zerstritten, die erteilte Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel kassierte das Oberlandesgericht. Im Streit um den Verkauf der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann haben Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, die Konkurrenten und die Gewerkschaft Verdi monatelang erfolglos um eine Einigung gerungen. Nun soll Altkanzler Gerhard Schröder die zerstrittenen Parteien zusammenbringen und mehr als 15.000 Arbeitsplätze retten. Schröder ist aber nicht der erste Politiker, der in einer vertrackten Situation schlichten soll.

Matthias Platzeck
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Es war einer der erbittertsten Arbeitskämpfe in der Lufthansa-Geschichte: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hatte die 19.000 Flugbegleiter im November 2015 zu einem rund einwöchigen Streik aufgerufen, betroffen war gut eine halbe Million Passagiere. Nach Monaten der Verhandlung verkündete Schlichter Matthias Platzeck dann im Juli 2016 die Einigung. Am Ende stand ein Mammutwerk mit 19 Regelungen, die in 29 Einzelverträge gegossen wurden. „Ein bisschen Sisyphus bleibt immer”, resümierte der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident nach der Einigung. Er war aber nicht der Erste, den die Lufthansa zur Schlichtung benötigte.

Klaus von Dohnanyi
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Bereits 2003 moderierte der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg erfolgreich einen Tarifkonflikt zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Lufthansa, bei dem es um rund 52.000 Mitarbeiter des Boden- und Kabinenpersonals der Airline ging. 2010 schlichtet er dann erneut einen Tarifstreit bei Lufthansa, dieses Mal hatten die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und das Management nicht zueinander finden können. 

Hans-Dietrich Genscher
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Auch der frühere Außenminister, der im März dieses Jahres verstarb, kam bei Europas größter Fluggesellschaft bereits als Schlichter zum Einsatz. 2001 vermittelte er im Tarifstreit zwischen den Piloten und dem Management. Genscher galt als erfahrener Taktiker und war deshalb eine Idealbesetzung für diesen schwierigen Job. 

Jürgen Trittin
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Der Grünen-Politiker hat maßgeblich dazu beigetragen, das Kapitel Atomenergie in Deutschland im Konsens zu beenden. Im Jahr 2000 handelte er zunächst als Bundesumweltminister mit den Chefs der Atomkonzerne den ersten Atomkonsens aus, der den schrittweisen Ausstieg aus der umstrittenen Technologie einleitete. Jetzt schuf er gemeinsam mit anderen Experten die Grundlage für die langfristig sichere Entsorgung des Atommülls. Trittin stand  gemeinsam mit den anderen Politikern Ole von Beust (CDU) und Matthias Platzeck (SPD) der Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) vor.

Bodo Ramelow und Matthias Platzeck
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Matthias Platzeck an allen Fronten: Im Jahr 2015 wurde Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident zusammen mit dem thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow von den Linken (li.) beim Bahnstreik zu Hilfe gerufen – Ramelow von der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), Platzeck von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Fast eine halbe Milliarde Euro kostet die Bahn der längste Streik ihrer Geschichte, zwölf Monate lang zitterten Kunden vor der Zugfahrt, ob die Reise nicht schon am Einstiegsbahnhof endete, 420 Stunden probten die Gewerkschafter den Ausstand – und hielten Fahrgäste wie Speditionen in Atem. Am 1. Juli 2015 konnten beide Schlichter endlich Entwarnung geben.

Heiner Geißler
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Gerne eingeschaltet wird auch Heiner Geißler, ehemaliger Minister und CDU-Fraktionschef. Zuletzt beim Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21, bei dem ihn Baden-Württemberg früherer Ministerpräsident Stefan Mappus (rechts) 2010 rief. Das Schlichtungsverfahren wurde auch deshalb in der Öffentlichkeit so stark beachtet, weil die Debatten zwischen Befürwortern und Gegner im Fernsehen übertragen wurden. Das Ergebnis der Schlichtung: Stuttgart 21 wird gebaut – aber mit deutlichen Änderungen und deutlich teurer als geplant.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Ende Oktober einen erfolgreichen Abschluss der Schlichtung verkündet. „Nun ist klar, dass die Einigung komplett auf der Basis der Ministererlaubnis vollzogen wird“, hatte Verdi-Chef Frank Bsirske gesagt. Es solle für sieben Jahre Sicherheit für die Arbeitsplätze geben, betonte Gabriel. Doch zentrale Details sind Insidern zufolge weiter umstritten. Neben der Verteilung der Filialen in Berlin seien dies Kaufpreise, die Verteilung der Lasten zwischen Edeka und Rewe sowie die Zukunft von Märkten in Nordrhein-Westfalen.

Vertreter der Supermarktketten hatten den Insidern zufolge am Freitag erfolglos versucht, einen Durchbruch zu erzielen. Die Gespräche sollen am Montag fortgesetzt werden. „Es kann gut sein, dass das am Montag auseinanderfliegt“, sagte ein Insider. Noch gebe es aber Chancen auf einen Kompromiss, dieser müsse aber sowohl für Rewe als auch für Edeka wirtschaftlich vertretbar sein, sagte ein anderer mit den Gesprächen Vertrauter. Dieser müsse den Unternehmen zudem Rechtssicherheit bieten. Auch muss das Bundeskartellamt eine Einigung unter die Lupe nehmen.

Das Gerichtsverfahren läuft parallel
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