Streit um Einkaufspreise
Rewe, Ramazzotti und das leere Regal

Ein Zettel statt der Ramazzotti-Flasche: Weil die Verhandlungen zwischen Rewe und Pernod Ricard stockten, verweigerte der Spirituosenhersteller die Lieferung. Rewe reagierte – mit einem offenen Brief an die Kunden.
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DüsseldorfEs ist nur das Bild eines Supermarktregals. Doch es ist symbolisch dafür, wie hart Handelskonzerne wie Rewe inzwischen mit ihren Lieferanten verhandeln. Auf Twitter kursiert ein Foto, das einen Zettel am Spirituosen-Regal einer Filiale des Rewe-Konzerns zeigt. Darauf erklärt der Einzelhändler, warum der Kräuterlikör Ramazzotti nicht mehr im Regal steht: Man habe die „vom Lieferanten geforderte Erhöhung unserer Einkaufspreise“ abgelehnt, heißt es auf dem Zettel, „damit wir Ihnen weiterhin günstige Preise anbieten können“.  

Das Statement des Einzelhändlers ist mit „KW 28“ datiert, war also Anfang Juli in einigen Rewe-Märkten zu finden. Es ist ein neues Mittel, das Rewe da als Verhandlungstaktik im Einzelhandel einsetzt: Die Supermarktkette trägt seine Preisverhandlungen nicht mehr hinter geschlossenen Türen aus, sondern vor den Augen der Kunden. Das Kalkül von Rewe scheint klar: den Käufer bei Preisverhandlungen auf seine Seite zu ziehen. Die Strategie ging offenbar auf, wie der Tweet von Tim Klimes nahelegt.

Pernod-Ricard, Hersteller von Ramazzotti, bestätigte den Lieferstopp auf Anfrage von Handelsblatt Online. Das Key-Account-Management, das Großkunden betreut, habe in Verhandlungen mit Rewe gesteckt. Man habe „unterschiedliche Ansichten“ gehabt, sagte eine Sprecherin, und daraufhin keinen Ramazzotti mehr an die Supermarktkette geliefert. Doch inzwischen habe man sich geeinigt, der Likör sei zurück in den Regalen. Die Preiserhöhung, die Ramazzotti gefordert habe, sei durch.

Aber das heißt nun nicht automatisch, dass der Kunde mehr zahlen muss. Bei Verhandlungen zwischen zwei Handelspartnern geht es vor allem um die Anteile, die Händler und Lieferant jeweils bekommen. Soll heißen: Wenn der Lieferant einen höheren Einkaufspreis verlangt, schmälert das im Normalfall den Gewinn des Händlers – außer, er erhöht die Einzelhandelspreise entsprechend.

Diese Preiserhöhung für den Konsumenten würde dann aber nicht direkt der Lieferant verantworten, wie Rewe auf seinem Zettel suggeriert. Der Handelskonzern könnte sich auch dazu entscheiden, das Produkt zum selben Preis anzubieten und auf einen Teil seiner Margen zu verzichten. Das ist nun offenbar geschehen. Auf eine Anfrage von Handelsblatt Online gab es von Rewe bisher keine Stellungnahme.

Falls Rewe den höheren Preis von Pernod-Ricard, wie von dem Spirituosenhersteller überliefert, tatsächlich geschluckt hat, wäre das ein durchaus ungewöhnliches Verhalten. Die Marktmacht im Lebensmittelgeschäft teilen sich heutzutage vier Supermarktketten. Weil die großen Einzelhändler Rewe, Aldi, die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland) sowie Edeka den Markt fast komplett unter sich ausmachen, haben sie im Normalfall die stärkere Verhandlungsposition.

Warum der Einzelhändler nachgegeben hat, ist unklar. Ein Grund könnte sein, dass das Fehlen der Spirituosenmarke – anders als unbekanntere Marken – den Kunden auffiel und dadurch Druck auf Rewe ausgeübt wurde. Anders als etwa Käse, Zucker oder Schokolade hat Rewe alkoholische Getränke (noch) nicht durch Eigenmarken ersetzt. Und wer statt des Ramazzotti einen Zettel bei Rewe findet, der wechselt vermutlich eher den Supermarkt – nicht das alkoholische Wunschgetränk.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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