Streit um Routen der Airlines
Warum flog MH17 über die Ostukraine?

Riskante Route: Weil in der Ukraine ein Bürgerkrieg tobt, mieden einige Airlines den Flugraum. Dagegen schickten Malaysian Airlines, KLM und Lufthansa ihre Flieger über das Land Richtung Asien. Um Kerosin zu sparen?
  • 14

DüsseldorfMit Bombardements der USA auf Bagdad begann in der Nacht zum 20. März 2003 der zweite Irak-Krieg. Es war ein angekündigter Militärschlag: US-Präsident George W. Bush hatte Iraks Diktator Saddam Hussein zuvor ein Ultimatum zum Verlassen des Landes gesetzt. Die Luftfahrt reagierte schnell, schon am Morgen des 20. März wurden Flüge in das Land abgesagt und Überflüge umgeleitet.

Im Osten der Ukraine herrscht ebenfalls Krieg. Ein Bürgerkrieg, der sich über Monate hochschaukelte, und am Donnerstagnachmittag seinen bisherigen schrecklichen Höhepunkt erreichte, als eine Boeing mit fast 300 Passagieren an Bord offenbar mit einer Rakete vom Himmel geholt wurde. Die Attacke zeigt: Die Luftfahrtbranche war nicht vorbereitet, sonst wäre es gar nicht erst zu dieser Katastrophe gekommen.

Denn bis zum Absturz des Flug MH17 flogen neben Malaysia Airlines zumindest auch die Lufthansa, die niederländische KLM und Thai Airways bei Flügen nach Bangkok oder Kuala Lumpur über das Krisengebiet. Das zeigen Auswertungen der „New York Times“.

Noch am frühen Mittwochmorgen hatte etwa ein Lufthansa-Flug die Region des Absturzortes überflogen.

Die Lufthansa erklärt dazu: „Uns lagen keine Warnungen der Behörden vor.“ Andere Fluggesellschaften hingegen meiden bereits seit Wochen die Ostukraine. Air France und British Airways fliegen gleich ganz um die Ukraine herum, wie aus den Aufzeichnungen des Flugzeug-Trackers „Flightradar24“ hervorgeht. Die koreanischen Airlines Korean Air und Asiana, die australische Qantas und die polnische Lot gaben an, ihre Routen schon vor Wochen verlegt zu haben.

Erst nach dem Abschuss reagierten auch die übrigen Airlines: Lufthansa und KLM veränderten noch am Donnerstagabend ihre Routen, Air India, Jet Airways, Vueling und Malaysia Airlines taten es ihnen gleich.

Am Donnerstag sperrte die ukrainische Regierung schließlich den Luftraum über Teilen des Ostens, über den sie die Kontrolle offensichtlich verloren hat.

Doch warum war der Luftraum nicht schon vor der Katastrophe für den zivilen Luftverkehr gesperrt? Darüber streiten am Freitag die Experten. „Ich finde es bemerkenswert, dass eine zivile Airline ihren Flug über ein solches Gebiet plant“, sagt Robert Francis, ehemaliger stellvertretender Chef der US-Behörde für Transportsicherheit.

„Die Internationale Luftverkehrsvereinigung sagt, dass es keine Einschränkungen für den Flugverkehr in dem Gebiet gab“, erklärte der malaysische Transportminister Liow Tiong Lai am Freitag auf einer Pressekonferenz. Das bestätigt auch eine Mitteilung des Verbands vom Donnerstag. Doch offenbar gab es verschiedene Empfehlungen der Luftfahrtbehörden – an die sich die Airlines hielten oder auch nicht.

Kommentare zu " Streit um Routen der Airlines: Warum flog MH17 über die Ostukraine?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Von Airlines wie Malaysia und erst Recht der Lufthansa hätte ich erwartet, dass sie auch beim GERINGSTEN Risiko sofort reagieren. So wie andere Airlines das offensichtlich schon seit Wochen gemacht haben und dieses Kriegsgebiet umflogen haben. Spätestens nachdem in den letzten Tagen dort schon Flugzeuge abgeschossen wurden, hätte auch die LH von sich aus sofort reagieren müssen - und zwar unabhängig davon, ob der Luftraum offiziell noch freigegeben war oder nicht. Natürlich werden die Airlines vehement abstreiten, dass das letzten Endes einfach eine ökonomische Güterabwägung ist zwischen "kalkuliertes Rest-Risiko eingehen" und der Sicherheit der anvertrauten Passagiere und der eigenen Crew. Es wird immer erst dann reagiert, nachdem eine Katastrophe passiert ist. In ähnlichen Fällen (z.B. Risiken durch giftige Kabinenluft in Flugzeugen) läuft es ja ähnlich. Wahrscheinlich würde es Milliarden kosten, dieses Problem zu eliminieren, also wird man es ignorieren und verharmlosen, bis auch hier die erste Katastrophe passiert ist.

  • Das die deutschen (Europa) wohl etwas mehr für Ihre europäischen Landsleute (Russen) tun sollten und die Schnüre nicht vollends abkappen sollten ist ja wohl klar.
    Die USA wollen doch das Russland alleine da steht. Worum geht es hier, es geht um Öl.
    Das die Israeliten sich durch das vor wenigen Tagen geschlossene Friedensabkommen mit den Palästinenser das dann von diesen sofort gebrochen wurde, einen Freibrief holten um nun zur vernichtung auszuholen ist doch offensichtlich. Wozu braucht dieses Land 3000 Panzer? Atomuboote? Ich nehme dir dein Haus weg und schließe danach Frieden mit dir, da du aber dann nicht aufhörst zu stänkern hab ich die erlaubnis doch verbrecher umzubringen. Sorry, das was Israel seit Jahren macht übersteigt die Grenzen. Man fragt sich allen ernstes ob die eine neuzeitliche Erscheinung ist oder eine Wiederholung und was die Konsequenzen daraus sind.

  • Wer das nicht erkennen kann, ist für mich ein Mensch, mit dem man sich besser NUR über das Wetter unterhalten sollte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%